29.06.2016
Haus & Garten

Wenn man­gelnde Sorg­falt zum Pro­blem wird

Eine gekippte Terrassentür, die dem Einbrecher den Einstieg erleichtert, oder eine glühende Zigarette, die aus dem Aschenbecher fällt und einen Wohnungsbrand verursacht: Manchmal sind es nur kleine Unachtsamkeiten, die zu großen Schäden führen können. Ganz besonders hart trifft es die Betroffenen dann, wenn die Versicherung den Schaden wegen mangelnder Sorgfalt nicht in vollem Umfang erstattet.

Herr Zunk, mit einer Hausratversicherung lässt sich das gesamte Inventar gegen Einbruch, Raub, Vandalismus, Brand, Blitzschlag, Explosion, Sturm und Hagelschäden versichern. Gibt es trotzdem Situationen, in denen die Versicherung die Erstattung des Schadens verweigern kann?
Mathias Zunk: Ja, wenn ich durch mein unvorsichtiges Verhalten dazu beitrage, dass ein Schaden entsteht. Dann kann der Versicherer unter Umständen die Erstattung komplett verweigern oder anteilig kürzen. Damit es dazu kommt, muss ich aber vorsätzlich oder zumindest grob fahrlässig gehandelt haben.


Grob fahrlässig – was heißt das genau? Können Sie ein Beispiel nennen?
Zunk: Die Definition ist gar nicht so einfach. Grundsätzlich sollte man sich in Sachen Umsicht vom gesunden Menschenverstand leiten lassen. Wenn ich also ganz naheliegende Überlegungen außer Acht lasse, verhalte ich mich unter Umständen grob fahrlässig. Bestes Alltagsbeispiel dafür ist, beim Verlassen der Wohnung Türen oder Fenster offen zu lassen. Dann mache ich es Einbrechern besonders leicht, bei mir einzusteigen.


Verhalte ich mich denn schon grob fahrlässig, wenn ich mal kurz zum Einkaufen rausgehe, dabei die Wohnung lüften will und das Küchenfenster auf Kippe stelle?
Zunk: Das würde ich leichtfertig nennen. Ob das schon als grob fahrlässig zu bewerten ist, hängt von den konkreten Umständen des Einzelfalles ab. Grob fahrlässig handeln würden Sie wohl, wenn Sie über ein verlängertes Wochenende nicht zu Hause sind und das Fenster geöffnet bleibt.



Ich habe beim Runterbringen des Mülls immer Angst davor, dass mir die Wohnungstür zufällt und von innen der Schlüssel steckt. Würde in einem solchen Fall denn eine Versicherung die Kosten des Schlüsseldienstes übernehmen?
Zunk: Diese Schusseligkeit lässt sich versichern, und zwar mit einem Haus- und Wohnungsschutzbrief. Wenn Sie den abgeschlossen haben, benachrichtigt und bezahlt der Versicherer einen Schlüsseldienst. Der Vorteil für Sie: An unseriöse und überteuerte Schlüsseldienste können Sie nicht mehr geraten.


Noch eine letzte Frage: Angeblich muss ich mich bei einer sogenannten Gefahrenerhöhung bei meinem Versicherer melden. Was bedeutet das denn? Schließlich ist doch noch gar nichts passiert.
Zunk: Richtig, aber das Risiko, dass etwas passiert, ist aufgrund bestimmter Umstände gestiegen und muss daher dem Versicherer gemeldet werden. Klassisches Beispiel dafür in der Hausratversicherung ist das Baugerüst vor dem Haus. Über solche „Einstiegshilfen“ freuen sich Einbrecher. Hier sollten Sie den Versicherer informieren, da man sonst im Fall der Fälle ohne Versicherungsschutz dasteht. In der Kraftfahrtversicherung kann übrigens die Nutzung eines Fahrzeuges mit abgefahrenen Reifen eine Gefahrenerhöhung darstellen. Kommt es deshalb zu einem Unfall, kann der Versicherer die Erstattung verweigern. Hier hilft dann nur die rechtzeitige Umrüstung auf Reifen mit mehr Profil.