10.04.2017
Auto & Reise

Haben teure Autos immer höhere Ver­si­che­rungs­bei­träge?

Die meisten Autokäufer schauen nicht nur auf PS, Hubraum oder Ausstattung, sondern denken neben dem Kaufpreis auch an die Folgekosten. Muss für ein teureres Fahrzeug auch gleich immer mehr Geld für die Versicherung eingeplant werden?

Zunächst muss man zwischen der Kfz-Haftpflicht- und der Kaskoversicherung unterscheiden. Eine Haftpflichtpolice braucht jeder Autobesitzer. Verursacht er einen Unfall, übernimmt seine Versicherung die Schäden der Unfallgegner. Da es also um die Schäden der anderen geht, hat der Kaufpreis des versicherten Fahrzeugs keinen Einfluss auf die Prämie. Entscheidend ist vielmehr, wie oft ein Fahrzeugmodell Unfälle verschuldet und wie hoch die durchschnittlichen (Fremd-)Schäden sind.


So rangiert beispielsweise ein fünf Jahre alter Lamborghini Gallardo LP560-4 (siehe Foto) – je nach Zustand immerhin noch weit über 100.000 Euro wert – in der Haftpflicht in der niedrigen Typklasse 16. Ein Mazda3, der ab 21.500 Euro zu haben ist, liegt hingegen in der Typklasse 18. Die Typklasse spiegelt die Schaden- und Unfallbilanz eines Automodells wider: Je niedriger die Einstufung, desto günstiger ist in der Regel die Versicherungsprämie.


Wert des Autos beeinflusst Kasko-Prämie

Bei Kaskoversicherungen, für die es eigene Typklassen gibt, liegen die Dinge ein wenig anders. Zwar hängt die Einstufung eines Fahrzeugs – wie auch in der Kfz-Haftpflicht – von der Schaden- und Unfallbilanz ab. Da es nun aber nicht um Fremdschäden geht, sondern um die Schäden am versicherten Fahrzeug, beeinflusst dessen Wert durchaus die Versicherungsprämie.


Die Teilkasko ersetzt beispielsweise den Wert eines gestohlenen Fahrzeugs. Und für einen Versicherer macht es finanziell einen erheblichen Unterschied, ob er für den Diebstahl eines 7er BMW aufkommen muss oder eines VW Polo. Ähnlich ist es in der Vollkasko, die für Schäden am eigenen Fahrzeug nach einem selbst verschuldeten Unfall aufkommt. Die Reparatur einer E-Klasse-Limousine ist in der Regel teurer als die eines Opel Corsa.

Liebhaber von Luxusautos zahlen tendenziell mehr

Wer ein Luxusauto fährt, zahlt daher für seine Kaskoversicherung tendenziell immer mehr als der Besitzer eines Kleinwagens. Die folgende Abbildung zeigt am Beispiel der Vollkasko-Versicherung, wo bei neuen Fahrzeugen die Fahrzeugklassen in etwa rangieren.


Foto: Die Versicherer


Auch Kleinwagen können hohe Typklassen haben

Trotzdem gibt es immer wieder Automodelle, die im Vergleich mit Autos der gleichen Fahrzeug- und Preisklasse besonders günstig oder teuer in der Kaskoversicherung sind. Der Toyota Auris TS Hybrid ist – abseits des zusätzlichen Elektromotors – ein typischer Kompaktwagen. Er ist laut Hersteller ab 24.690 Euro als Neuwagen zu haben. In der Vollkaskoversicherung wird er mit der Typklasse 22 relativ hoch eingestuft. Zum Vergleich: Ein beinahe gleich teurer BMW 116i liegt in der Typklasse bei 18, wäre also günstiger in der Vollkaskoversicherung. In der gleichen Typklasse wie der BMW rangiert wiederum ein Golf VII, der in der Basisausstattung jedoch fast 5.000 Euro günstiger ist.


Foto: Die Versicherer


Dies verdeutlicht, wie stark auch andere Faktoren wie die Häufigkeit von Unfällen oder Diebstählen die Typklasseneinstufung mit beeinflussen. Der Toyota Auris TS Hybrid aus dem vorigen Beispiel wird vergleichsweise häufig gestohlen. Die teuren Diebstähle bringen ihn deshalb in die Typklasse Vollkasko 26. In die gleiche Typklasse wird auch ein BMW 530i XDrive eingestuft, der mit 52.400 Euro das Doppelte kostet. Auch eine komplizierte Verbauung von Karosserieteilen, die eine Reparatur sehr aufwendig und teuer macht, kann dazu führen, dass ein Fahrzeugtyp in der Kaskoversicherung höher eingestuft wird.