14.11.2017
Beruf & Freizeit

10 kuriose Urteile zu Arbeits­un­fäl­len, die Sie über­ra­schen wer­den

Die meiste Zeit des Tages verbringen wir bei der Arbeit. Kein Wunder, dass dabei die absurdesten Unfälle passieren.

Arbeitsunfall oder nicht? So einfach diese Frage zunächst klingt, so komplex ist regelmäßig deren Beantwortung. Handelt es sich um einen Arbeits- oder Wegeunfall, haben verunglückte Arbeitnehmer Anspruch auf Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung. Für Freizeitunfälle dagegen leistet die gesetzliche Unfallversicherung nicht. Die Sozialgerichte, die darüber entscheiden müssen, sind dabei regelmäßig mit den komischsten Unfallkonstellationen konfrontiert.


1. Miez, miez: Wo ist die Katze? 

Ein Mann kommt von der Arbeit nach Hause und will dabei kurz nach seiner Katze sehen. Deshalb betritt er den nassen Rasen vor seinem Haus. Dabei stürzt er und verletzt sich an der Schulter.


Urteil: Kein Arbeitsunfall! Katzensuche sei Privatsache und deshalb nicht gesetzlich versichert, entschied das Gericht (Aktenzeichen S 13 U 243/16).


2. Eingeschlafen und vom Stuhl gefallen: Der „Arbeitsunfall“ eines Beamten

Während der Dienstzeit fällt ein eingeschlafener Beamter vom Stuhl und bricht sich dabei die Nase. 


Urteil: Arbeitsunfall! Die Begründung des Gerichts überrascht: Die gesetzliche Unfallversicherung muss zahlen, wenn ein Arbeitnehmer durch Überarbeitung einschläft und sich dabei verletzt (Quelle: SPON). 


3. Bierwandern ist keine Arbeit

Drei Kolleginnen einer Anwaltskanzlei nehmen nach Feierabend an einer Bierwanderung teil, die von einem Sportverein organisiert wurde. Am Ende der Tour stürzt eine der Kolleginnen und verletzt sich am Unterarm.


Urteil: Kein Arbeitsunfall! Die Bierwanderung sei keine Veranstaltung des Arbeitgebers gewesen. Nach Auffassung des hessischen Landessozialgerichts habe die Bierwanderung auch nicht dazu gedient, die „Betriebsverbundenheit zwischen Arbeitgeber und Mitarbeitern zu fördern“ (Aktenzeichen: L 9 U 205/16). 



4. Ski heil – nur nicht beim Telefonieren

Ein Versicherungsvertreter nimmt auf der Skipiste den Anruf eines Kunden entgegen. Sein Headset ist im Skihelm integriert, so dass er auch auf der schwarzen Piste telefonieren kann. Um die Sprecheinrichtung besser zu positionieren, nimmt er sich mit der Hand kurz selbst die Sicht  - und stürzt schwer bei der Abfahrt.  


Urteil: Kein Arbeitsunfall! Wer gleichzeitig einer privaten Tätigkeit, dem Skifahren, und einer beruflichen, dem Kundentelefonat, nachgeht, hat keinen gesetzlichen Unfallversicherungsschutz, urteilt das Landessozialgericht München (Aktenzeichen: L 17 U 409/14).


5. Nächtlicher Toiletten-Sturz auf Dienstreise 

Ein Ingenieur auf Dienstreise muss nachts mal raus. Beim Aufstehen bleibt er mit den Füßen am Bett hängen, stürzt und verletzt sich dabei.


Urteil: Kein Arbeitsunfall! Das Gericht begründet die Entscheidung damit, dass der nächtliche Toilettengang in keinem Zusammenhang mit der versicherten Tätigkeit als Ingenieur stehe (Aktenzeichen: S 31 U 427/14).


6. Unterschätztes Risiko: Wasser holen im Home-Office

Ein Arbeitnehmer arbeitet zu Hause in seiner Dachgeschosswohnung. Zum Wasser holen steigt er eine Treppe hinunter und stürzt schwer. 


Urteil: Kein Arbeitsunfall! Laut Bundessozialgericht könne man den Arbeitgeber nicht für die Risiken in der privaten Wohnung des Arbeitnehmers verantwortlich machen (Aktenzeichen B 2 U 5/15 R). 


7. Hund bringt Versicherungsvertreter zu Fall

Ein Versicherungsvertreter verlässt morgens das Haus und möchte sich, wie jeden Tag, von seinem Hund verabschieden. Ein Pfiff und sein Hund kommt prompt angerannt – jedoch so schnell, dass er den Vertreter umstößt. Die Folge: Knieverletzung.


Urteil: Arbeitsunfall! Der Vertreter habe sich auf dem Weg zur Arbeit befunden, die Verabschiedung vom seinem Hund sei nur eine geringfügige Unterbrechung des Arbeitsweges gewesen (Aktenzeichen: L 6 U 12/12).



8. Vorsicht bei fremden Kantinen!

Weil ihre Schule keine Kantine hat, geht eine Lehrerin in der Mittagspause in die Bank nebenan. Denn dort gibt es eine gute Kantine. Auf dem Rückweg stürzt sie im Treppenhaus des Bankgebäudes. Die Folge: Erhebliche Knieverletzungen.


Urteil: Kein Arbeitsunfall! In der Mittagspause besteht gesetzlicher Versicherungsschutz für die Wege zu einer fremden Kantine, aber nicht in der Kantine selbst oder im Treppenhaus dahin (Aktenzeichen: L 8 U 1506/13).


9. Arbeitsunfall auf dem Sonntagsspaziergang - geht das?

Beim sonntäglichen Spazierengehen wird ein 60-jähriger Arbeitnehmer auf einem Zebrastreifen von einem Auto erfasst. 


Urteil: Arbeitsunfall! Der 60-Jährige befand sich zum Zeitpunkt des Unfalls in Kur. Das Ziel: Der Mann wollte abnehmen durch den Spaziergang seinem Ziel ein Stückchen näher kommen. Das Sozialgericht Düsseldorf sah deshalb einen „inneren Zusammenhang zwischen der Kur und dem Spaziergang“ und wertete das als Arbeitsunfall (Aktenzeichen: S 6 U 545/14). 


10. Chef anrufen? Versichert. Und das Gespräch mit der Ehefrau?

Ein Lagerarbeiter möchte seine Frau anrufen und geht dafür vor die Halle an die Laderampe. Nach dem Telefonat bleibt er an der Rampe hängen, verdreht sich das Knie. Die Folge: Kreuzbandriss.


Urteil: Kein Arbeitsunfall! Privat ist privat, befand das hessische Landessozialgericht. Das gelte auch für Telefonate mit der Ehefrau, die Unfallfolgen sind damit nicht von der gesetzlichen Unfallversicherung abgedeckt (Aktenzeichen: L 3 U 33/13).