03.08.2020
Auto & Reise

Mal­lorca-Police: Was Urlau­ber für ihren Miet­wa­gen wis­sen soll­ten

Eine Kfz-Haftpflichtversicherung kommt bei einem Autounfall für Schäden auf, die Sie verursacht haben. Das gilt grundsätzlich auch im Ausland – aber hier ist der Schutz häufig auf niedrigere Summen begrenzt.

Wer mit einem Mietwagen im Ausland einen Unfall verursacht, muss sich womöglich am Schadenersatz selbst beteiligen. Der Grund: Die Kfz-Versicherung kommt nur für Schäden bis zur Deckungssumme auf, die im jeweiligen Land gilt - und die ist in vielen Fällen niedriger als in Deutschland. Hier kann eine Zusatzversicherung sinnvoll sein, die diese Differenz zum deutschen Standard für Deckungssummen schließt: die Mallorca-Police. Offiziell bezeichnet man sie als Versicherung für den Gebrauch fremder, versicherungspflichtiger Fahrzeuge.





Wann ist eine Mallorca-Police sinnvoll?

In Deutschland kommt die Kfz-Haftpflichtversicherung in aller Regel im vollen Umfang für Schäden bei einem Unfall auf. Die gesetzlichen Mindestdeckungssummen liegen in Deutschland für Personenschäden bei 7,5 Millionen Euro und für Sachschäden bei 1,12 Millionen Euro. Diese Standardsummen werden von den meisten Kfz-Versicherungsverträgen übertroffen. In der Regel bieten die Versicherer deutlich höhere Versicherungssummen an, beispielsweise bis zu 100 Millionen Euro, weswegen Sie sich bei einem Unfall mit Ihrem eigenen Auto keine großen Sorgen um die finanziellen Folgen machen müssen. 


Sind Sie jedoch mit einem Mietwagen im Ausland unterwegs, richtet sich der Versicherungsschutz grundsätzlich nach den Vorschriften im jeweiligen Land. Wer sich somit nicht entsprechend informiert und absichert, für den kann der Urlaub teurer werden als gedacht. Zum einen ist das Unfall-Risiko bei Mietwagen im Ausland höher: Die Umgebung ist nicht vertraut, die Steuerung ungewohnt und das Gelände stellt andere Anforderungen. Zum anderen gelten in vielen anderen Ländern geringere gesetzlich vorgeschriebene Deckungssummen. Dadurch wird eine eigene finanzielle Beteiligung an größeren Schäden, die mit dem Mietwagen verursacht wurden, wahrscheinlich.



Tabelle der Länder mit den geringsten Mindestdeckungssummen:


LandPersonenschäden in EuroSachschäden in Euro
Albanien409.20081.800
Azerbaijan26.7002.700
Bosnien Herzegowina766.900179.000
Moldavien259.00051.800
Mazedonien675.000337.500
Montenegro550.000300.000
Serbien1.000.000200.000
Türkei311.70012.400

Quelle: Council of Bureaux (Stand: 30.01.2020)

Beträge gerundet



Wenn die lokal geltende Deckungssumme nicht ausreicht, um den entstandenen Schaden zu decken, muss der Versicherte den Rest aus eigener Tasche bezahlen. Vor allem wenn andere geschädigt werden und dauerhaft auf Behandlung und Unterstützung angewiesen sind, ist das besonders schlimm und verursacht hohe Kosten. Im Ausland sollte man sich also nicht allein auf die Kfz-Versicherung des Mietwagens verlassen und die Mallorca-Deckung als zusätzliche Versicherung abschließen. 


Die Police ist somit vor allem sinnvoll, wenn Sie ohnehin eine Kfz-Versicherung besitzen und im Ausland ein Auto, Motorrad oder Wohnmobil anmieten. Wenn Sie kein Auto besitzen, kann die Mallorca-Police in die private Haftpflichtversicherung eingeschlossen oder separat abgeschlossen werden.


Was deckt die Mallorca-Police ab?

Die Mallorca-Police erhöht die Deckungssumme der Kfz-Haftpflichtversicherung für Mietwagen im Ausland. Die Versicherung zahlt im Fall eines Unfalls die Differenz zwischen dem Schaden und der Deckungssumme. Angenommen, Sie verursachen mit Ihrem Mietwagen in der Türkei einen Sachschaden in Höhe von 300.000 Euro. Die Haftpflichtversicherung der Autovermietung zahlt lediglich einen Anteil bis 200.000 Euro. Für den Rest der Schadenersatzforderungen müssen Sie sie ohne zusätzlichen Schutz selbst aufkommen.


Mit einer Mallorca-Police übernimmt der Versicherer auch Folgekosten von Personenschäden, zum Beispiel Transport, Behandlung und Rehabilitation, sowie Reparaturen an Fahrzeugen Dritter, Gebäuden und Gegenständen. Da die Police Schutz innerhalb der Kfz-Haftpflicht bietet, deckt die Versicherung Schäden am eigenen Fahrzeug oder Verlust durch Diebstahl nicht ab. Diese Risiken vermeidet man am besten mit einer Vollkasko- bzw. Diebstahlversicherung beim Verleih vor Ort. 


Wo und wie lange gilt die Mallorca-Police?

Versicherungen beschränken sich auf den gesamten Geltungsbereich der Europäischen Union, bzw. auf außergeografische Gebiete, die zur EU gehören. Dieser Bereich wird von Versicherern unterschiedlich definiert: Manche schließen nur den EU-Raum ein, andere auch außereuropäische Gebiete. Für Länder wie Russland oder die Türkei stellt sich die Frage, ob neben dem europäischen auch der asiatische Teil von der Versicherung abgedeckt wird. Lebens- bzw. Ehepartner sind häufig in den Versicherungsschutz der Mallorca-Police eingeschlossen. Wie lange sie gilt, wird auch vertraglich geregelt und hängt davon ab, ob sie in der Kfz-Versicherung enthalten ist.





Ist die Mallorca-Police in der eigenen Kfz-Versicherung enthalten?

In manchen Tarifen ist die Mallorca-Police in der eigenen Kfz-Versicherung automatisch enthalten. Sie kann auch in die bestehende Kfz-Versicherung integriert werden. 


Wann brauche ich keine Mallorca-Police?

Gegebenenfalls kann der Schutz einer Mallorca-Police auch in der Kfz-Versicherung des Mietwagens enthalten sein bzw, eine ausreichende Deckungssumme vorsehen. In jedem Fall sollten Sie die Konditionen des Verleihs genau überprüfen. Wichtig ist außerdem, die Vertragsunterlagen in den Urlaub mitzunehmen.


Welche Auswirkungen hat die Mallorca-Police auf die Schadenfreiheitsklasse?

Bei einem Unfall mit einem Mietwagen im Ausland bleibt die SF-Klasse in der Regel unberührt.