27.05.2015
Auto & Reise

Wie funk­tio­niert eigent­lich Tele­ma­tik?

Immer mehr KfZ-Versicherer stellen zurzeit ihre Pläne für Telematik-Tarife vor. Dabei unterscheiden sich die Modelle nicht nur danach, ob und wie viel Rabatt für sicheres Fahren gewährt wird und welche Daten genutzt werden. Auch technisch wählen die Versicherer unterschiedliche Ansätze.

Die Telematik ermöglicht eine andere Art der Tarifierung, die enger mit der tatsächlichen Nutzung des Fahrzeuges verbunden ist. Die neuen Angebote gehen dabei von einer einfachen Annahme aus: Wer vorsichtiger fährt, hat eine geringere Schadenwahrscheinlichkeit – und könnte schließlich auch bei der Versicherungsprämie sparen. Doch um die individuelle Fahrweise beurteilen zu können, braucht die Branche Daten. Dabei setzen die Versicherungen auf ganz unterschiedliche Ansätze:


1. Die fest eingebaute Box

Eine technische Möglichkeit ist eine zumeist im Motorraum fest eingebaute Box, die nur an die Stromversorgung des Fahrzeugs angeschlossen wird. Sie zeichnet alle Daten mit eigenen Sensoren auf und sendet sie an den Versicherer oder technischen Dienstleister. Die Box muss zumeist in einer Werkstatt eingebaut werden.


2. Der Stecker

Eine weitere technische Lösung ist ein Stecker, der ähnlich wie ein Handy-Ladegerät für das Auto aussieht. Das eine Ende wird in den Zigarettenanzünder des Fahrzeugs gesteckt, am anderen Ende kann möglicherweise per USB-Kabel noch das Handy aufgeladen werden. Der Stecker sendet so die Daten an den Versicherer oder einen technischen Dienstleister. Das Gerät ist zumeist nicht größer als eine Streichholzschachtel. Die Einheit ist nicht an die Fahrzeugsensorik angeschlossen, sondern generiert die Daten selbst.


3. Telematik-Device (OBD2)

Andere Versicherer setzen bei ihrem Gerät auf OBD2: Das Telematik-Device kann in die standardisierte Fahrzeugdiagnose-Schnittstelle, zumeist unterhalb des Lenkrads, eingesteckt werden. Die OBD2-Schnittstelle wird mittlerweile in allen Fahrzeugen verbaut. Nur bei Fahrzeugen die älter als Baujahr 2004 sind, kann es vorkommen, dass der Stecker nicht vorhanden ist. Die Telematik-Einheit kommuniziert je nach Modell mit dem Smartphone des Fahrers. Zusätzlich wird noch eine App des Versicherers für das Smartphone benötigt.


4. Smartphone und App

Andere Überlegungen gehen aber auf Telematik-Lösungen ohne Stecker. So kann das Fahrverhalten ebenso anhand der bekannten drei Kriterien per Smartphone und App aufgezeichnet werden: Beschleunigungsverhalten, Bremsverhalten und Kurvenverhalten – ganz ohne Stecker, denn die Gyrosensoren sind bereits in den meisten Smartphones eingebaut. Am Ende der Fahrt kann der Fahrer das Ergebnis direkt auf dem Display ablesen.


Was die Geräte messen

Die nachgerüsteten Geräte messen zumeist die Beschleunigungsintensität, die Anzahl abrupter Bremsmanöver oder wie rasant das Auto durch die Kurve gelenkt wurde. Das funktioniert über sogenannte Gyro-Sensoren, die zumeist auch in neuen Smartphones verbaut sind. Aus den Daten können Rückschlüsse auf die Fahrweise gezogen werden: Wer häufig stark beschleunigt, zu schnell in die Kurve fährt oder abrupt bremsen muss, ist wohl eher risikobereit unterwegs – und wer rasant fährt, verursacht eher Unfälle – so die Vermutung. Je nach Gerätehersteller werden auch noch andere Fahrdaten wie zum Beispiel GPS-Signale übertragen. Zusätzlich bieten einige Versicherer eine Pannenhilfe und einen automatischen Notruf-Service beim Unfall an. So können schnell Polizei und Rettungsdienst zum Unfallort geschickt werden.


Ob die Telematik-Tarife auf dem deutschen Markt Erfolg haben werden, ist noch unklar. Die meisten Anbieter betonen stets, dass Telematik-Angebote erst einmal Pilot-Projekte sind oder sich noch in der Testphase befinden.