29.03.2017
Beruf & Freizeit

So sichern Rad­ler heute ihr Bike

38 Fahrräder wechseln Stunde für Stunde unfreiwillig den Besitzer. Mit dem richtigen Schloss können Radfahrer den Dieben das Handwerk legen. Viele Anbieter verzichten dabei auf Schlüssel und Zahlenschloss.

Schlüssel überflüssig: Das smarte Schloss

Autofahrer kennen das Prinzip schon länger: Die Autotür öffnet sich automatisch, sobald sie sich mit dem Schlüssel ihrem Wagen nähern. Für Radfahrer gibt es jetzt einen vergleichbaren Komfort – mit einem Unterschied: Das Smartphone wird zum Schlüssel. Moderne Fahrradschlösser wie etwa von Noke, Lattis oder Bitlock erkennen via Bluetooth, wenn der Besitzer sich nähert und entsperren sich dann automatisch. Bei fest am Rahmen angebrachten Schlössern, wie zum Beispiel von I lock it, entfällt auch das Abschließen. Entfernt sich der Radler, macht das Schloss automatisch dicht. Selbstverständlich können die smarten Fahrradsicherungen auch manuell, zum Beispiel mit einem Code, geöffnet werden – für den Fall, dass das Smartphone zu Hause vergessen wurde.


Auch wer sich gegen ein smartes Schloss entscheidet, sollte in puncto Sicherheit nicht knausern. „Als Faustregel gilt, fünf bis zehn Prozent des Fahrradpreises in das Schloss zu investieren“, empfiehlt GDV-Versicherungsexperte Mathias Zunk. Der Grund: Je stabiler das Schloss, desto länger brauchen Fahrraddiebe, um es zu knacken. „Da Fahrraddiebe häufig unter Zeitdruck arbeiten, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass das Rad geklaut wird“, sagt Zunk.



Achtung, Fahrraddieb: Warnsignal auf das Smartphone

Moderne Schlösser sind mit dem Smartphone des Besitzers verbunden. Macht sich ein Dieb am Fahrrad zu schaffen, sendet das Schloss eine Warnnachricht an das Handy. Ist der Besitzer noch in der Nähe des Rades, kann er unter Umständen einschreiten. Ob diese Benachrichtigung den Diebstahl tatsächlich verhindern kann oder eine abschreckende Wirkung auf Fahrraddiebe hat, sei jedoch dahingestellt.

Wirksamer dürfte das Alarmsignal sein, das viele Schlösser bei einem Diebstahlversuch von sich geben. Mehrere Hersteller versprechen eine Lautstärke von über 100 Dezibel. Das ist in etwa so laut wie ein vorbeifahrender Lkw oder die Musik in einer Diskothek.


Analoge Abschreckung: Schloss verursacht Übelkeit bei Dieb

Das Skunklock setzt auf eine drastische Art der Abschreckung. Im Inneren des „Stinktier-Schlosses“ befindet sich ein Gasgemisch. Versucht der Dieb es zu knacken, tritt das Gasgemisch aus und löst Übelkeit und Brechreiz aus. 99 Prozent der Test-Diebe hätten sich in einem Abstand von 60 Zentimeter übergeben müssen, so der Hersteller. Im Sommer 2017 sollen die ersten „Stinktier-Schlösser“ auf den Markt kommen.

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Falls das Rad doch geklaut wurde: Peilsender per GPS

Kein Schloss ist unüberwindbar, häufig ist es für versierte Diebe nur eine Frage der Zeit. Die Aufklärungsquote liegt je nach Bundesland zwischen 3 und 18 Prozent. Vor allem in den Stadtstaaten sollten beklaute Radfahrer nicht erwarten, ihr Bike wiederzusehen. Mehr Chancen haben Radfahrer, wenn sie oder die Polizei ihr gestohlenes Rad per Satellitenortung verfolgen können. GPS-Tracker für Räder gibt es zum Beispiel als anschraubbarer Peilsender, als Pedale oder als Rücklicht. Die Funktionsweise ist immer dieselbe: Wurde das Fahrrad geklaut, kann das Fahrrad über eine App geortet werden. Velocate bietet zusätzlich eine Nahortung via Bluetooth an, sollte das Fahrrad in einem Keller versteckt sein. Die Ortung per GPS würde dort nicht funktionieren.



Wie kann ich mein Fahrrad versichern?

Es gibt zwei Möglichkeiten, sein Fahrrad gegen Diebstahl und andere Schäden zu versichern:


1. Über die Hausratversicherung

Wird ein Fahrrad aus einer Wohnung oder aus dem abgeschlossenen Keller geklaut, leistet die Hausratversicherung. Wer sein Fahrrad auch auf offener Straße versichert wissen möchte, sollte seine Hausratversicherung um diesen Schutz erweitern. Einige Hausratversicherer bieten diese Deckung aber auch standardmäßig an. Hier kommt es auf den individuellen Vertrag an. „Radfahrer sollten im Zweifelsfall ihren Hausratversicherer fragen, wie ihr Bike geschützt ist und mit welcher Summe“, rät GDV-Versicherungsexperte Mathias Zunk.


2. Über eine Fahrradversicherung

Teure und hochwertige Räder sollten über eine eigenständige Fahrradversicherung abgesichert werden. Diese haben in der Regel höhere Versicherungssummen als eine Hausratversicherung, wenn das Rad geklaut wurde. Zudem leisten sie häufig auch bei Vandalismusschäden, die über eine Hausratversicherung nicht abgedeckt sind.