19.04.2017
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Mari­huana-Ver­si­che­rung - Eine Bran­che blüht auf

In einigen US-Bundesstaaten kann Marihuana mittlerweile legal erworben werden. Das treibt auch auf dem Versicherungsmarkt ganz kuriose Blüten.

Am Anfang steht das medizinische Marihuana. Bereits Mitte der 90er-Jahre hat Kalifornien den Konsum von Cannabis für chronisch Kranke erlaubt. Heute können Patienten in 28 US-Bundesstaaten die Droge auf Rezept bekommen. Auch Hobby-Kiffer, die Marihuana explizit nicht aus medizinischen Gründen nutzen, haben in den USA mehr gesetzlichen Freiraum. Mittlerweile ist der Cannabis-Konsum zum Freizeitgebrauch in acht US-Bundesstaaten legal: Alaska, Colorado, Oregon, Washington, Washington D.C., Kalifornien, Nevada, Massachusetts.


Die Legalisierung hat eine völlig neue Branche entstehen lassen. 2015 hat die Marihuana-Industrie in den USA rund sieben Milliarden Dollar umgesetzt. Branchenkenner rechnen bis 2020 mit einem Umsatz von über 22 Milliarden US-Dollar. Keine Frage: Eine solche Wertschöpfung braucht auch den entsprechenden Versicherungsschutz.


So versichern sich Marihuana-Hersteller

Versicherungen für Marihuana-Produzenten wirken auf den ersten Blick wie Policen, die auch andere Firmen standardmäßig abschließen. Bei genauerem Hinsehen werden in den USA aber bereits Versicherungsprodukte angeboten, die ganz spezifisch auf die konkreten Risiken von Marihuana-Herstellern zugeschnitten sind - drei Beispiele:


  1. Produkthaftpflichtversicherung
    Trägt beispielsweise ein Kunde schwerere gesundheitliche Schäden davon, die direkt auf das Cannabis-Produkt zurückzuführen sind, leistet die Produkthaftpflichtversicherung des Herstellers etwa für die Arzt- und Anwaltskosten oder den Verdienstausfall.
  2. Betriebs-Haftpflichtversicherung
    Sie schützt die Marihuana-Hersteller vor Forderungen Dritter, die durch Fahrlässigkeit, Straftaten oder Zerstörung fremden Eigentums etwa durch Feuer auf sie zukommen können. Die Deckungssummen können bis zu zwei Millionen Dollar betragen.
  3. Gebäude- und Firmeninhaltsversicherung
    Diese Police schützt die Marihuana-Hersteller gegen Schäden an ihren Gewächshäusern, Anbaugeräten und beinahe allem, was auf ihrem Betriebsgelände steht - Fahrzeuge ausgenommen. Einer der häufigsten Schäden in dieser Sparte: der Diebstahl von Marihuana-Produkten.


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Und wie sieht es in Deutschland aus?

Auch in Deutschland kommt der Markt für medizinisches Marihuana in Bewegung. Schwer kranke Patienten sollen künftig einen einfacheren Zugang zu Marihuana-Produkten bekommen - bezahlt von den Krankenkassen. Ein entsprechendes Gesetz ist im März 2017 in Kraft getreten.


Eine neue staatliche Cannabisagentur wird den Anbau und die legale Abgabe von Marihuana steuern und kontrollieren. Derzeit sucht die Agentur europaweit nach Unternehmen, die das medizinische Marihuana produzieren können. Erste eigene Ernten werden für 2019 erwartet.