13.10.2016
Altersvorsorge & Rente

So las­sen sich Hin­ter­blie­bene absi­chern

Wenn der Haupternährer einer Familie stirbt, müssen die Angehörigen nicht nur den menschlichen Verlust verkraften. Es droht ihnen auch eine finanzielle Schieflage, denn Witwen- oder Waisenrente reichen oft nicht aus, um bestehende Verbindlichkeiten weiter bedienen und den bisherigen Lebensstandard aufrechterhalten zu können. Welche Möglichkeiten es gibt, mit Versicherungen die Hinterbliebenen abzusichern, erläutert GDV-Verbraucherexperte Mathias Zunk.

Herr Zunk, die gesetzliche Rentenversicherung bietet Ehepartnern und Kindern eine gewisse finanzielle Absicherung für den Fall, dass ein Familienangehöriger stirbt. Wie funktioniert das genau?
Mathias Zunk: Wenn man bis zum Tod mit dem Ehe- oder dem eingetragenen Lebenspartner verheiratet oder verpartnert war, erhält man eine Witwer- beziehungsweise Witwenrente. Eine Waisenrente unterstützt Kinder und Jugendliche, wenn Vater, Mutter oder beide Eltern verstorben sind. Die konkrete Höhe dieser Hinterbliebenenrenten hängt dann von diversen Faktoren wie beispielsweise Alter und Einkommen ab. Um Ihnen mal eine Vorstellung zu geben: Der durchschnittliche Zahlbetrag einer Witwen-/Witwerrente, die im Jahr 2015 neu bewilligt wurde, betrug im Westen Deutschlands 525 Euro pro Monat und im Osten 551 Euro. Die Waisenrenten lagen bei etwas mehr als 160 Euro pro Monat.


Das wird vielen Betroffenen wohl kaum reichen. Mit welchen privaten Produkten lässt sich denn noch zusätzlich vorsorgen?
Zunk: Der Klassiker in diesem Zusammenhang ist die Risikolebensversicherung . Mit ihr kann für wenig Geld eine hohe Versicherungssumme für den Todesfall abgeschlossen werden, die dann an die Hinterbliebenen ausgezahlt wird. Die Risikolebensversicherung lässt sich außerdem durch Zusatzbausteine wie die Berufsunfähigkeits – oder Unfallzusatzversicherung ergänzen.


Welche Versicherungssumme würden Sie empfehlen?
Zunk: Eine Faustformel hierfür gibt es nicht. Die Versicherungssumme sollte immer auf die individuelle Lebenssituation desjenigen abgestimmt werden, der versichert wird. Wenn etwa ein Darlehen für ein Haus aufgenommen wurde, müssen ja auch die Tilgungsraten von den Hinterbliebenen weitergezahlt werden. Die Höhe der Versicherungssumme sollte daher so gewählt werden, dass sowohl laufende Kredite als auch eine entstehende Gehaltslücke bei Tod des Versicherten abgedeckt ist.


Kann ich auch meine eigene Altersvorsorge mit einem Hinterbliebenenschutz kombinieren?
Zunk: Ja, mit einer Kapitallebensversicherung kann eigenes Vermögen aufgebaut werden und mit der Todesfallabsicherung können die Angehörigen abgesichert werden. Stirbt der Versicherungsnehmer nicht vor Vertragsablauf, bekommt er die Versicherungssumme plus mögliche Überschüsse ausgezahlt. Tritt der Tod während der Vertragslaufzeit ein, erhalten die Hinterbliebenen die vereinbarte Todesfallleistung.


Kann ich auch staatlich geförderte Produkte wie eine Riester- oder Basisrente mit einem Hinterbliebenenschutz kombinieren?
Zunk: Grundsätzlich lässt sich die Riester-Rente auch „vererben“. Aber: Bereits gewährte Zulagen und steuerliche Erleichterungen würden dabei unter Umständen verloren gehen. Die Fördergelder können allerdings erhalten bleiben, wenn der hinterbliebene Ehepartner oder jeweils eingetragene Lebenspartner das Kapital auf seinen eigenen Vertrag überträgt oder das Geld als laufende Hinterbliebenenrente an den Ehegatten beziehungsweise den eingetragenen Lebenspartner oder die kindergeldberechtigten Kinder des Versicherungsnehmers ausgezahlt wird. In der Basisrente lässt sich unproblematisch ein zusätzlicher Hinterbliebenenschutz vereinbaren.


Und wie sieht es bei der betrieblichen Altersversorgung aus? Würden meine Angehörigen im Falle meines Todes etwas aus meiner Direktversicherung erhalten?
Zunk: Ja, wenn ein entsprechender Hinterbliebenenschutz explizit vereinbart wurde. Dann können Ehepartner bzw. eingetragene Lebenspartner und kindergeldberechtigte Kinder in den Genuss einer Absicherung kommen.


Wenn ich bei einem Unfall ums Leben komme, leistet meine private Unfallversicherung auch an die Familie?
Zunk: Ist in der privaten Unfallversicherung eine Unfalltodesfallleistung vereinbart, wird diese an den Bezugsberechtigten ausgezahlt. Hier kann jede Person festgelegt werden.