15.04.2020
Beruf & Freizeit

Ver­eins­ver­si­che­run­gen: Wel­cher Schutz sinn­voll ist

Einen Verein zu gründen, ist im Prinzip nicht schwer. Wer ein solches Projekt umsetzt, sollte auch an die passenden Versicherungen denken. Welche Policen im Vereinsleben sinnvoll sind.

Kaninchen züchten, gemeinsam gärtnern, Sport treiben, die Kita oder Schule unterstützen, Kunstförderung oder Bildung - Vereine gibt es viele. Rund 600 000 von ihnen gibt es insgesamt in Deutschland, wie der jüngste Datenreport Zivilgesellschaft der Robert Bosch Stiftung aufzeigt.


Um einen eingetragenen Verein zu gründen, braucht es nicht viel: Sieben Gründungsmitglieder müssen sich auf ein gemeinsames Ziel einigen und dieses in einer Satzung festlegen. Wichtig ist auch der richtige Versicherungsschutz. Denn ohne kann es im Zweifelsfall nach einem Schaden teuer werden. Ein Überblick über sinnvolle Vereinsversicherungen.


Die Haftpflichtversicherung für Vereine und Verbände

Vereine haben dasselbe Risiko wie auch Privatpersonen: Sie haften für alle Schäden, die während ihrer Vereinsaktivitäten einem Dritten zugefügt werden. Geschädigte können Regressansprüche an den Verein herantragen. "Ob diese berechtigt sind oder nicht, stellt sich meistens später heraus", sagt Rene Hissler, Vorstand des Bundesverbands deutscher Vereine & Verbände (bdvv). Daher zählt eine Haftpflichtversicherung zu den wichtigsten Vereinsversicherungen.


Allein, dass eine Versicherung die gestellten Ansprüche prüft, bringt aus seiner Sicht den verantwortlichen Vereinsmitgliedern Sicherheit. "Bei berechtigten Ansprüchen zahlt die Versicherung, bei unberechtigten nicht", so Hissler.


Schadenbeispiel für die Vereinshaftpflichtversicherung:

Bei einer Veranstaltung des Vereins mit einem Essen erleidet ein Besucher eine Lebensmittelvergiftung, weil Hygienevorschriften nicht hinreichend beachtet wurden. Der Besucher bekommt von der Vereinshaftpflicht die Arzt- und Krankenhauskosten bezahlt und ein Schmerzensgeld bewilligt.


Die Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung

Vereins- und Verbandsvorstände haften für Fehler, die sie selbst während ihrer Vereinsarbeit machen. Im Zweifel müssen sie dafür auch ihr privates Vermögen aufwenden. Eine Vermögensschadenhaftpflicht schütze Vereins- und Verbandsvorstände davor, dass sie bei einem Fehler mit dem Vereinsvermögen haften, erklärt Hissler.


Schadenbeispiel für die Vermögensschadenhaftpflicht:

Ein Vereinsvorstand hat in der Steuererklärung Spendengelder falsch deklariert oder Urheberrechte verletzt, als er unerlaubt ein Foto für die Vereinszeitung nutzte. Die Vermögensschadenhaftpflicht übernimmt diese Schäden.



Die gesetzliche Unfallversicherung

"Sehr wichtig ist eine Unfallversicherung für die Ehrenamtlichen und den Vorstand", sagt Hissler. Die Anmeldung des Vorstands bei den Berufsgenossenschaften ist nur bei der Verwaltungsberufsgenossenschaft Pflicht, um den gesetzlichen Versicherungsschutz zu erhalten.


Die gesetzliche Unfallversicherung deckt alle Arbeits- und Wegeunfälle ab. Damit sind etwa auch Mitglieder und Helfer gesetzlich unfallversichert, die bei einer Veranstaltung des Vereins bestimmte Aufgaben wahrnehmen. Hier ist keine Anmeldung nötig.


Das Schadenbeispiel:

Ein Mitglied im Karnevalsverein wird als Platzanweiser während einer närrischen Sitzung eingesetzt und zieht sich bei einem Sturz Verletzungen zu. Über die gesetzliche Unfallversicherung erhält das Mitglied nun Leistungen. Die Verantwortlichen sind zugleich von der Haftung freigestellt. Die Berufsgenossenschaft übernimmt die Kosten für die ärztliche Heilbehandlung und Rehabilitation.


"Zusätzlich zahlt die Unfallversicherung beispielsweise bei Arbeitsunfähigkeit ein Verletztengeld, bei bleibenden schweren Verletzungen auch eine Unfallrente", erklärt Mathias Zunk. Er ist Verbraucherexperte beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.



Die private Unfallversicherung

Für einen umfassenden Risikoschutz im Fall eines Unfalls sollten Ehrenamtliche und Vorstandsmitglieder entweder alternativ oder ergänzend eine private Unfallversicherung haben. "Eine solche Police haben die Bundesländer als eine Gruppenunfallversicherung für hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter abgeschlossen", so Zunk.


Mitglieder eines Vereins sollten sich auch selbst mit einer privaten Unfallversicherung absichern. Damit sind sie nicht nur im Rahmen von Vereinsaktivitäten geschützt, sondern weltweit rund um die Uhr. Kernleistung dieser Versicherung sind Leistungen bei Invalidität, also einer dauerhaften körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung des Versicherten. "Ob und in welchem Umfang der Versicherte dabei auch berufs- oder erwerbsunfähig ist, spielt - anders als in der gesetzlichen Unfallversicherung - keine Rolle", erklärt Zunk. Die Leistung dieser Versicherung wird schon vom kleinsten messbaren Invaliditätsgrad erbracht.


Die Rechtsschutzversicherung

"Das ist empfehlenswert, wenn der Verein sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter beschäftigt», sagt Hissler. Denn diese Versicherung umfasst unter anderem den Arbeitsrechtsschutz. Daneben greift sie etwa auch bei Rechtsstreitigkeiten, wenn es darum geht, Schadenersatzansprüche geltend zu machen. "Der Verkehrsbereich ist bei einer Rechtsschutzversicherung für Vereine nicht automatisch abgesichert", stellt Zunk klar.


Quelle: dpa