27.03.2018
Altersvorsorge & Rente

So ver­steu­ern Sie die Erträge einer Lebens­ver­si­che­rung rich­tig

Versicherungskunden sollten Auszahlungen ihrer Lebensversicherung oder Rentenversicherung mit ausgeübtem Kapitalwahlrecht bei der Steuer anmelden. Das gilt für alle Verträge, die ab 2005 abgeschlossen wurden. Denn wer die wichtigsten Steuertipps kennt, bekommt zu viel gezahlte Steuern zurück.

Die Besteuerungsregeln für Kapitallebensversicherungen und Rentenversicherungen mit ausgeübtem Kapitalwahlrecht haben sich in den vergangenen Jahren wiederholt verändert und sind nicht leicht zu durchschauen. Grundsätzlich gilt, dass Kapitalerträge aus ab 2005 abgeschlossenen Lebensversicherungen, die in nach Ablauf der Versicherungslaufzeit ausgezahlten Versicherungssummen enthalten sind,  immer versteuert werden müssen. 


Der Kapitalertrag ermittelt sich als Unterschiedsbetrag zwischen ausgezahlter Versicherungsleistung und der Summe der entrichteten Beiträge. Unter bestimmten Voraussetzungen ist allerdings nur die Hälfte des Kapitalertrags steuerpflichtig. Dies ist  frühestens im Jahr 2017 erstmals dann der Fall, wenn der Vertrag mit einer Laufzeit von mindestens zwölf Jahren abgeschlossen wurde und das Kapital erst nach Vollendung des 60. Lebensjahrs ausgezahlt wird (für ab 2012 abgeschlossene Verträge ist die Vollendung des 62. Lebensjahres maßgeblich).


Unternehmen führt Steuer automatisch ab

Bei der Kapitalauszahlung der Lebensversicherung wird vom Kapitalertrag die Einkommensteuer vom Versicherungsunternehmen zunächst automatisch als Kapitalertragsteuer in Höhe von 25 Prozent, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls  Kirchensteuer an das Finanzamt abgeführt. Denn wenn eine Lebensversicherung ausgezahlt wird, muss das Lebensversicherungsunternehmen die Steuer zunächst stets auf Basis des vollen Kapitalertrags berechnen – auch dann, wenn der Versicherte im Rahmen  seiner Steuererklärung nur die Hälfte des Ertrags mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern  muss. Unterliegt dagegen der volle Ertrag der Besteuerung, zum Beispiel weil die Mindestlaufzeit von zwölf Jahren nicht eingehalten wurde, hat die einbehaltene Kapitalertragsteuer in Höhe von 25 Prozent abgeltende Wirkung (Abgeltungsteuer) – auch wenn der persönliche Steuersatz des Versicherten niedriger ist.


Steuernachzahlung ist ausgeschlossen

Das Lebensversicherungsunternehmen stellt dem Kunden eine Bescheinigung über die abgeführte Steuer aus. Aus der Bescheinigung geht auch hervor, ob die Erträge voll oder zur Hälfte zu besteuern sind. Um sich eventuell zu viel gezahlte Steuern erstatten zu lassen, müssen Versicherte in den Fällen des vollen Unterschiedsbetrages die „Anlage KAP“ der Steuererklärung ausfüllen und zusammen mit der Steuerbescheinigung des Versicherers und sämtlichen weiteren Kapitalerträgen beim Finanzamt einreichen.


Das  Finanzamt rechnet dann im Rahmen der so genannten Günstigerprüfung auf Antrag aus, wie viel Steuern der Versicherte auf Grundlage seines persönlichen Steuersatzes tatsächlich zahlen muss und ob ihm eine Erstattung zusteht. Übrigens muss niemand fürchten, dass das Finanzamt einen „Nachschlag“ verlangt. Denn die Günstigerprüfung darf im Ergebnis nie zu einer Verschlechterung für den Steuerzahler führen.  Unterliegt der halbe Unterschiedsbetrag der Besteuerung, ist der (volle) Unterschiedsbetrag stets in der Steuererklärung im Rahmen der „Anlage KAP“ anzugeben, ohne die anderen Kapitalerträge, die der Abgeltungsteuer unterlegen haben.