28.07.2016
Beruf & Freizeit

Jagd nach Poké­mons kann teuer wer­den

Das Nintendo-Spiel Pokémon Go erlebt derzeit einen gigantischen Boom. Seit Wochen sind Millionen Menschen weltweit von der Jagd auf kleine Fantasiewesen besessen. Doch mit dem Einfangen von Glumanda, Schiggy oder Pikachu sind im realen Leben auch Gefahren verbunden. Unfälle und Schadensfälle im Zusammenhang mit Pokémon Go häufen sich.

Herr Zunk, immer wieder sieht man in letzter Zeit Menschen mit gezücktem Smartphone durch die Gegend laufen, um Pokémons einzufangen. Worauf muss ich als Fußgänger achten?
Mathias Zunk: Natürlich muss ich meine Umgebung im Blick behalten, damit ich mich und andere nicht in Gefahr bringe. Außerdem sollte ich die Straßenverkehrsordnung im Auge haben: Die gilt schließlich auch für Fußgänger. Wer zum Beispiel auf der Suche nach Pokémons die Fahrbahn betritt, obwohl ein entsprechender Gehweg oder Seitenstreifen vorhanden ist, dem drohen 5 Euro Bußgeld – ebenso wenn ich offizielle Absperrungen überklettere. Und wer auf der anderen Straßenseite endlich Pikachu gefunden hat und über eine rote Ampel läuft, der muss auch mit Bußgeld rechnen. Teurer wird es regelmäßig, wenn bei diesen Verstößen dann auch noch ein Unfall verursacht wird.


In Berlin wurde von der Polizei ein Fahrradfahrer angehalten, der Pokémon Go spielte. Ist auch das verboten?
Zunk: Ja, wer mit dem Handy beim Pokémon-Go-Spielen auf dem Fahrrad erwischt wird, muss 25 Euro Bußgeld zahlen. Bei Autofahrern, die spielen, wird es noch teurer: Ihnen droht ein Bußgeld in Höhe von 60 Euro und ein Punkt in Flensburg.


Zum Versicherungsschutz: Bin ich denn abgesichert, wenn ich gedankenverloren auf der Suche nach einem Pokémon über Nachbars Blumenbeet laufe?
Zunk: Wenn Sie zu den rund 85 Prozent der Haushalte in Deutschland gehören, die privathaftpflichtversichert sind,  müssen Sie sich keine Sorgen machen. Die Privathaftpflicht leistet nur dann nicht, wenn der Schaden vorsätzlich herbeigeführt wird.


Und wenn ich beim Spielen einen Unfall erleide?
Zunk: Ein schwerer Unfall zieht oftmals anhaltende gesundheitliche oder finanzielle Folgen nach sich. Dabei können einmalige oder dauerhafte finanzielle Belastungen entstehen. Hier greift die private Unfallversicherung. Wer beim Pokémon-Go-Spielen einen Unfall erleidet, ist als Versicherter in der Regel geschützt. Denn hier spielt es grundsätzlich keine Rolle, ob der Versicherte leicht oder grob fahrlässig oder auch leichtsinnig gehandelt hat.


Bekomme ich denn etwas von der Autoversicherung eines Fahrers, der mich beim Spielen anfährt?
Zunk: Die Kfz-Haftpflichtversicherung leistet grundsätzlich, wenn bei einem Verkehrsunfall ein Fußgänger zu Schaden kommt. Nicht ausgeschlossen ist jedoch, dass Sie als geistesabwesend spielenden Fußgänger unter Umständern ein Mitverschulden (i.S.v. § 254 BGB) trifft. Ob und in welcher Höhe ein solches Mitverschulden vorliegt, hängt immer von den konkreten Umständen des Einzelfalles ab. Liegt Mitverschulden vor, kann die Kfz-Haftpflichtversicherung die Leistung mindern.


Als Autofahrer darf ich während der Fahrt kein Handy benutzen, andernfalls droht mir ein Bußgeld. Aber kann ich mich denn auf meine Versicherung verlassen?
Zunk: Bezüglich ihres eigenen Schadens nur bedingt: Wird Ihnen bei einem Unfall aufgrund des Pokémon-Go-Spielens am Steuer grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen, kann der Versicherungsschutz der Vollkaskoversicherung unter Umständen entfallen. Was die Schäden bei Dritten anbelangt, wären Sie auf der sicheren Seite: Die KfZ-Haftpflichtversicherung kommt auch dann für Schäden an Dritten auf, die bei einem Verkehrsunfall entstehen, wenn der Fahrer das Handy genutzt hat. Anders als beim Fahren unter Alkoholeinfluss, kann die Haftpflichtversicherung in diesem Fall den Versicherungsnehmer auch nicht in Regress nehmen.