08.04.2020
Beruf & Freizeit

Weni­ger Geld, Kün­di­gung, Urlaubss­perre - Was Ange­stellte in der Corona-Krise wis­sen soll­ten

Die Corona-Krise hat Deutschland in einen Ausnahmezustand versetzt: Geschäfte und Betriebe sind geschlossen, Mitarbeiter ins Homeoffice verbannt. Vielen droht nun Kündigung oder Kurzarbeit. Wir beantworten die wichtigsten arbeitsrechtlichen Fragen.

1. Kann ich mich wehren, wenn ich wegen Corona gekündigt werde?

Grundsätzlich können Arbeitgeber einzelne Mitarbeiter betriebsbedingt kündigen, insbesondere wenn dadurch die gesamtwirtschaftliche Lage des Unternehmens gesichert wird. Allerdings ist das in der derzeitigen Situation kein Freifahrtschein für Entlassungen. Arbeitgeber sollten mit Bedacht handeln und dabei auch die finanziellen Hilfen ausschöpfen, die der Staat bietet. Am Ende kommt es immer auf den Einzelfall an, hier sollten Arbeitnehmer im Zweifel einen Rechtsexperten hinzuziehen. 


Unsere Empfehlung:

  • Wenn Sie eine Kündigung von Ihrem Arbeitgeber erhalten haben, kontaktieren Sie am besten umgehend Ihren Rechtsschutzversicherer. Dieser klärt mit Ihnen Ihren Versicherungsschutz und kann Ihnen auch sofort eine anwaltliche telefonische Beratung vermitteln, mit der Sie eine erste rechtliche Einschätzung erhalten. Der Anwalt kann mit Ihnen das beste Vorgehen klären.
  • Denken Sie daran, dass Sie bei Kündigungen keine Zeit verlieren dürfen: Arbeitnehmer können nur innerhalb einer Frist von drei Wochen gegen die Entscheidung Ihres Arbeitgebers vorgehen.
  • Lassen Sie sich nicht zu einem Aufhebungsvertrag drängen. 


2. Meine Firma / mein Betrieb hat aufgrund des Corona-Virus geschlossen. Bekomme ich weiterhin mein Gehalt?

Grundsätzlich ist der Arbeitgeber weiterhin verpflichtet, das Gehalt zu zahlen. Dies kann ihn jedoch im Falle einer Betriebsschließung und damit fehlenden Einnahmen schnell in die Insolvenz treiben. Die Bundesregierung bietet daher eine Art „staatliches Ersatzgehalt“ an, das sogenannte Kurzarbeitergeld. Es wird von der Agentur für Arbeit ausgezahlt, allerdings muss das Kurzarbeitergeld vom Arbeitgeber zuvor beantragt werden.

Unsere Empfehlung:   

  • In kleineren Betrieben kann es Sinn ergeben, gemeinsam mit dem Arbeitgeber eine Lösung in der Krise zu suchen.
  • Wenn Ihr Arbeitgeber Ihr Gehalt nicht weiter oder nur noch anteilig zahlt, nehmen Sie im Zweifel Kontakt zu Ihrem Rechtsschutzversicherer auf. 



3. Habe ich wegen Corona ein Anrecht auf Homeoffice?

In der Corona-Krise wird das Homeoffice für viele Arbeitnehmer von der Ausnahme zur Regel. Einfordern können sie es jedoch nicht. Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf einen mobilen Arbeitsplatz, heißt es offiziell beim Bundesarbeitsministerium. Allerdings hat der Arbeitgeber auch eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mitarbeitern. Homeoffice ist mittlerweile in vielen Unternehmen eine Lösung. Am Ende kommt es auch hier auf den konkreten Einzelfall (mit und ohne Kinder), die konkrete Tätigkeit und die Arbeitssituation an. 


Unsere Empfehlung:  

Sprechen Sie Ihren Arbeitgeber auf die Möglichkeit des Homeoffice an und versuchen Sie, eine gemeinsame Lösung zu finden.  


4. Wie bin ich im Homeoffice versichert

In den eigenen vier Wänden arbeitet es sich definitiv anders als im Großraumbüro. Auch die Gefahren sind andere. Logisch, dass dann auch beim Versicherungsschutz im Homeoffice andere, ganz eigene Regeln gelten.



5. Welche Sonderregelungen gelten bei einer Krankmeldung während der Corona-Krise?

In der Corona-Krise hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) die Vorgaben für eine Krankschreibung gelockert: Ärzte dürfen Patienten mit leichten Atemwegserkrankungen ab sofort telefonisch für bis zu 14 Tage krankschreiben. Diese Regelungen gelten zunächst befristet bis zum 23.06.2020 für


a) Patienten mit Erkrankungen der oberen Atemwege, die eine leichte Symptomatik zeigen,

b) Patienten mit Erkrankungen der oberen Atemwege, die eine leichte Symptomatik zeigen und bei denen außerdem ein Verdacht besteht, dass sie mit dem Virus infiziert sein könnten.


Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können somit im Verdachtsfall die Krankschreibung von zu Hause regeln und brauchen nicht wegen der bloßen Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit in eine Arztpraxis gehen. Wer unsicher ist: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung bietet eine Checkliste „Covid-19, Grippe oder Erkältung?“ und eine bundesweite Hotline an.


6. „Zwangsurlaub“: Kann mein Chef mich jetzt in den Urlaub schicken?

„Zwangsurlaub“ darf nur aufgrund „dringender betrieblicher Belange“ angeordnet werden, heißt es offiziell im Bundesurlaubsgesetz. Die Corona-Pandemie stellt nach Meinung vieler Experten solch eine unvorhergesehene betriebliche Krise dar. Einem flächendeckenden Zwangsurlaub sind damit aber nicht automatisch Tür und Tor  geöffnet. Maßgebend ist, inwiefern das Unternehmen wirtschaftlich von der Corona-Krise betroffen ist. Das sieht für Cafés und Restaurants, denen momentan schlicht die Kundschaft fehlt, sicher anders aus als für Bürobetriebe. Sie können ihre Mitarbeiter mehr oder weniger uneingeschränkt im Homeoffice weiterarbeiten lassen. 


Unsere Empfehlung:     

  • Wenn Ihr Chef Sie in den Urlaub zwingt und Sie keine Einigung erzielen konnten, fragen Sie Ihren Rechtsschutzversicherer um Rat.


7. Urlaubssperre: Kann mein Chef mir den Urlaub streichen?

Ja, der Arbeitgeber kann eine Urlaubssperre während der Corona-Krise verhängen, jedoch nur aus dringenden betrieblichen Gründen. Ist der Urlaub bereits genehmigt, hat der Arbeitnehmer keinen Anspruch darauf, diesen in Zeiten der Corona-Krise rückgängig zu machen, weil er vielleicht nicht wie geplant verreisen kann. In der augenblicklichen Situation sind aber alle gut beraten, nach einvernehmlichen Lösungen zu suchen. Auch der einvernehmlich vereinbarte Abbau von Überstunden kann ein Mittel sein, um die Zeit zu überbrücken. Kommt es zu einem rechtlichen Streit mit dem Arbeitgeber hinsichtlich des Urlaubs, sollten Sie Ihren Rechtsschutzversicherer kontaktieren.