19.11.2018
Altersvorsorge & Rente

Mit Kin­dern für die Rente spa­ren? Wie Müt­ter fürs Alter vor­sor­gen kön­nen

Kinder und Altersvorsorge finanziell unter einen Hut zu bringen, ist eine Herausforderung. Die gute Nachricht: Der Staat greift Müttern, die es anpacken, kräftig unter die Arme.

Jetzt auch noch an die Rente denken – haben Mütter denn nicht schon genug zu tun? Zweifellos ist es anstrengend, sich neben Stillen und Wickeln  auch noch um die Altersvorsorge zu kümmern. Aus eigenem Interesse sollten Mütter sich trotzdem dazu durchringen– je früher, desto besser.


Gender Pay Gap? Gender Pension Gap!

Der Gender Pension Gap ist die große Schwester des Gender Pay Gap. Während Frauen, je nach Betrachtungsweise, entweder 6 bzw. 22 Prozent durchschnittlich weniger verdienen als Männer, sieht die Situation im Alter noch drastischer aus. In Deutschland haben Frauen im Ruhestand rund 60 Prozent weniger eigenes Geld zur Verfügung als Männer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums.


Auch die Zahlen der gesetzlichen Rentenversicherung belegen, dass die Unterschiede deutlich sind:


  • Durchschnittliche Männer-Rente: 1.043 Euro
  • Durchschnittliche Frauen-Rente: 798 Euro


(Zahlen für 2017)
 
Geringere Gehälter, häufiger in Teilzeit und mehr (unbezahlte) Familienarbeit – die Folge: Mit der finanziellen Unabhängigkeit ist es im Alter oft vorbei.


An sich selbst denken – auch in der Altersvorsorge

Das Modell früherer Generationen – der Mann kümmert sich ums Geld, die Frau um Kinder und Haushalt – hat entweder ausgedient oder steht mindestens auf tönernen Füßen. Viele Partnerschaften gehen in die Brüche, Ehen werden geschieden, es kann Schicksalsschläge geben. Frauen sollten sich nicht auf das „Vorsorgemodell Mann“ verlassen. Das Grundprinzip für die weibliche Altersvorsorge: emanzipiert denken und handeln. Denn:


Männer sind keine Altersvorsorge.


Altersvorsorge und Kinder: So kann das gelingen

Kinderbetreuung und finanzielle Einbußen gehen häufig einher. Im Hinblick auf die Rente ist es wichtig, diese Situation richtig zu managen – und mit entsprechendem Weitblick zu handeln. Was Mütter tun können, um im Alter gut versorgt zu sein:


  • Prüfen Sie, wann und in welchem Umfang Sie wieder in den Beruf zurückkehren. Mehr Erwerbstätigkeit erhöht die gesetzliche Rente und verbessert den Zugang zu betrieblicher Altersversorgung. Eine größere finanzielle Unabhängigkeit schafft zudem Spielraum für private Vorsorge.
  • Lassen Sie sich professionell beraten – sei es von Renten- oder Versicherungsberatern.
  • Setzen Sie sich mit Ihrer Altersvorsorge auseinander, bestenfalls auch gemeinsam mit dem Partner. Je früher, desto besser: Je länger die Ansparzeit, desto weniger müssen Sie sich finanziell anstrengen.


Selbst die scheinbar geringsten Sparbeiträge sind besser, als gar nichts zu tun.


Altersvorsorge in Erziehungszeiten beibehalten

Kümmert sich die Frau um die Kinder und hat bereits eine Altersvorsorge abgeschlossen, sollte sie diese auf keinen Fall kündigen. „Sonst gehen die erworbenen Rentenansprüche und bei geförderten Riester-Renten die staatlichen Zulagen verloren“, erklärt GDV-Versicherungsexperte Mathias Zunk. Für Mütter gibt es cleverere Lösungen, sollte es mal im Geldbeutel enger werden:


  1. Reduzieren Sie Ihre Altersvorsorgebeiträge. Sprechen Sie dazu Ihren Versicherer oder Vermittler an.
  2. Stellen Sie Ihre Altersvorsorge beitragsfrei. Bedeutet: Sie zahlen vorrübergehend keine Beiträge ein. Wenn Sie wieder arbeiten, können Sie die Einzahlungen problemlos wieder aufnehmen.
  3. Fragen Sie Ihren Partner, ob er Ihre Beiträge zur Altersvorsorge übernimmt – vielleicht auch nur vorübergehend. Je nach Konstellation schafft dieses Modell einen fairen Ausgleich zwischen Mutter und Vater.

 

Riester-Förderung lohnt sich vor allem mit Kindern

Wer eine geförderte Altersvorsorge hat, etwa eine Riester-Rente, sollte nach der Geburt eines Kindes auf jeden Fall seine Versicherung informieren. Der Grund: Der Staat bezuschusst die private Vorsorge mit 300 Euro pro Kind und Jahr. Ein Rechenbeispiel:


  • Eine Mutter verdient 25.000 Euro brutto im Jahr
  • Für die volle Zulage müssen 4 Prozent davon in den Vertrag fließen: 1.000 Euro
  • Abzüglich Grundzulage vom Staat (175 Euro): 825 Euro
  • Abzüglich Kinderzulage vom Staat (300 Euro): 525 Euro
  • Ihr Monatlicher Sparbeitrag für die volle Förderung: 43,75 Euro


„Je geringer der Verdienst und je mehr Kinder, desto mehr gibt der Staat anteilig hinzu“, erklärt Versicherungsexperte Zunk. Mütter profitieren davon besonders – vorausgesetzt, sie sind rentenversicherungspflichtig beschäftigt. Laut der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA), die die Riester-Förderung verwaltet, erhalten Frauen durchschnittlich knapp 310 Euro pro Jahr an staatlicher Förderung (Männer: rund 171 Euro). Im Alter zahlt sich das in Form einer höheren Zusatzrente spürbar für sie aus.



Was passiert mit der Riester-Rente während der Elternzeit?

Wer über eine Riester-Rentenversicherung verfügt, muss darauf achten, dass in der Elternzeit auch der Mindesteigenbeitrag eingezahlt wird. Nur dann profitieren Mütter von der vollen staatlichen Zulage. Im ersten vollen Jahr der Elternzeit bleibt es bei der Regelung, dass sich der Mindesteigenbeitrag am Vorjahres-Bruttoeinkommen (4 Prozent hiervon, maximal jährlich 2.100 Euro abzgl. Zulage) bemisst. Ab dem zweiten vollen Jahr Elternzeit muss nur der Sockelbeitrag in Höhe von 60 Euro gezahlt werden. Die Zahlung dieses Mindestbeitrags reicht auch im ersten Jahr nach der Elternzeit aus, denn auch dann gilt das Vorjahreseinkommen als maßgeblicher Faktor.


Nach der Elternzeit, wenn wieder mehr Gehalt reinkommt, empfiehlt Mathias Zunk den laufenden Vertrag mit einer Einmalzahlung aufzustocken: „So erreichen Mütter wieder ihr angestrebtes Absicherungsniveau im Alter.“