03.09.2019
Beruf & Freizeit

Neu im Job: Das Ver­si­che­rungs-ABC für Berufs­ein­stei­ger

Wer ins Berufsleben startet, muss seinen Versicherungsschutz überprüfen. Worauf Berufsanfänger dabei achten sollten - von A wie Altersvorsorge bis Z wie Zusatzversicherung.

Eine neue Aufgabe, neue Kollegen und das erste, regelmäßige Einkommen – keine Frage: Die neue Lebenssituation dürfte den meisten Berufsanfängern Spaß machen. Diesen Moment sollte jeder junge Mensch genießen – ohne dabei den Blick in die Zukunft zu vergessen. Denn die frisch gewonnene Unabhängigkeit bringt eine stärkere Verantwortung mit sich - in erster Linie für sich selbst:


  • Brauche ich eine eigene private Haftpflichtversicherung?
  • Was geschieht, wenn ich krank oder gar berufsunfähig werde?
  • Und sollte ich jetzt schon mit der Altersvorsorge beginnen? (Spoiler: Besser ist es...)


Wir klären die wichtigsten Fragen rund um den Versicherungsschutz von Berufseinsteigern - angefangen bei der Altersvorsorge, über den existenziell wichtigen Schutz der privaten Haftpflichtversicherung, den richtigen Versicherungsschutz für die erste eigene Wohnung bis hin zur Absicherung der eigenen Arbeitskraft gegen Berufsunfähigkeit.


A wie Altersvorsorge

Die gesetzliche Rente wird jungen Menschen künftig keinen auskömmlichen Ruhestand mehr sichern können. Zusätzliche Vorsorge ist also gerade bei jüngeren Generationen zwingend notwendig. Viele sind sich dieses Umstandes durchaus bewusst, dennoch schieben sie die eigene Altersvorsorge vor sich her, ignorieren oder verdrängen das Thema - ein Fehler. Denn gerade jüngeren Menschen bieten sich in der privaten Altersvorsorge bessere Chancen als älteren - sofern sie rechtzeitig damit beginnen.


Wer früh mit der Vorsorge beginnt, muss sich finanziell weniger anstrengen, dem Zinseszinseffekt sei Dank. Einfach erklärt: Wer langfristig kleinere Beträge fürs Alter zurücklegt, bekommt dafür Zinsen. Auf diese Beiträge mit Zinsen gibt es über viele Jahre hinweg wieder Zinsen. Wer also früh anfängt zu sparen, muss weniger eigenes Geld einbringen als jemand, der erst später beginnt. Berufsanfänger sollten sich diesen Effekt gezielt zu Nutze machen - sei es durch private Rentenversicherungen (siehe unten) oder am Kapitalmarkt (siehe unten).



B wie Berufsunfähigkeitsversicherung

Jeder Mensch, der arbeitet, ist Millionär - es kommt nur auf die Perspektive an! Je nach Ausbildung und Einkommen können normale Erwerbstätige im Laufe ihres Berufslebens schätzungsweise bis zu drei Millionen Euro erwirtschaften. Keine Frage: Unser wichtigstes Kapital ist die Arbeitskraft. Besonders gilt das für Berufseinsteiger, denen viel Geld durch die Lappen geht, wenn sie bereits am Anfang der Karriere Berufsunfähigkeit anmelden müssten.


Es gibt noch einen weiteren Grund, warum eine Berufsunfähigkeit jüngere Arbeitnehmer besonders hart trifft. Da sie noch nicht lange gearbeitet haben, sind ihre Ansprüche aus der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente sehr gering. Außerdem gibt es die Erwerbsminderungsrente nur dann, wenn man so gut wie keiner Arbeit mehr nachgehen kann. Wer zumindest noch einige Stunden am Tag irgendeiner bezahlten Tätigkeit nachgehen kann, bekommt von der Rentenversicherung nichts. Um eine zusätzliche Absicherung kommen junge Arbeitnehmer also praktisch nicht herum - sei es in Form einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder mit anderen Versicherungen.


Auch Schreibtischhengste sind gefährdet

Wer jetzt denkt, dass vor allem Menschen mit körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten oder ältere Arbeitnehmer eine Berufsunfähigkeit trifft, irrt aus zwei Gründen:

  1. Die mit Abstand häufigste Ursache für eine Berufsunfähigkeit sind psychische Erkrankungen. Es trifft also auch Büroangestellte.
  2. Es trifft alle Altersklassen. Die Vereinigung der deutschen Versicherungsmathematiker hat berechnet, dass heute 30-jährige Frauen mit einer 26-prozentigen Wahrscheinlichkeit berufsunfähig werden. Bei ihren männlichen Altersgenossen liegt die Wahrscheinlichkeit bei 24 Prozent. Was die Statistik der Versicherer auch zeigt: Berufsunfähigkeit trifft sowohl jüngere als auch ältere Arbeitnehmer. Wer 2017 berufsunfähig wurde, war im Schnitt 45 Jahre alt.


Wie kann ich mich gegen Berufsunfähigkeit versichern?

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (Kurzform: BU-Versicherung) kann die finanzielle Lücke schließen, wenn das Gehalt wegfällt. Die private Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt einem berufstätigen Versicherten in der Regel eine monatliche Berufsunfähigkeitsrente, wenn er wegen einer Erkrankung oder eines Unfalls zu mindestens 50 Prozent berufsunfähig ist. Die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente lässt sich individuell vereinbaren. Idealerweise beträgt die Berufsunfähigkeitsrente 70 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens.

Wer sich rechtzeitig um eine Berufsunfähigkeitsversicherung kümmert, ist - ganz unabhängig vom Versicherungsschutz - aus einem weiteren Grund im Vorteil: Je jünger und gesünder Versicherte beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung sind, desto geringer ist in der Regel der monatliche Beitrag.

Weitere Versicherungen wie etwa die Grundfähigkeitsversicherung oder eine private Erwerbsunfähigkeitsversicherung können je nach individueller Konstellation sinnvolle Alternativen zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung sein.



B wie Betriebsrente

Wer neu in einen Betrieb kommt, sollte sich über die Möglichkeiten einer betrieblichen Altersversorgung (bAV) informieren. Alle Berufstätigen haben einen Rechtsanspruch auf eine Betriebsrente. Seit Anfang 2019 gilt zudem, dass bei Neuverträgen der Arbeitgeber etwas dazugeben muss. Zahlt ein Arbeitnehmer beispielsweise monatlich 100 € in eine Direktversicherung (= bestimmte Form der betrieblichen Altersversorgung) ein, muss der Arbeitgeber 15 Euro zuschießen. Ab 2022 gilt diese Regelung auch für Altverträge mit Entgeltumwandlung.

Unabhängig davon unterstützen viele Betriebe ihre Angestellten beim Aufbau einer Betriebsrente, etwa indem sie die Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung entweder voll bezahlen oder sich mit dem Angestellten teilen. Mit dieser Vorsorgeform können sich Berufseinsteiger schon früh eine zusätzliche Rente aufbauen.


G wie Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)

Mit dem ersten Job brauchen Berufsanfänger auch eine eigene Krankenversicherung. Wer noch in der Ausbildung steckt, egal ob Lehre oder Studium, und unter 25 Jahren ist, ist meist noch über die Krankenversicherung der Eltern mitversichert. Der Einstieg in die Arbeitswelt ändert das. Wer als Angestellter beginnt, muss sich eine gesetzliche Krankenversicherung suchen. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass jeder eine Krankenversicherung haben muss. Was er hingegen nicht vorschreibt: Ob die Krankenversicherung gesetzlich oder privat ist. Es gibt allerdings finanzielle Grenzwerte: 


Wer als angestellter Berufsanfänger gleich über 60.750 Euro brutto verdient (und auch bekommt), darf sich privat versichern. Dasselbe gilt auch für angehende Beamte, ganz unabhängig vom Einkommen (mehr dazu unter P wie private Krankenversicherung).


H wie Haftpflichtversicherung

Eine der häufigsten Fragen rund um die private Haftpflichtversicherung lautet: Bis wann sind junge Leute über die Haftpflichtversicherung ihrer Eltern mitversichert? Wer noch zur Schule geht oder seine erste Berufsausbildung macht – sei es eine Lehre oder ein Studium – ist unabhängig von seinem Alter über die private Haftpflichtversicherung der Eltern mitversichert.


Bedeutet für volljährige Berufseinsteiger: Wer eine eigene Arbeit hat, braucht unbedingt auch eine eigene private Haftpflichtversicherung. Der elterliche Versicherungsschutz endet mit dem Eintritt ins Berufsleben. Die private Haftpflichtversicherung zählt zu den wichtigsten Versicherungen überhaupt.



Unberechtigte Ansprüche abwehren („passiver Rechtsschutz“)

Die private Haftpflichtversicherung wehrt Schadenersatzansprüche ab, die unbegründet sind. Kommt es in so einem Fall zum Rechtsstreit mit der Person, die Anspruch auf Schadenersatz stellt, führt der Haftpflichtversicherer den Prozess und trägt die Kosten. Die private Haftpflichtversicherung bietet somit bei unberechtigten Haftungsansprüchen eine Art „passiven“ Rechtsschutz.

H wie Hausratversicherung

Nach dem Berufseinstieg ändert sich häufig auch die Wohnsituation vieler junger Menschen: tschüss WG, hallo eigene Wohnung! Und wer mehr Geld zur Verfügung hat, gönnt sich eher eine teure Einrichtung – vom Sofa bis zum Smart TV. Damit steigt der Wert des Inventars, eine Versicherung wird nun sinnvoller.


Wer die eigene Einrichtung schützen möchte, kommt um eine Hausratversicherung nicht herum. Versichert ist in der Regel, was nicht fest mit dem Gebäude verbunden ist. Sie leistet, wenn Möbel und Wohnungseinrichtung durch folgende Gefahren beschädigt wurden:


  • Leitungswasser
  • Sturm und Hagel
  • Feuer, Blitzschlag; Überspannung durch Blitz; Explosion; Implosion;
  • Einbruchdiebstahl und Vandalismus
  • Elementarschäden (erweiterte Naturgefahren)


Auch das Fahrrad kann über die Hausrat mitversichert werden. Versicherungen, die erst vor kurzer Zeit abgeschlossen wurden, haben den Naturgefahrenschutz („Elementarschadenversicherung“) oft schon integriert. Bei älteren Policen lässt sich der Baustein ergänzen. Damit ist das Inventar auch bei Schäden geschützt, die etwa durch Starkregen oder Hochwasser entstehen. Extreme Wetterlagen und damit verbundene Schäden dürften künftig häufiger auftreten. Diese Art von Versicherungsschutz wird deshalb sowohl für Mieter als auch Hausbesitzer immer wichtiger werden.



Gut zu wissen: Wer noch keinen eigenen Hausstand hat (zum Beispiel Studierende, die in einer WG wohnen), dessen Inventar ist  häufig über die Hausratversicherung der Eltern mitversichert (“Außenversicherung“).


K wie Kapitalmarkt

Für manche Berufseinsteiger liegt nichts ferner als der Ruhestand. Diese Tatsache, dass es bis zur Rente noch so lange hin ist, können junge Berufstätige finanziell geschickt nutzen. Viele Versicherer kombinieren mittlerweile die Verlässlichkeit klassischer Rentenversicherungen mit den Renditechancen am Kapitalmarkt - mit zwei Vorteilen:


  1. Durch die lange Sparphase können Berufseinsteiger Schwankungen am Kapitalmarkt lockerer aushalten als ältere Sparer.
  2. Je mehr Zeit ein Sparer hat, desto mehr Rendite ist - langfristig kalkuliert - drin. 


Wer sich am Kapitalmarkt betätigt, ob direkt oder indirekt, sollte sich für eine ausführliche Beratung Zeit nehmen  - sei es bei einem Vermittler, einem Versicherer oder einem Honorarberater.


P wie Private Krankenversicherung (PKV)

Diese Gruppen können sich privat krankenversichern:

  • Beamte
  • Selbstständige/Freiberufler
  • Angestellte mit einem jährlichen Bruttoeinkommen von mindestens 60.750 Euro (Stand: 2019)


Wer diese Kriterien nicht erfüllt, muss sich in einer gesetzlichen Krankenkasse (siehe oben) versichern. Mehr Informationen rund um private Krankenversicherungen finden Interessierte unter www.derprivatpatient.de.


R wie Riester-Rente

Wer sich nach dem Studium nicht gerade selbstständig macht, erhält in der Regel ein sozialversicherungspflichtiges Einkommen. Dadurch sind junge Arbeitnehmer auch berechtigt, die staatliche Riester-Förderung zu beantragen - sofern sie sich für ein entsprechendes Altersvorsorgeprodukt entscheiden. Berufseinsteiger unter 25 Jahren profitieren zudem von einem einmaligen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro.


Übrigens: Auch Selbstständige können eine Riester-Zulage bekommen – wenn sie mit einem Partner verheiratet sind, der die Förderung erhält.


Die Stiftung Warentest kommt zu dem Ergebnis: In Zeiten niedriger Zinsen sorgen die staatlichen Zulagen und die Steuervorteile für ein Rendite-Plus, das es anderswo nicht gibt. Wer sich für ein Riester-Produkt entscheidet, bekommt jährlich 175 Euro vom Staat geschenkt. Voraussetzung dafür ist, dass der Sparer 4 Prozent seines jährlichen Bruttoeinkommens in den Vertrag einzahlt. Wer Kinder bekommt, erhält nochmal 300 Euro je Kind für seine Altersvorsorge dazu – zusätzlich zur Grundzulage von 175 Euro.


Für Akademiker, die meist mit höheren Gehältern ihre Karriere beginnen, zahlt sich zudem die Steuerersparnis beim Riestern aus. Einzige Voraussetzung dafür: Sie müssen in ihrer Steuererklärung ihre eingezahlten Beiträge in der "Anlage AV" angeben.


Für junge Leute, die sich nach der Ausbildung selbständig machen, ist eine Rürup-Rente sinnvoll. Sie wurde speziell dafür entwickelt, Selbstständigen eine lebenslange Rente zu ermöglichen. Welchen zusätzlichen Versicherungsschutz Freiberufler benötigen, haben wir an dieser Stelle zusammengefasst.


U wie Unfallversicherung

Das Risiko, während der Arbeit oder auf dem Arbeitsweg zu verunglücken, ist für alle Arbeitnehmer über die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt. Sie übernimmt die Kosten für Arbeitsunfälle. Über die Frage, was genau ein Arbeitsunfall und was nicht, geraten gesetzliche Unfallversicherungen und verunglückte Arbeitnehmer immer wieder aneinander. So wird die Liste kurioser Gerichtsurteile immer länger.


Wer auch in der Freizeit bei Unfällen gut geschützt sein möchte, sollte sich über eine private Unfallversicherung informieren. Die private Unfallversicherung springt ein, wenn ein Unfall dauerhafte körperliche oder geistige Beeinträchtigungen nach sich zieht oder sogar zum Tod führt. Aber auch bei Unfallfolgen, die nicht von Dauer sind, leistet die Unfallversicherung. Der Versicherungsschutz gilt in der Regel rund um die Uhr und weltweit.



Z wie Zusatzversicherung

Zusatzversicherungen gibt es in den unterschiedlichsten Ausprägungen. In der Regel übernehmen Sie Leistungen, die von den gesetzlichen Krankenkassen bzw. der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht übernommen ist. Verbraucher können zusätzliche private Versicherungen abschließen etwa für


  • Zähne
  • Brillen
  • für die Pflege im Alter
  • bessere ambulante Versorgung (Heilpraktiker, Eigenanteil bei Arzneimitteln)
  • oder spezielle Leistungen im Krankenhaus (Einbettzimmer, Chefarztbehandlung, etc.)