20.07.2016
Altersvorsorge & Rente

Unfall­ver­si­che­rung im Alter beson­ders wich­tig

Wenn das aktive Berufsleben endet, beginnt der wohlverdiente Ruhestand. Für die meisten Rentner ändert sich dann so einiges: Endlich mehr Zeit zum Heimwerkern, Reisen oder auch nur für das Genießen eines entspannten Alltags in den eigenen vier Wänden. Mit Beginn der neuen Lebensphase gehört auch der Versicherungsschutz auf den Prüfstand.

Herr Zunk, welche Versicherungen sind für ältere Menschen ein Muss?
Mathias Zunk: Es gibt einige Policen, auf die man gerade im Alter nicht verzichten sollte. Eine private Haftplicht – und Unfallversicherung gehören sicher dazu. Gerade letztere halte ich für unerlässlich, schließlich sind Senioren besonderen Unfallrisiken ausgesetzt. Im Alter nimmt die Reaktions- und Koordinationsfähigkeit ab. Gleichzeitig verläuft die Heilung von Verletzungen langsamer und nicht selten komplizierter. So kann schon ein einfacher Knochenbruch zu wesentlich größeren Komplikationen führen, als dies in jungen Jahren der Fall ist.


Gibt es hier spezielle Varianten, die ausschließlich auf die Bedürfnisse von älteren Menschen zugeschnitten sind?
Zunk: Ja, bei den meisten Anbietern gilt für Senioren im Vergleich zur „normalen“ privaten Unfallversicherung ein erweiterter Unfallbegriff. Das heißt: Bestimmte Gesundheitsschäden sind sogar unabhängig von der Frage versichert, ob sie durch einen Unfall verursacht wurden oder nicht. Dazu gehört zum Beispiel der bei Senioren häufig vorkommende Oberschenkelhalsbruch. Viele Versicherer zahlen hier auch dann, wenn es ein „Spontanbruch“ ohne äußere Einwirkung war.


Wenn es zum Unfall kommt: Welche Leistungen kann ich dann von der Versicherung erwarten? Nur Geld?
Zunk: Nein, deutlich mehr als das. Ältere Menschen bekommen auch praktische Hilfeleistungen angeboten, damit sie den Alltag zu Hause in der Zeit unmittelbar nach einem Unfall bewältigen können. Das Angebot an Hilfs- und Pflegeleistungen reicht von der Begleitung bei Arzt- und Behördengängen über die Erledigung von Einkäufen bis hin zur Reinigung der Wohnung. Viele Versicherer organisieren und bezahlen diese Leistungen bis zu sechs Monate nach einem Unfall.


Apropos Pflege: Wie kann ich sicherstellen, dass ich mir auch als älterer Mensch die Kosten für eine angemessene Pflege leisten kann?
Zunk: Es empfiehlt sich der Abschluss einer Pflegerenten­versicherung, da der Staat mit der gesetzlichen Pflegeversicherung die Pflegebedürftigkeit finanziell nicht rundum absichern kann. Wird man pflegebedürftig, zahlt der Versicherer dann eine monatliche Rente und kann so dazu beitragen, die Versorgungslücke zu schließen. Für die Rentenzahlungen spielt es übrigens keine Rolle, ob man sich von Angehörigen zu Hause oder von professionellen Kräften in einem Heim pflegen lässt.


Sollte ich wegen einer Pflegerentenversicherung meine Krankenversicherung ansprechen?
Zunk: Sie haben die Wahl zwischen Pflegerententarifen, die von den Lebensversicherungsunternehmen angeboten werden und Pflegezusatztarifen, die Sie bei den privaten und gesetzlichen Krankenversicherern abschließen können. Letztere sind aufgeteilt in Pflegetagegeldtarife – sie umfassen die Zahlung von Pflegetagegeldern – und Pflegekostentarife, bei denen Aufwendungen professioneller Pflegekräfte ganz oder zum Teil übernommen werden.


Zum Glück ist das Thema Pflege aktuell für mich noch in weiter Ferne. Bei meinem Fitnesszustand plane ich erst einmal eine mehrmonatige Weltreise. Reicht meine bisherige Auslandskrankenversicherung hier als Absicherung?
Zunk: Das kommt darauf an. Wer eine mehrmonatige Reise plant, sollte beachten, dass viele Auslandsreisekrankenversicherungen maximal sechs bis acht Wochen am Stück schützen – unabhängig davon, ob sie für die Dauer des Auslandsaufenthalts oder aufs Jahr abgeschlossen wurden. Eine längere Reise erfordert daher eine spezielle Versicherung. Gerade im fortgeschrittenen Alter, in dem Krankheiten häufiger vorkommen können, machen auch Reiserücktritt- und Reiseabbruchversicherungen durchaus Sinn. So erstattet der Versicherer z.B. bei einer unerwartet schweren Erkrankung die Stornogebühren, die der Reiseveranstalter in Rechnung stellt, wenn die gebuchte Reise wegen der schweren Erkrankung nicht angetreten werden kann.


Wie kann ich sicherstellen, dass meine Bestattung eines Tages nicht zur finanziellen Belastung für meine Familie wird?
Zunk: Nach der in Deutschland geltenden Bestattungspflicht müssen Angehörige nach dem Tod ihres Verwandten dafür Sorge tragen, dass der Leichnam ordnungsgemäß bestattet wird. Sämtliche Kosten, die im Zusammenhang mit der Bestattung entstehen, müssen sie dabei selbst übernehmen. Wenn Sie dafür sorgen wollen, dass Ihre Beerdigung nicht von ihren Angehörigen bezahlt werden muss, bieten sich Bestattungs-Vorsorgeverträge und Sterbegeldversicherungen an. Im Todesfall zahlen die Anbieter die vorher vereinbarte Summe an ihre Hinterbliebenen aus.


Welche Summe setzt man hier ungefähr an?
Zunk: Das kann man pauschal nicht beantworten. Wie hoch die Kosten einer Bestattung im Einzelfall ausfallen, hängt in erster Linie von Ihrem Wunsch und eventuell auch von den Bedürfnissen der Hinterbliebenen, aber nicht zuletzt auch von deren finanziellen Möglichkeiten ab. Laut einer Untersuchung der Stiftung Warentest liegen die durchschnittlichen Beerdigungskosten in Deutschland derzeit bei gut 6.000 Euro.