01.08.2017
Auto & Reise

Urlaub mit Airbnb - Das müs­sen Mie­ter und Ver­mie­ter wis­sen

Wohnungsvermietungen über Online-Portale boomen. Doch was passiert, wenn beim Wohnen auf Zeit etwas schief geht?

Zertrümmerte Sofas, verwüstete Böden und überflutete Toiletten: Geschichten über eskalierte Zwischenmieten hat nahezu jedes westliche Land zu bieten. Angesichts der schieren Anzahl der Online-Vermietungen, die über Airbnb, 9flat oder Wimdu abgewickelt werden, sind solche Exzesse sicherlich die Ausnahme. Ein Restrisiko bleibt dennoch: Wie sieht es aus, wenn das Vermieten auf Zeit mit einem Schadensfall endet? Die Portale selbst haben reagiert und bieten unterschiedliche Versicherungen und Garantien an - in erster Linie zur Absicherung der Gastgeber und ihrer Wohnung. 


Welche Versicherungen bieten die Portale für Vermieter an?

Marktführer Airbnb hält hier zwei Arten der Absicherung bereit:

  • "Die Versicherung zum Schutz von Gastgebern" soll diese vor Haftpflichtansprüchen Dritter schützen. Konkret: Verletzt sich etwa ein Gast während seines Airbnb-Aufenthalts und ist der Vermieter dafür verantwortlich, leistet diese Haftpflichtversicherung für den Schaden des Gastes bis maximal 1 Million US-Dollar (ca. 880.000 Euro).
  • Die "Gastgeber-Garantie" von Airbnb springt ein, wenn der Mieter das Inventar der Wohnung beschädigt oder zerstört hat und die Kaution zur Behebung der Schäden nicht ausreicht oder keine Kaution erhoben wurde.


Jeder Nutzer, der eine Unterkunft auf Airbnb inseriert, erhält automatisch ohne zusätzliche Kosten diese beiden Sicherheiten.

 

Was bieten die Portale für Mieter an?

Wimdu und 9flat bieten ihren Nutzern Haftpflichtversicherungen für Mietsachschäden an. Die greifen, wenn der Mieter in der Wohnung des Gastgebers das Inventar beschädigt oder zerstört hat - das darf natürlich nicht mutwillig geschehen.


Der Versicherungsschutz von Wimdu und 9flat gilt ausschließlich für mögliche Schäden an der gebuchten Unterkunft und dem Inventar sowie für den Zeitraum des Aufenthalts. Mietsachschäden sind bei beiden Portalen mit maximal 500.000 Euro versichert. Die Selbstbeteiligung beträgt im Schadensfall 150 Euro bei Wimdu und 250 Euro bei 9flat.


Reicht dieser Schutz aus?

Die kostenlosen Versicherungen und Garantien der Portale können den Schadensfall ein wenig erträglicher machen - mehr aber auch nicht. Bei Wimdu beispielsweise ist die Deckungssumme relativ niedrig. Schäden am Inventar des Vermieters sind nur bis 5.000 Euro versichert. Geht der teure Fernseher des Vermieters zu Bruch, ist die Wimdu-Haftpflicht gleich außen vor. Denn hochwertige Elektronik mit einem Wert von über 1.500 Euro ist gar nicht erst versichert.


Ein weiterer Schwachpunkt: Die Absicherungen für Mietsachschäden bei 9flat und Wimdu sind sogenannte nachrangige Deckungen. Das bedeutet: Im Schadensfall wird zuerst geprüft, ob der Mieter eine eigene private Haftpflichtversicherung hat, die dem Vermieter den Schaden ersetzt. Hat er die nicht, kommt die Garantie der Portale ins Spiel. Das heißt: Für Mieter mit einer Haftpflichtversicherung, die auch geliehene Sachen und Einrichtungen abdeckt, ist die Mietsachschäden-Garantie zwar nice-to-have, im Ernstfall aber überflüssig. Hinzu kommt: Bei 9flat muss der Vermieter eine Inventarliste einreichen, bevor die Zwischenmiete beginnt. Tut er das nicht oder reicht er die Inventarliste erst nachträglich ein, greift die Versicherung nicht.


Airbnb macht selbst darauf aufmerksam, dass seine Gastgeber-Garantie keine Versicherung sei und "nicht als Ersatz oder Vertretung einer Haushaltsversicherung betrachtet werden" sollte. Hinzu kommen Hürden, die ein Airbnb-Vermieter im Schadensfall überwinden muss. Möchte er von der "Gastgeber-Garantie" einen Schaden ersetzt bekommen, muss er


  • zuerst den Gast kontaktieren, der den Schaden verursacht hat. 
  • nachweisen, dass das beschädigte Inventar tatsächlich ihm gehört.
  • Anzeige erstatten und einen Polizeibericht anfordern, wenn der Schaden 300 US-Dollar übersteigt.


Worauf sollten Mieter und Vermieter achten?

Die private Haftpflichtversicherung spielt bei der Onlinevermietung von Zimmern und Wohnungen eine wichtige Rolle. Verursacht ein Mieter etwa unabsichtlich einen Wasserschaden während seines Aufenthaltes, kommt seine Privathaftpflicht dafür auf. Sie übernimmt die Schäden an fest mit dem Bauwerk verbundenen Elementen der Wohnung. Beschädigt der Gast hingegen das Inventar kommt es auf den individuellen Vertrag an. 


Tipp für Mieter: Prüfen Sie in Ihrer privaten Haftpflichtversicherung, ob auch Schäden an gemieteten Sachen abgedeckt sind.


Vermieter sind gegen Haftpflichtschäden versichert, sofern sie nur einzelne Zimmer über Airbnb und Co. anbieten. Vermieten sie hingegen ihre gesamte Wohnung, kommt es auf die individuelle Versicherungsbedingungen an. Manche Haftpflichtversicherer decken auch diese Schäden mit ab, andere wiederum nicht. Vermieter sollten deshalb in jedem Fall ihre Haftpflicht-Police checken oder ihren Versicherer kontaktieren. 


Ein weiterer Grund, seine Haftpflichtversicherung genauer zu prüfen: Das häufige Vermieten der eigenen vier Wände entspricht in der Regel einer gewerblichen Tätigkeit. In diesem Fall wären Schäden nicht mehr von der Haftpflichtversicherung gedeckt. Denn sie zahlt explizit nur für Schäden, die durch private Aktivitäten entstehen.

 

Tipp für Vermieter: Gehen Sie auf Ihren Versicherer zu, um die Situation zu schildern und gemeinsam eine passende Absicherung zu finden. 


Wer seine Mietwohnung über Airbnb oder Wimdu weitervermieten möchte, sollte sich dafür vorab die Erlaubnis seines Vermieters einholen. In vielen Mietverträgen ist die unerlaubte Untervermietung ein Grund zur fristlosen Kündigung. Größere Städte wie etwa Berlin, Hamburg, München und Köln, in denen der Wohnraum knapp ist, haben zudem die gewerbliche Vermietung von Wohnungen verboten oder verlangen dafür eine Genehmigung.