03.03.2020
Altersvorsorge & Rente

Garan­tie­zins: Das müs­sen Lebens­ver­si­che­rungs­kun­den wis­sen

Was ist der Garantiezins und wie wirkt sich seine Änderung auf meinen Versicherungsvertrag aus? Auf dieser Seite bekommen Lebensversicherungskunden die wichtigsten Fragen beantwortet.

Was ist der Garantiezins?

Der Garantiezins ist ein Teil der Gesamtverzinsung klassischer, kapitalbildender Renten- und Lebensversicherungen. Er steht zu Vertragsbeginn fest und gilt für die gesamte Laufzeit der Lebens- oder Rentenversicherung. Das bedeutet, dass der Anbieter dem Kunden Jahr für Jahr mindestens diesen Wert gutschreibt. Wichtig zu wissen: Die Mindestverzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil. Das ist der Teil des monatlichen Beitrags, der nach Abzug der Kosten für Vertrieb, Verwaltung und – im Fall von Lebensversicherungen – für den Todesfall- und Hinterbliebenenschutz übrig bleibt.


Haben alle Lebens- und Rentenversicherungen einen Garantiezins?

Nein. Eine wachsende Rolle im Neugeschäft spielen  Renten- und Lebensversicherungen mit modifizierten Garantien – auch neue Klassik genannt. Bei diesen Produkten wird nur ein Teil des Vertragskapitals garantiert verzinst. Den anderen Teil können Versicherer so in chancenreichere Anlageklassen investieren, den Kunden wiederum winken dadurch höhere Renditen. Rund 60 Prozent der neu abgeschlossenen Lebens- und Rentenversicherungen entfallen bereits auf Produkte mit modifizierten Garantien. Der Garantiezins ist ein typisches Merkmal klassischer Renten- und Lebensversicherungen. Daneben gibt es noch fondsgebundene Versicherungen, bei denen die Ablaufleistung zum Ende des Vertrages viel stärker vom Börsenverlauf abhängt – beziehungsweise dem zugrunde liegenden Anlageprodukt, etwa einem Fonds. 


Eine Mindestverzinsung fehlt auch bei der Risikolebensversicherung. Der Grund ist einfach: Diese Produkte dienen lediglich der Absicherung der Hinterbliebenen, ein ergänzender Vermögensaufbau zur Altersvorsorge findet nicht statt. Dafür sind die Beiträge deutlich niedriger als bei einer kapitalbildenden Lebensversicherung.



Was ist der Unterschied zwischen Garantiezins und Höchstrechnungszins?

Die Anbieter von klassischen Renten- oder Lebensversicherungen können den Garantiezins nicht nach Belieben selbst bestimmen. Seine Höhe wird indirekt durch den sogenannten Höchstrechnungszins begrenzt. Dieser wird vom Bundesfinanzministerium festlegt – auf Empfehlung der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Sie geben jährlich unabhängig voneinander eine Einschätzung ab, wie hoch der Zins maximal sein sollte, und berücksichtigen dabei die Situation am Kapitalmarkt, insbesondere die Renditen für festverzinsliche Wertpapiere guter Bonität. In der Vergangenheit haben die Versicherer die gesetzliche Obergrenze für ihre Verträge in der Regel übernommen – auch wenn sie ihren Kunden durchaus auch weniger versprechen hätten können. Daher werden Höchstrechnungszins und Garantiezins oft synonym verwendet.


Wie hat sich der Garantiezins entwickelt?

Der garantierte Zinssatz ist in den letzten Jahren stetig gesunken. Versprachen die deutschen Versicherer in den 1990er-Jahren teilweise noch vier Prozent, so bekommt ein Kunde bei Abschluss einer klassischen Lebensversicherung oder Rentenversicherung aktuell maximal noch 0,9 Prozent gewährleistet. Diese Entwicklung ist wesentlich auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zurückzuführen. Mit der Absenkung des Leitzinses sind auch die Renditen festverzinslicher Wertpapiere wie Staats- oder Unternehmensanleihen stark gefallen, die den größten Anteil im Anlageportfolio der Lebensversicherer und Rentenversicherer ausmachen.


Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung des Garantiezinses in den letzten Jahren anhand von Daten der Ratingagentur Assekurata:


JahrGarantiezinsDurchschnittliche laufende Verzinsung
20112.25 %4.08 %
20121.75 %3.91 %
20131.75 %3.61 %
20141.75 %3.40 %
20151.25 %3.16 %
20161.25 %2.86 %
20170.9 %2.61 %
20180.9 %2.47 %
20190.9 %2.46 %
20200.9 %2.29 %


Welche Folgen hat eine Absenkung des Höchtsrechnungszinses?

Bestehende Verträge sind von einer Absenkung des Höchstrechnungszinses durch das Bundesfinanzministerium unberührt. Die zum Abschluss der Versicherung versprochene Mindestverzinsung gilt für die gesamte Vertragslaufzeit. Wer zum Beispiel 2011 eine klassische Lebensversicherung abgeschlossen hat, erhält den damals vereinbarten Zins von 2,25 Prozent auch heute noch auf seinen Sparanteil gutgeschrieben. Lediglich neue Verträge sind von der Absenkung betroffen.


Ist der Garantiezins gleichbedeutend mit der Gesamtverzinsung einer Lebensversicherung?

Nein. Die gesamte Rendite einer Lebens- bzw. Rentenversicherung setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen: neben dem garantierten Zinssatz gibt es noch laufende Überschüsse und den Schlussüberschuss. Solche Überschüsse entstehen zum Beispiel,


  • wenn die Versicherer mit ihren Kapitalanlagen höhere Erträge erwirtschaften als für den Garantiezins notwendig sind (Zinsüberschuss),
  • wenn eine Versicherungsgesellschaft sparsam wirtschaftet und geringere Verwaltungskosten anfallen als ursprünglich kalkuliert (Kostenüberschuss)
  • oder wenn sich die Sterblichkeit aus Sicht des Versichertenkollektivs günstiger entwickelt als bei Vertragsabschluss statistisch ermittelt (Risikoüberschuss).


Garantiezins und laufender Überschuss ergeben die laufende Verzinsung einer klassischen Lebens- oder Rentenversicherung. Dazu kann noch ein Schlussüberschuss kommen: Die Auszahlung gibt es, wenn der Versicherungsvertrag regulär beendet oder der Rentenbeginn erreicht wird. Daraus lässt sich dann die Gesamtverzinsung des Produkts errechnen.


Anders als der garantierte Zinssatz ist die Höhe der Überschüsse zu Vertragsbeginn jedoch nicht sicher. Die deutschen Lebensversicherer sind aber gesetzlich verpflichtet, die Beiträge ihrer Kunden vorsichtig zu kalkulieren, so dass Überschüsse in aller Regel zu erwarten sind.


Wie werden Kunden an den Überschüssen genau beteiligt?

Die Überschussbeteiligung wird jedes Jahr von der Versicherung festgelegt und dem Versicherten im folgenden Geschäftsjahr gutgeschrieben. Die Versicherung muss den Anteil des Versicherten jedoch nicht sofort zuteilen, sondern kann einen Teil zum Aufbau von Sicherheitspuffern und Ausgleichsmechanismen nutzen. Versicherungsnehmer werden dann zu einem späteren Zeitpunkt über den Schlussüberschuss beteiligt. Wie die Überschussbeteiligung bei einem Unternehmen aussieht, ist im Übrigen gesetzlich vorgeschrieben und wird von der Finanzaufsicht BaFin kontrolliert.


Wichtig: Wenn der vertraglich festgelegte Garantiezins höher ist als die aktuell laufende Verzinsung, erhält der Versicherte mindestens den garantierten Zinssatz. Kunden, bei denen er niedriger ist, erhalten die höhere laufende Verzinsung gutgeschrieben.