11.08.2016
Beruf & Freizeit

Tier­hal­ter­haft­pflicht auch für Schlan­gen und Ech­sen

Rund 30 Millionen Haustiere halten die Deutschen. Und nicht immer ist der „beste Freund“ nur niedlich und handzahm. GDV-Verbraucherexperte Mathias Zunk über die richtige Versicherung für Ihr Tier.

Herr Zunk, von Katzen dürfte ja – in der Regel zumindest – keine besondere Gefahr für die körperliche Unversehrtheit ausgehen. Benötige ich als Halter dennoch eine spezielle Versicherung?
Mathias Zunk: Nein. Eine „Katzen-Haftpflichtversicherung“ gibt es nicht. Katzen können aufgrund Ihrer Größe keine bedeutenden Schäden anrichten – anders als Hunde oder Pferde. Deshalb sind Katzen einfach in der Privathaftpflichtversicherung mitversichert.


Wer haftet, wenn die Katze zum Beispiel auf die Straße rennt und einen Auffahrunfall verursacht?
Zunk: Als Tierhalter haften Sie. Und zwar unabhängig davon, ob Ihnen ein Verschulden nachgewiesen werden kann oder nicht. Es reicht allein aus, dass Ihnen das Tier gehört und dass der Schaden nachweislich durch Ihre Katze eingetreten ist. Allerdings können Sie – soweit vorhanden – Ihre Privathaftpflichtversicherung in Anspruch nehmen. Diese tritt grundsätzlich für Schäden durch die Katze ein, soweit kein vertraglicher Ausschluss vorliegt. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn Sie als Halter die Katze absichtlich auf die Straße gescheucht hätten, um einen Autounfall zu verursachen. Aber keine Sorge: Die Privathaftpflicht leistet auch dann, wenn es sich bei ihrer Katze um eine sogenannte Freigänger-Katze handelt, die unbegleitet viel in der Gegend herumstreunt.


Bekomme ich Schadenersatz, wenn ein Autofahrer meine Katze überfährt?
Zunk: Ja. Ist ein Autofahrer durch Unachtsamkeit verantwortlich für den Tod oder die Verletzung Ihres Tieres, besteht grundsätzlich die gleiche Schadenersatzpflicht wie bei Sachen. Einen entscheidenden Unterschied zu beschädigten Gegenständen gibt es allerdings: Die Kosten, die aus der Behandlung eines verletzten Tieres entstehen, gelten nicht bereits dann als unverhältnismäßig, wenn sie den Wert des Tieres erheblich übersteigen. Bis zu welcher Grenze der  Schädiger Kosten erstatten muss, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab.


Hunde benötigen eine spezielle Haftpflichtversicherung. Gilt das für alle Hunde überall in Deutschland?
Zunk:  Wenn Sie einen Hund haben, benötigen Sie eine Tierhalterhaftpflichtversicherung, das ist richtig. In neun Bundesländern besteht daher eine gesetzliche Versicherungspflicht für gefährliche Hunde und in sechs Ländern für alle Hunderassen. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es hingegen keine Versicherungspflicht.


Manche Hunde benötigen ja wohl einen Maulkorb. Wenn ich als Halter diese Pflicht ignoriere, leistet dann trotzdem eine Versicherung für mögliche Schäden?
Zunk: Ob und wann eine Maulkorbpflicht besteht, richtet sich nach dem jeweiligen Bundesland. Stuft die Ordnungsbehörde bestimmte Hunderassen als gefährlich ein und Sie widersetzen sich dieser behördlichen Anweisung, wirkt sich das nicht auf den Versicherungsschutz aus. Passiert Ihnen das allerdings häufiger, kann Ihr Versicherer von seinem Kündigungsrecht im Schadenfall Gebrauch machen. Die Behörde selbst kann ein Bußgeld verhängen.


Exotische Tiere wie Schlangen und Echsen erfreuen sich ja auch bei manchen großer Beliebtheit. Wie ist es da mit dem Versicherungsschutz?
Zunk: Für Exoten sollten Sie eine spezielle Tierhalterhaftpflichtversicherung abschließen. Haben Sie eine solche Versicherung nicht, müssen Sie beispielsweise Behandlungskosten für verletzte Personen aus eigener Tasche zahlen. Kontaktieren Sie also Ihren Haftpflichtversicherer, wenn Sie sich eine Schlange, Spinne oder ein anderes exotisches Tier zulegen wollen.


Weil Sie vorhin die Pferde erwähnten: Gibt es für Pferdehalter eine Pflichtversicherung?
Zunk: Nein, Pferde können aber manchmal unberechenbar sein. Daher haften Sie als  Pferdebesitzer für Schäden in unbegrenzter Höhe, auch wenn Sie selbst keine Schuld haben. Dagegen können Sie sich aber  mit einer speziellen Pferdehaftpflichtversicherung schützen.