27.10.2017
Auto & Reise

7-Grad-Regel oder O bis O: Wann Auto­fah­rer Win­ter­rei­fen auf­zie­hen soll­ten

Der richtige Wechsel-Zeitpunkt, ein neues Reifensymbol und Versicherungsschutz auf glatten Straßen: Wir klären die wichtigsten Fragen zur Winterbereifung.

7-Grad-Regel oder O bis O: Wann sollten Autofahrer auf Winterreifen umrüsten?

Die 7-Grad-Regel besagt, dass sich Autofahrer bei der Umrüstung auf Winterreifen am Thermometer orientieren sollten. Fällt es unter die besagten 7 Grad, wird es Zeit für die Winterreifen. Diese Faustformel stammt von den Reifenherstellern. Sie bezieht sich auf die veränderte Gummimischung in den Winter-Pneus, die ein sichereres Fahrverhalten in der kalten Jahreszeit ermöglichen sollen.


Die O-bis-O-Regel nimmt hingegen den Kalender als Maßstab. Autofahrer sollten demnach von Oktober bis Ostern mit Winterreifen unterwegs sein. 


Und welche Regel gilt jetzt? 

Um auf Nummer sicher zu gehen, empfehlen Kfz-Versicherer die O-bis-O-Regel. In diesem Zeitraum kann es kurzfristig zu frostigen Straßenverhältnissen kommen, für die Sommerreifen ungeeignet sind. Einzige Ausnahme: Liegt Ostern relativ früh im Jahr, können sich Autofahrer im Frühjahr mit der Umrüstung auf Sommerreifen noch etwas Zeit lassen.


Wie müssen Winterreifen gekennzeichnet sein?

Autofahrer müssen ab 2018 beim Kauf von Winterreifen auf ein neues Symbol achten. Nur Reifen mit dem Alpine-Symbol gelten dann noch als wintertauglich. Mit dem neuen Symbol, ein Piktogramm aus einem zackigen Berg und einer Schneeflocke, gehen laut Bundesverkehrsministerium erstmals verbindliche Qualitäts- und Leistungsstandards an die Reifen einher - ein entscheidender Unterschied zur derzeit verwendeten M+S-Kennzeichnung.


Wer jetzt noch ältere Winterreifen mit der M+S-Kennzeichnung in der Garage hat, braucht sich jedoch keine Sorgen zu machen. Diese dürfen noch bis September 2024 eingesetzt werden.



Zahlt die Kfz-Versicherung, wenn man ohne Winterreifen einen Unfall verursacht?

Das gilt in der Kfz-Haftpflichtversicherung:

  • Die Kfz-Haftpflichtversicherung übernimmt den Schaden des Unfallopfers auf jeden Fall, auch wenn der Unfallverursacher mit Sommerreifen unterwegs war.

    Autofahrer sollten jedoch nicht dauerhaft mit Sommerreifen unterwegs sein, wenn die Straßenverhältnisse eindeutig Winterreifen erforderlich machen. Wer dann einen Unfall verursacht, muss damit rechnen, von seinem Haftpflichtversicherer mit bis zu 5.000 Euro in Regress genommen zu werden.


Das gilt in der Vollkaskoversicherung:

  • Wenn der Autofahrer vor Fahrtantritt oder während der Fahrt hätte erkennen müssen, dass Sommerreifen angesichts der Straßenverhältnisse völlig ungeeignet sind und es aufgrund der unzureichenden Bereifung zu einem Unfall kommt, kann die Leistung der Kaskoversicherung anteilig, in besonders schweren Fällen sogar vollständig gekürzt werden.  



Gibt es in Deutschland eine Winterreifenpflicht?

Eine generelle Pflicht, das Auto im Winter bzw. für einen festen Zeitraum mit Winterreifen auszurüsten, gibt es nicht. Aber: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte dürfen nur Autos mit Winterreifen unterwegs sein. Es gilt also eine Art situative Winterreifenpflicht. In den Alpenländern, wo viele ihren Winterurlaub verbringen, gelten ähnliche Regelungen.


Was kostet ein Verstoß gegen die situative Winterreifenpflicht?

Autofahrer, die trotz Schnee und Eis mit Sommerreifen unterwegs sind, müssen mit einem Bußgeld von 60 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen. Wer durch dieses Fehlverhalten andere behindert, wird mit 80 Euro und einem Punkt verwarnt. Bei einer Gefährdung sind es 100 Euro und ebenfalls ein Punkt. Wer sein Auto mit Sommerreifen bei Schnee und Eis nicht bewegt, begeht hingegen keine Ordnungswidrigkeit.