14.06.2018
Beruf & Freizeit

Reha statt Rasen: Wer zahlt, wenn Pro­fi­fuß­bal­ler ver­letzt aus­fal­len?

Wie sich Fußballprofis gegen längere Verletzungspausen absichern.

Wenn der Torhüter zum Bankdrücker wird: Acht lange Monate konnte Manuel Neuer den Rasen nicht betreten. Nach dem dritten Mittelfußbruch seiner Karriere musste der FC Bayern Ersatzmann Sven Ulreich zwischen die Pfosten stellen. Kurz vor der Weltmeisterschaft dann die erlösende Nachricht: Manuel Neuer soll wieder voll belastungsfähig sein und für die deutsche Elf auflaufen.


Auf ein erfolgreiches Comeback der Personalie Neuer freut sich nicht nur die Nationalmannschaft. Auch der FC Bayern hätte den Torhüter bestimmt gerne wieder im Heimtrikot auf dem Rasen. Denn ein langfristiger Ausfall kann angesichts der hohen Gehälter der Fußballer schnell teuer werden. Die Spieler sind beim Sportclub angestellt und bekommen im Krankheitsfall, wie alle anderen Arbeitnehmer auch, ihre Löhne weiterbezahlt. 



Lohnfortzahlung im Krankheitsfall - auch für Profis

Nach der gesetzlichen Vorgabe erhalten Angestellte im Krankheitsfall bis zu sechs Wochen eine Gehaltsfortzahlung. Ist ein Sportler jedoch länger als sechs Wochen verletzt, versiegt der Geldstrom des Vereins. „In der Praxis können nur Top-Spieler einen längeren Zeitraum vereinbaren“, erklärt Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV).

 

In Deutschland hilft die gesetzliche Unfallversicherung nach den sechs Wochen weiter. Neben den Kosten für die Rehabilitation zahlt sie bis zu 78 Wochen ein Verletztengeld. Doch das ist bei 6.400 Euro pro Monat gedeckelt. Ein Fußballer, der andere Gehaltssummen gewöhnt ist, kann sich privat absichern, um in die Nähe des ursprünglichen Lohns zu kommen.

„Nach unserer aktuellen VDV-Bildungstendenzstudie verfügen rund 90 Prozent der Bundesligaprofis über eine private Krankenversicherung, ebenso rund 75 Prozent der Zweitligaspieler und etwa 40 Prozent der Drittligaspieler“, führt der VDV-Geschäftsführer aus.


Verletzt bei der WM: FIFA entschädigt Vereine

Die Vereine, die Spieler für den Kader der Nationalmannschaft stellen, sichern sich auch gegen mögliche Verletzungen ab. Immerhin besteht bei jedem Spiel eines großen Turniers die Gefahr, dass sich ein Leistungsträger verletzt und anschließend in der Saison ausfällt. Die Clubs sind deshalb über den Weltfußballverband FIFA versichert. Laut dem „FIFA-Schutzprogramm für Klubs“ sind alle Clubs geschützt, wenn sich ein Spieler während eines offiziellen, internationalen Spiels der Nationalmannschaft verletzt und aus diesem Grund länger als 28 aufeinanderfolgende Tage nicht spielen kann.


Das Programm entschädigt Vereine mit bis zu 7,5 Millionen Euro pro Spieler je Unfall. Dieser Höchstbetrag errechnet sich aus einer täglichen Zahlung von bis zu 20.548 Euro, der für 365 Tage zu zahlen ist. Die Entschädigung endet unter anderem, wenn das Ende des Deckungszeitraums von 365 Tagen erschöpft ist.


Profis im Ausland besser abgesichert

Im Ausland ist die Situation der Profifußballer eine andere. „In der niederländischen Eredivisie gibt es auf tarifvertraglicher Basis grundsätzlich 100 Prozent Gehaltsfortzahlung bis zum Vertragsende“, so Ulf Baranowsky von der Spielergewerkschaft VDV. In der englischen Premier League werden 18 Monate lang 100 Prozent des Gehalts weitergezahlt. Fällt der Spieler noch länger aus, werden bis zum Vertragsende noch 50 Prozent des Lohns bezahlt.


Die finanzielle Absicherung von Spielern in Deutschland hält Baranowsky für verbesserungswürdig. „Nicht nur die für die Spieler nachteiligen Regeln bei der Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall fallen dabei ins Gewicht. Zudem gibt es in Deutschland immer noch keinen Karrierefonds für einen einfacheren Übergang in die nachfußballerische Berufslaufbahn und auch keinen Sozialfonds, der beispielsweise bei schweren Erkrankungen Hilfe leistet oder im Todesfall die Familie absichert.“


Die Spielergewerkschaft setzt sich hier verstärkt für Verbesserungen ein. Der Weltklasse-Anspruch in der Bundesliga müsse auch für die Arbeitsbedingungen gelten. „Andernfalls wird es zunehmend schwerer, internationale Top-Spieler nach Deutschland zu holen“, sagt Baranowsky.