07.12.2016
Beruf & Freizeit

Hover­boards und Elek­tro­rol­ler auf Stra­ßen nicht ver­si­chert

Elektrokleinfahrzeuge wie die flinken, wendigen Hoverboards finden immer mehr Fans. Bei vielen Kindern und Jugendlichen stehen sie vor Weihnachten auf den Wunschzetteln weit oben. Doch für den Straßenverkehr sind die Vehikel nicht zugelassen. Wer ein Hoverboard auf öffentlichem Gelände nutzt, riskiert im Fall der Fälle Bußgelder und hohe Schadenszahlungen.

„Angesagter Outdoor-Spaß“, heißt es verlockend im Prospekt einer Discount-Kette. Darunter abgebildet ist ein Hoverboard: ein elektrisches Gefährt auf zwei Rädern und ohne Lenker, auf dem der Fahrer balancieren muss. Was viele Käufer aber nicht wissen: Das Gerät darf nicht auf öffentlichen Straßen genutzt werden.
Solche Hoverboards gehören zu einer Serie von neuartigen Fahrgestellen, die hierzulande immer mehr Anhänger finden. Sie heißen


  • Longboards,

  • One-Wheels,

  • Mono-Wheels oder

  • Elektroroller.


Sie besitzen alle einen elektrischen Antrieb, der die Gefährte je nach Motorleistung auf bis zu 35 Kilometer pro Stunde und teilweise sogar noch mehr beschleunigen kann. Das Bundesverkehrsministerium (BMVI) stuft sie wegen ihres Motorantriebs nach der aktuellen Rechtslage als Kraftfahrzeuge ein, die eine Zulassung benötigen. Das Problem ist nur: Die gibt es bislang nicht.


Elektrokleinfahrzeuge sind nicht zugelassen

Denn die Vehikel lassen sich keiner gängigen Fahrzeugart zuordnen. Die gesetzlichen Anforderungen an Lenkung, Beleuchtung, Bremssystem oder Bereifung greifen bei den neuen Modellen ins Leere. Doch ohne Zulassung ist das Fahren im öffentlichen Straßenverkehr nicht erlaubt – selbst auf Geh- und Radwegen oder öffentlichen Plätzen dürfen Elektroscooter und Co. nicht fahren. „Elektrokleinfahrzeuge können nur im privaten Raum genutzt werden. Darauf sollten Verkäufer die Kunden auch hinweisen“, betont Matthias Zunk, Versicherungsexperte vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).


Wer sich dennoch auf die Straße traut, riskiert neben einem Strafverfahren ein Bußgeld. Und er bleibt auf den Kosten selbstverschuldeter Unfälle sitzen. Dies kann den Hoverboard-Fahrer teuer zu stehen kommen, wenn er zum Beispiel Behandlungskosten oder den Verdienstausfall des Unfallgegners übernehmen muss. „Wer mit einem Hoverboard auf der Straße einen Unfall baut, steht ohne Versicherungsschutz da“, betont GDV-Experte Zunk. Denn für die Straße bräuchten die Scooter theoretisch eine Kfz-Versicherung. Die gibt es aber eben nur für zugelassene Fahrzeuge. Werden die Geräte hingegen ausschließlich auf privatem Gelände genutzt, sind Schäden Dritter durch die Privathaftpflichtversicherung abgedeckt.


Termin für Betriebsgenehmigung offen

Das Problem der fehlenden Betriebserlaubnis ist der Politik schon lange bekannt, passiert ist bislang wenig. Das Bundesverkehrsministerium hatte 2015 die Bundesanstalt für Straßenwesen zunächst beauftragt, sich einen Marktüberblick über die Kleinstelektrofahrzeuge zu verschaffen und zu prüfen, ob und wie die Geräte im öffentlichen Straßenverkehr bewegt werden könnten. Es geht darum, Minimalanforderungen an die Verkehrssicherheit festzulegen – unabhängig vom konkreten Fahrzeugkonzept. Ursprünglich sollten die Ergebnisse der Behörde bereits Ende 2015 vorliegen, ein Jahr später ist die Prüfung nach Auskunft des BMVI aber noch immer nicht abgeschlossen. Wann es soweit ist, vermag das Ministerium nicht zu sagen.


Die Bundesländer machen derweil Druck. Erst im Oktober forderten sie die Bundesregierung per Entschließungsantrag auf, endlich aktiv zu werden. Den Ländern geht es nicht nur um die Verkehrssicherheit. Sie sehen in den Elektrofahrzeugen auch einen wichtigen Baustein für innovative Mobilitätskonzepte – als Ergänzung zum öffentlichen Personennahverkehr.


Auch für Segways brauchte es neue Regeln

Dass Zulassungsvorschriften angepasst werden, ist nicht ungewöhnlich. Auch für Segways brauchte es neue Regeln, ehe sie auf die Straße durften. Die einachsigen Elektroroller mit kleiner Plattform und Lenker sind seit 2009 in der Mobilitätshilfenverordnung erfasst: Sie sind zwar zulassungsfrei, brauchen aber ein Versicherungskennzeichen. Fahrer müssen mindestens 15 Jahre alt sein und einen Mofa-Führerschein besitzen. Sie müssen mit dem Segway auf Schutzstreifen oder Fahrradwegen fahren. Nur wenn es diese innerorts nicht gibt, dürfen die Vehikel auch auf die Fahrbahn.


Wann auch Hoverboards und Elektroroller öffentliche Wege erobern dürfen, ist derzeit nicht absehbar. Die legale Fahrt endet also vorerst am Grundstückszaun – und bleibt somit ein buchstäblich begrenzter Spaß.