21.10.2015
Beruf & Freizeit

Der pas­sende Ver­si­che­rungs­schutz für Grün­der

Immer mehr Menschen werden Unternehmer: Laut Kreditanstalt für Wiederaufbau wagten im vergangenen Jahr rund 915.000 Menschen diesen Schritt – 47.000 mehr als 2013. Das Bundeswirtschaftsministerium begleitet den Boom Mitte November mit einer breit angelegten Gründerwoche. Sowohl das Unternehmen als auch der Gründer selbst sollten gut versichert sein. Wir stellen die wichtigsten Policen für Firmengründer vor.

Welche Policen für Gründer erforderlich sind, hängt vom individuellen Sicherheitsbedürfnis, den Einkommensverhältnissen und von der Art des Unternehmens ab. Der Selbstständige, der teure Produktionsmaschinen anschafft, braucht anderen Schutz als ein Jungunternehmer, der lediglich mit Notebook und kreativen Ideen an den Start geht. Wird ein Unternehmen gegründet, können prinzipiell zwei Arten von Risiken auftreten.




1. Die wichtigsten Versicherungen zum Schutz vor betrieblichen Risiken

Kleine Unachtsamkeiten können im Nu große Schäden anrichten. Vor den Folgen schützen Berufs- oder Betriebshaftpflichtversicherung. Für einige Berufe ist sie sogar gesetzlich vorgeschrieben, beispielsweise für Heilpraktiker, Rechtsanwälte, Architekten oder Unternehmensberater. Für Existenzgründer im produzierenden Gewerbe sollte darüber hinaus auch über den Abschluss einer Produkthaftpflichtversicherung nachgedacht werden. Denn Hersteller haften für Produktmängel, auch wenn sie jene nicht selbst verschulden. Rückrufe von Produkten sind in der Produkthaftpflicht allerdings in der Regel nicht inbegriffen. Für solche Fälle bietet sich eine Rückrufkosten- versicherung an. Sinn machen kann je nach Art des Betriebs auch eine Umwelthaftpflichtversicherung. Sie erfüllt Schadensersatzansprüche, wenn durch den Betrieb Boden, Wasser und Luft verunreinigt werden.


Produktionsfehler oder Betriebsunterbrechung – für fast jeden Schadensfall im Unternehmen lässt sich vorsorgen. Je nach Risikoeinschätzung können Geschäfts-Inhaltsversicherungen und Geschäfts-Gebäude-versicherungen gegen Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm etc. abgeschlossen werden. Zudem bieten Einbruchdiebstahl-, Glas-, Forderungsausfall-, Firmenfahrzeug-, Warentransportversicherungen usw. weiteren Schutz vor den jeweiligen Risiken.


Bei einer Betriebsunterbrechung, zum Beispiel durch Feuer oder Maschinenausfall, kann eine Betriebs-Unterbrechungsversicherung die laufenden Kosten bis zum Wiederaufbau des Betriebs tragen. So lange keine Erträge erwirtschaftet werden, kommt die Versicherung für Löhne, Gehälter oder Mieten auf.


Allerdings muss die Unternehmenssicherheit mit ihren klassischen Handlungsfeldern Brandschutz, Security (Schutz gegen Einbruch, Diebstahl, Sabotage) und Naturgefahren (zum Beispiel Überschwemmung oder Starkregen) heute um den Aspekt der Informationssicherheit ergänzt werden. Hacker-Angriffe und daraus resultierende Schäden werden zunehmend zum Problem für Unternehmen. Nach Einschätzung der Prüforganisation VdS Schadenverhütung – eine Tochtergesellschaft des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) – sind viele Unternehmen aktuell noch unzureichend gegen Cyber-Attacken geschützt. Auf ihrer Website gibt die VdS Tipps zur Cyber-Security.


Als eine besondere Form der Haftpflichtversicherung für Mitglieder von Leitungs- und Aufsichtsorganen kommt eine D&O-Versicherung in Betracht. Die „Director´s and Officer´s Liability Insurance“ gewährt Versicherungsschutz für den Fall, dass Top-Manager eines Unternehmens wegen begangener Pflichtverletzungen aufgrund gesetzlicher Haftpflichtbestimmungen in Anspruch genommen werden. Die D&O-Police schützt damit die Interessen des Unternehmens – gleichzeitig wird aber auch das Privatvermögen der versicherten Person abgesichert.


Probleme mit Mitarbeitern, Partnern oder Kunden können sich zu einem kostspieligen Streit vor Gericht auswachsen. Dafür kann eine Rechtsschutzversicherung aufkommen. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des GDV zeigt außerdem, dass viele Deutsche die Kosten eines Rechtsstreits unterschätzen. Schutz für den privaten und beruflichen Bereich gibt es oft als Kombipaket, das speziell auf die Bedürfnisse von Selbstständigen zugeschnitten ist.




2. Die wichtigsten Versicherungen zum Schutz persönlicher Risiken

Unerlässlich ist ein angemessener Schutz vor Krankheit, Berufsunfähigkeit, Unfall und Altersarmut.


Eine Krankenversicherung ist für Unternehmer mittlerweile Pflicht: Für Selbstständige bedeutet Krankheit nicht nur Kosten für die Genesung, sondern auch Verdienstausfall. Hier leistet eine private Krankentagegeldversicherung. Sie kann auch für gesetzlich krankenversicherte Selbständige Sinn machen, da das Krankengeld von der gesetzlichen Versicherung erst ab der siebten Krankheitswoche gezahlt wird. In einer privaten Krankenversicherung ist in der Regel eine Krankentagegeldversicherung bereits enthalten. Infos zum privaten Versicherungsschutz beantwortet hier der PKV-Verband. Dort erhält man auch Infos zur privaten Pflegeversicherung.


Eine schwere Krankheit oder ein Unfall kann dazu führen, dass man gar nicht mehr oder nur wenige Stunden am Tag arbeiten kann. Kaum ein anderes Produkt ist deshalb so wichtig für die persönliche Risikoabsicherung wie die Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie bewahrt Gründer davor, in existenzielle Not zu geraten. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung garantiert eine monatliche Rente – längstens bis zum Eintritt in den Ruhestand. Das Risiko, berufsunfähig zu werden, wird von vielen Deutschen noch immer unterschätzt.


Neun Millionen Deutsche verletzen sich jedes Jahr bei Unfällen, eine Million davon so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Eine private Unfallversicherung ist daher für Gründer ebenfalls unerlässlich. Wer während der Arbeit oder auf dem Hin- oder Rückweg verunglückt, ist durch die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Für Unfälle in der Freizeit oder in der eigenen Wohnung muss dagegen privat vorgesorgt werden. Kernstück der Unfallversicherung ist die Invaliditätsleistung. Darüber hinaus zahlt sie auch Tagegeld, Krankenhaustagegeld und Genesungsgeld, damit der Verdienstausfall kompensiert oder die Krankenhauskosten abgedeckt werden können.


Die eigene Altersvorsorge sollte jeder Existenzgründer möglichst frühzeitig angehen, um nicht im Alter seinen Lebensstandard stark zurückschrauben zu müssen. Renten- und Lebensversicherungen bieten garantierte Leistungen im Alter, zum Beispiel in Form einer monatlichen Rente oder einer einmaligen Kapitalauszahlung. Die Produktangebote sind vielfältig und lassen sich auf individuelle Bedürfnisse zurechtschneiden. Mit der Basisrente („Rüruprente“) existiert ein steuerlich gefördertes Vorsorgeprodukt, das sogar vor allem für Selbstständige und Freiberufler entwickelt wurde, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Der Staat fördert die Basisrente über eine hohe steuerliche Abzugsmöglichkeit der Beiträge.


Das Einstellen von Mitarbeiter bringt Versicherungspflichten mit sich

Durch die Beschäftigung von Mitarbeitern entstehen diverse gesetzliche Versicherungspflichten. Ansprechpartner sind hier die Krankenkassen und Berufsgenossenschaften. Branchenunabhängige Ratschläge und Informationen für Existenzgründer hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) auf einer Sonderseite 

www.existenzgruender.de zusammengefasst.