10.05.2016
Haus & Garten

Fünf Irr­tü­mer zum Ver­si­che­rungs­schutz bei Hoch­was­ser

Hochwasser? Nicht bei mir! So schätzen viele das Risiko ein, dass die eigenen vier Wände einmal unter Wasser stehen könnten. Selbst die großen Fluten 2002 und 2013 haben daran wenig geändert. Folgende Irrtümer führen dabei regelmäßig zu einem Gefühl trügerischer Sicherheit.

1. Irrtum: Mein Haus ist nicht gefährdet.

Viele Menschen gehen davon aus, dass lediglich die Hausbesitzer mit direktem Blick auf Elbe, Donau oder Rhein potentiell von einem Hochwasser betroffen sein können. Fakt ist: Bei der Flut 2013 entstanden 85 Prozent der versicherten Schäden abseits der großen Flüsse – also eben genau nicht an den Häusern mit Flusspanorama. In Gebieten, die statistisch betrachtet nur alle 200 Jahre von einem Hochwasser heimgesucht werden, entstanden mehr als die Hälfte aller Schäden. Die Gleichung „fern vom Fluss = keine Gefahr” geht also nicht auf. Dennoch können sich laut einer Forsa-Umfrage 90 Prozent der Deutschen nicht vorstellen, selbst Opfer eines Hochwassers zu werden. Der Irrtum, dass Überschwemmungen immer nur die anderen betreffen, hält sich hartnäckig.

Wie gefährdet ein Gebäude tatsächlich ist, können Hausbesitzer mit dem Hochwasserpass ermitteln. Das individuelle Gefährdungsrisiko wird mit Hilfe unterschiedlicher Faktoren bestimmt. Dazu zählen zum Beispiel der Standort des Gebäudes, die bauliche Vorsorge, aber auch die Prüfung vor Ort durch einen Experten. Eine erste Selbstauskunft zu ihrem Überschwemmungsrisiko erhalten Hausbesitzer auf der Seite hochwasser-pass.com .

2. Irrtum: Ich bin gegen Hochwasser versichert.

Eine Wohngebäudeversicherung deckt viele Gefahren ab, darunter fallen etwa Brände, Blitzeinschläge, Sturm-, Hagel- und Leitungswasserschäden. Was in den meisten Wohngebäudeversicherungen jedoch häufig nicht abdeckt ist, sind Schäden durch Hochwasser oder Überschwemmung. Dafür leistet die Wohngebäudeversicherung nur dann, wenn darin auch die Elementarschadenversicherung vereinbart wurde. In Deutschland sind etwa 40 Prozent aller Wohngebäude gegen Hochwasser versichert – eine relativ niedrige Quote. Zum Vergleich: Über die Wohngebäudeversicherung haben rund 90 Prozent aller Gebäude finanziellen Schutz vor Sturm- und Hagelschäden.

Wer heute eine Wohngebäudeversicherung abschließt, bekommt in der Regel gleich einen Elementarschutz automatisch mit angeboten. Der Kunde hat dann die Möglichkeit, diesen abzuwählen („Opt-Out”). Bei bestehenden Verträgen sollten Hausbesitzer ihre individuellen Verträge auf den Elementarschutz hin prüfen und sich im Zweifelsfall an ihren Versicherer wenden.

3. Irrtum: Für mein Haus ist kein Versicherungsschutz möglich.

Eine weit verbreitete Meinung, die so gut wie immer falsch ist: Manche Häuser ließen sich nicht oder nur sehr schwer gegen Hochwasser versichern. Fast drei Viertel der Deutschen vertreten laut einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2014 diese Ansicht. Fakt ist: Es gibt kaum Häuser, bei denen kein Versicherungsschutz möglich oder wirtschaftlich sinnvoll ist. 99 Prozent der Gebäude in Deutschland können problemlos gegen Hochwasser versichert werden.

Selbst Häuser, die in der Vergangenheit keinen Versicherungsschutz bekamen, können heute durch eine verbesserte Risikoanalyse, mehr Hochwasserschutz oder auch bauliche Präventionsmaßnahmen versichert werden.


4. Irrtum: Wenn das Wasser kommt, bin ich sowieso machtlos.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie Hausbesitzer der Naturgefahr trotzen können. Hier gilt die Devise: Ausweichen, Abwehren oder Nachgeben.

  1. Dem Wasser ausweichen, etwa indem das Haus auf Pfähle gebaut oder erst gar nicht in einem Überschwemmungsgebiet errichtet wird.

  2. Das Wasser durch bauliche Maßnahmen abwehren, zum Beispiel durch wasserdichte Fenster, Türen und Wände sowie durch eine Rückstausicherung.

  3. Dem Wasser nachgeben, wenn der Druck auf das Haus zu groß wird. In diesem äußerst seltenen Fall müsste der Keller geflutet werden.

Wie Hausbesitzer darüber hinaus ihre eigenen vier Wände vor dem Wasser schützen können, zeigt das Video des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe:

Weitere Empfehlungen zu mobilen Hochwasserschutzsystemen haben die VdS-Schadenverhüter in einer PDF-Broschüre zusammengestellt.

5. Irrtum: Im Ernstfall wird mir der Staat garantiert helfen.

In Sachen Hochwasserrisiko verlassen sich die Deutschen gerne auf Vater Staat. Die Vergangenheit gibt ihnen mit dieser Einschätzung auch scheinbar recht: Bei den letzten beiden großen Hochwassern, 2002 und 2013, hat der Staat zahlreiche Schäden beglichen. In beiden Jahren stand eine Bundestagwahl unmittelbar bevor. 2014 sind zwei Drittel der Bundesbürger davon ausgegangen, dass der Staat mit finanzieller Hilfe einspringt und Schäden ersetzt, sollte wieder ein schweres Hochwasser kommen.

Von der Vergangenheit auf die Zukunft zu schließen, ist jedoch fahrlässig – aus zwei Gründen. Erstens: Zahlreiche Landesregierungen knüpfen die Bewilligung staatlicher Gelder daran, ob sich die Betroffenen um Versicherungsschutz bemüht haben. Sie müssen nachweisen, dass sie tatsächlich keinen Elementarschutz für ihr Gebäude bekommen konnten. Erst dann hilft der Staat.

Zweitens: Frühere staatliche Hilfen waren freiwillig. Sie begründen keinen rechtlichen Anspruch der Bürger auf Hilfen in der Zukunft. Nur die Elementarschadenversicherung ist im Ernstfall verpflichtet, gegenüber dem versicherten Bürger bei einem Hochwasser zu leisten – der Staat hingegen nicht. Die Betroffenen ohne Versicherungsschutz bleiben in diesem Fall selbst auf den Kosten sitzen.