07.11.2017
Auto & Reise

Wil­d­un­fälle: Ris­kante Aus­weich­ma­nö­ver ver­mei­den

Wie man Zusammenstöße mit Wildtieren vermeidet und wie man sich nach einem Unfall verhält, erläutert GDV-Versicherungsexperte Mathias Zunk.

Herr Zunk, im Herbst soll ich als Autofahrer besonders auf Wildwechsel achten, insbesondere in der Dämmerung. Am helllichten Tag und zu anderen Jahreszeiten bin ich also auf der sicheren Seite?
Mathias Zunk: Vorsicht ist das ganze Jahr geboten, nicht nur im Frühjahr oder Herbst. Insbesondere in der Dämmerung und nachts müssen Sie mit Wildwechsel rechnen. Achten Sie auf Warnschilder vor Wildwechsel und passen Sie ihre Fahrweise der Situation an. Vor allem am Rand von Wiesen, Feldern und  Wäldern sollten Sie in der Dämmerung die Geschwindigkeit verringern und vorausschauend fahren.


Wenn ein Wildtier am Straßenrand auftaucht, verscheuche ich das Tier am besten mit meinem grellen Fernlicht?
Zunk: Nein, wenn Wild am Straßenrand auftaucht, sollten Sie eher versuchen, es durch Hupen zu verscheuchen. Das Blenden mit dem Fernlicht verwirrt die Tiere nur, sie verlieren die Orientierung und laufen oft instinktiv auf die Lichtquelle zu. Und vermeiden Sie riskante Ausweichmanöver.


Aber bevor ich mit dem Tier zusammenpralle, ist doch ein sicheres Ausweichmanöver allemal besser.
Zunk: Ein sicheres Ausweichmanöver ist ja keineswegs immer garantiert. Gerade bei höherer Geschwindigkeit müssen Sie höllisch aufpassen, dass Sie beim Ausweichen nicht mit einem anderen Auto oder einem Baum kollidieren. Das birgt in der Regel meist größere Gefahren als die Kollision mit einem Tier. Aber klar: Es kann auch Situationen geben, in denen das Ausweichen unumgänglich oder vielleicht zumindest die bessere Handlungsalternative ist.



Nehmen wir an, ich bin dem Tier erfolgreich ausgewichen, dann aber in den Graben gefahren. Bekomme ich den dadurch entstandenen Schaden von der Teilkasko ersetzt – wie bei einem Zusammenstoß mit dem Wild?
Zunk: Das kommt darauf an: Für die Leistung der Teilkasko ist entscheidend, ob es tatsächlich einen Wildwechsel mit Haarwild gab und Sie deshalb ausgewichen sind. Dies müssten Sie im Zweifel gegenüber ihrer Versicherung auch belegen. Streng genommen handelt es sich dann auch nicht um einen „Wildschaden“, aber als Versichertem stünde Ihnen ein sogenannter erweiterter Aufwendungsersatz zu. Fragen Sie also zum Beispiel den zuständigen Jagdpächter, ob es frische Wildspuren an der Unfallstelle gibt. Eventuelle Spuren können Sie natürlich auch selbst fotografisch festhalten.


Sie sprechen explizit von Haarwild, zum Beispiel Rehe und Wildschweine. Leistet die Teilkasko also nicht bei einem Unfall mit einem Wolf?
Zunk: In den unverbindlichen Kfz-Musterbedingungen des GDV sind Zusammenstöße mit Wölfen nicht versichert, sondern nur mit Tieren, die im Bundesjagdgesetz unter Haarwild gelistet sind. Jedoch erweitern zahlreiche Versicherer auch die in unseren Musterbedingungen enthaltene sogenannte Wildschadenklausel auf Zusammenstöße mit anderen Wirbeltieren wie Pferden, Rindern, Schafen und Ziegen oder sogar mit „Tieren aller Art“. Wenn also „Tiere aller Art“ im Versicherungsvertrag aufgenommen sind, dann wäre auch der Unfall mit dem Wolf versichert.


Ich bin mit einem Wildtier zusammengestoßen und es liegt verletzt auf der Straße. Soll ich das Tier von der Straße schaffen – auch zur Sicherheit nachfolgender Autofahrer?
Zunk: Nein, wurde das Tier bei der Kollision verletzt oder getötet, sollten Sie es nicht berühren – unter anderem wegen möglicher Tollwutgefahr. Überlassen Sie das dem Förster oder Jagdpächter. Sie sollten aber die Unfallstelle absichern: Schalten Sie das Warnblinklicht ein und stellen Sie das Warndreieck auf. Benachrichtigen Sie unverzüglich die Polizei.


Was muss ich im Hinblick auf eine zügige Regulierung mit meinem Teilkaskoversicherer beachten?
Zunk: Ihren Versicherer sollten Sie zeitnah nach dem Unfall kontaktieren, auf jeden Fall bevor irgendwelche Reparaturen am Pkw vorgenommen werden. Für eine schnelle Schadenbearbeitung ist vor allem die Wildbescheinigung des Försters oder Jagdpächters wichtig; die sollten Sie sich ausstellen lassen. Hilfreich sind außerdem Fotos vom Unfallort, vom Tier und vom Fahrzeug.