26.04.2016
Auto & Reise

Wie Sie sich vor Dieb­stahl auf Fern­bus­rei­sen schüt­zen

Wer in Deutschland preisgünstig und komfortabel reisen möchte, steigt immer häufiger in den Fernbus. Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Omnisbusunternehmer (bdo) gegenüber nutzten im letzten Jahr rund 20 Millionen Passagiere die mehr als 300 Fernbuslinien – ein neuer Rekordwert. Doch der boomende Busverkehr ruft mittlerweile auch Kriminelle auf den Plan.

Wo viele Menschen mit Gepäckstücken und Wertgegenständen zusammenkommen – ob an Flughäfen, Bahnhöfen oder eben auch Bushaltestellen – findet sich oft auch das geeignete Terrain für Langfinger. Medien berichten in jüngster Zeit immer häufiger, dass organisierte, kriminelle Banden hoch frequentierte Fernbus-Bahnhöfe ins Visier nehmen. Dabei nutzen die Diebe den Trubel an den Haltestellen aus, um sich Koffer oder Taschen unter den Nagel zu reißen – in der Regel nachdem der Fahrgast bereits im Bus Platz genommen hat. Am Zielbahnhof erlebt dieser dann sein blaues Wunder: Das Gepäckstück ist weg.


Gepäckdiebstähle häufen sich

Passagiere, die sich in einer derartigen Situation wiederfinden, können zwar nicht immer davon ausgehen, dass ihr Gepäckstück tatsächlich auch gestohlen wurde. „Auch Gepäckverwechslungen kommen vor“, wie Pressesprecher Gregor Hintz vom Branchen-Primus „MeinFernbus“ erläutert. Gleichwohl verzeichnet die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) eine „stark gestiegene“ Anzahl von Reisenden, die sich aufgrund eines Gepäckdiebstahls an sie wenden. „In nahezu allen Fällen, ob Gepäckbeschädigung oder Gepäckverlust, finden wir jedoch eine Lösung, der sowohl die Reisenden als auch die Verkehrsunternehmen zustimmen, so SÖP-Geschäftsführer Heinz Klewe.




Kommt es zu einem Gepäckdiebstahl ist die Situation für den betroffenen Fahrgast nicht immer leicht. Zum einen muss er dem Busunternehmen gegenüber nachweisen, in welcher Höhe ihm welcher konkrete Schaden entstanden ist. Die Beweisschwierigkeiten fangen dabei schon bei der Frage an, ob überhaupt ein Gepäckstück verstaut wurde. Unternehmen wie „Postbus“ und „Berlin Linienbus“ behelfen sich hier mit Gepäckbanderolen, die man im Zeitpunkt der Gepäckaufgabe vom Servicepersonal erhält und gegen deren Vorlage man am Zielbahnhof das Gepäckstück zurückerhält. Dass Fernbusunternehmen für ihre Passagiere eine Gepäckversicherung abgeschlossen haben, dürfte eher die Ausnahme als die Regel sein. Manche Betreiber, wie etwa MeinFernbus, formulieren in ihren AGBs unmissverständlich: „Für Verlust von Gepäckstücken, der nicht im Zusammenhang mit einem (…) Unfall steht, sowie für Vertausch oder Diebstahl der Gepäckstücke wird die Haftung, außer bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit, ausgeschlossen.“


Tipp: Koffer und Inhalt vor Fahrt abfotografieren

Häufiger Streitpunkt zwischen Fahrgast und Busunternehmen ist bei Verlusten die konkrete Höhe der Entschädigung. Weil der Beweis, was sich im Einzelnen wirklich im Koffer befand und wie teuer die Gegenstände waren, für die Betroffenen schwierig zu führen ist, empfehlen Vertreter von Fernbusunternehmen wie auch SÖP-Geschäftsführer Klewe deshalb zur Sicherheit vor Reiseantritt Koffer und Inhalt abzufotografieren. „Das kann im Fall der Fälle die Bezifferung des Schadens sehr erleichtern“, so Klewe. Unisono weisen die Fernbus-Betreiber auch darauf hin, dass Wertsachen wie Schmuck, Bargeld und elektronische Geräte ins Handgepäck an Bord gehören.


Davon, dass Diebstähle im Zusammenhang mit Fernbusreisen ein ernstzunehmendes und mittlerweile häufiger vorkommendes Phänomen sind, ist offenbar auch die Stiftung Warentest überzeugt. Im Rahmen eines aktuellen Tests kommt sie zum Ergebnis, dass für Reisende, die häufig mit Fernbussen unterwegs sind, der Abschluss einer Reisegepäckversicherung sinnvoll ist.


Das leistet die Reisegepäckversicherung

Meistens werden für Reisegepäckversicherungen bestimmte Versicherungssummen festgelegt. Die Versicherung übernimmt Leistungen für beschädigtes oder abhanden gekommenes Gepäck. Dazu gehören:


  • alle Sachen des persönlichen Reisebedarfs
  • im Beherbergungsbetrieb, einer Gepäckaufbewahrung oder beim Beförderungsunternehmen aufgegebenes Reisegepäck
  • Reiseandenken, Geschenke und EDV-Geräte bis zu definierten Höchstsummen
  • Sportgeräte einschließlich Zubehör, bis zu den definierten Höchstsummen, soweit sie sich nicht in „bestimmungsgemäßem Gebrauch“ befinden.


Versichert ist zumeist der Zeitwert der mitgeführten Sachen. Das ist der Betrag, zu dem man neue Sachen gleicher Art am ständigen Wohnort kaufen kann, wobei ein Abzug für Alter, Abnutzung und Gebrauch vorgenommen wird. Bei beschädigten Sachen werden die Reparaturkosten, maximal aber der Zeitwert bezahlt.