05.10.2016
Haus & Garten

So ver­mei­den Sie eine Unter­ver­si­che­rung Ihrer Woh­nung

Um einen Schaden komplett ersetzt zu bekommen, ist eine angemessene Versicherungssumme die Grundvoraussetzung. GDV-Versicherungsexperte Mathias Zunk erklärt, wie Versicherte die richtige Summe ermitteln können und eine Unterversicherung vermeiden.

Herr Zunk, „Unterversicherung“ – was ist das genau?
Mathias Zunk: Versicherungsunternehmen wollen den genauen Wert einer versicherten Sache kennen, um die richtige Versicherungssumme zu vereinbaren. Ist die Versicherungssumme kleiner als der Wert, spricht man von einer Unterversicherung. Im Schadenfall zahlt der Versicherer Ihnen die vereinbarte Leistung daher nur anteilig aus. Ein Beispiel: Wenn die Versicherungssumme 30 Prozent unter dem Wert der zu versichernden Sache liegt, zahlt der Versicherer 30 Prozent weniger aus.


Bei welchen Versicherungen spielt das eine Rolle?
Zunk: Grundsätzlich sollten Sie bei allen Versicherungen darauf achten, dass Sie das, was Sie im Schadenfall entschädigt bekommen möchten, auch voll versichern. Besonders wichtig jedoch ist das in der Hausrat – und Wohngebäudeversicherung. Wer ein paar Euro Beitrag durch eine zu geringe Wertermittlung sparen will, kann das im Schadenfall bitter bereuen.


Warum wird denn vom Versicherer nicht wenigstens die zu gering gewählte Versicherungssumme voll ausgezahlt? Anteilige Kürzungen sind doch unfair, schließlich zahle ich auch entsprechende Versicherungsbeiträge?
Zunk: Unfair ist das nicht. Sehen Sie: Der Beitrag richtet sich ja nach der Versicherungssumme. Wenn die zu gering ist, ist auch der Beitrag, der Jahr für Jahr gezahlt wird, zu gering. Sie können nicht erwarten, im Teilschadenfall voll entschädigt zu werden. Schließlich ist die Sache ja nicht voll versichert.


Welche Möglichkeiten gibt es denn, eine Unterversicherung zu vermeiden?
Zunk: Ihr Versicherer kann Ihnen eine Unterversicherungsverzichtsklausel anbieten. Diese sorgt dafür, dass der Versicherer im Schadensfall bis zur vereinbarten Höhe des Unterversicherungsverzichts auf eine Prüfung verzichtet. Darüber hinaus können Sie eine Dynamik im Vertrag vereinbaren, da sich die Wiederbeschaffungskosten z. B. von Hausratgegenständen stetig erhöhen. In der Wohngebäudeversicherung gibt es einen ähnlichen Mechanismus, der in den Verträgen üblicherweise schon verankert ist, die sogenannte Gleitende Neuwertversicherung.


Wie kann ich denn bei der Hausratversicherung überhaupt die richtige Versicherungssumme bestimmen?
Zunk: Es gibt zwei unterschiedliche Modelle, nach denen Sie den Wert des Hausrates berechnen können. Nach dem sogenannten Quadratmetermodell muss nicht der Wert jedes Einrichtungsgegenstandes addiert werden, sondern die Versicherungssumme wird pro Quadratmeter kalkuliert. Dazu wird ein bestimmter Pauschalbetrag angesetzt. Dieser  kann von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich sein. In der Regel liegt er zwischen 650 und 750 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Anders ist es beim Versicherungssummenmodell: Hier werden alle Hausratgegenstände aufgezählt und bewertet um die exakte Summe zu ermitteln. Das ist aber sehr aufwändig.


Und bei der Wohngebäudeversicherung?
Zunk: Auch dort gibt es zwei Varianten: Das Summenmodell und das Wohnflächenmodell. Bei beiden Modellen wird der Beitrag automatisch an die Kostenentwicklungen beim Bau von Wohnhäusern angepasst, um ein langsames Abgleiten in die Unterversicherung zu vermeiden.


Angenommen, ich lege mir während des Vertrages teure Möbel zu. Kann ich dann die Versicherungssumme meiner Hausratversicherung noch heraufsetzen?
Zunk: Ja, das ist über die sogenannte Vorsorgeversicherung möglich. Eines sollten Sie  dabei aber beachten: Sie müssen Ihren Versicherer innerhalb einer bestimmten Frist nach der Anschaffung informieren.


Kann es auch zu einer Überversicherung kommen?
Zunk: Ja, zum Beispiel dann wenn die Versicherungssumme den Wert der versicherten Sachen erheblich übersteigt. Sie zahlen dann höhere Beiträge als eigentlich nötig. Überversicherung kann aber auch durch den Abschluss von derselben Versicherung bei mehreren Gesellschaften zustande kommen. Im Schadensfall bringt Ihnen das nichts.  Sie bekommen den Schaden nur einmal bezahlt. Außerdem zahlen Sie zu viel Beitrag, den Sie nicht zurückbekommen.