19.03.2020
Altersvorsorge & Rente

Moderne Ren­ten­ver­si­che­run­gen: So funk­tio­nie­ren die neuen Alters­vor­sorge-Pro­dukte

Hier erfahren Sparer, was moderne Rentenversicherungen ausmacht und was sie von klassischen Rentenversicherungen unterscheidet.

Historisch niedrige Zinsen erschweren die private Altersvorsorge. Verbraucher, die auch heute noch gar kein Risiko bei der Geldanlage eingehen wollen, werden spürbar weniger Erträge verbuchen können als in früheren Jahrzehnten - und damit weniger Rente zur Verfügung haben. Wer jetzt seine Altersvorsorge plant, muss das berücksichtigen, um später ausreichend vorgesorgt zu haben.


Was moderne Rentenversicherungen gemeinsam haben

Viele Lebensversicherer haben auf das Niedrigzinsumfeld reagiert und eine neue Generation von Produkten entwickelt, die für die langfristige Altersvorsorge sinnvoll sind. Je nach Anbieter können diese modernen Rentenversicherungen im Detail sehr unterschiedlich ausfallen. Folgende drei Merkmale haben jedoch alle  gemeinsam:


1. Mehr Rendite: Die Renditechancen sind bei modernen Rentenversicherungen höher als bei der klassischen Lebens- bzw. Rentenversicherung.


2. Weniger Garantien: Die zu Vertragsbeginn garantierte Verzinsung ist niedriger als bei der klassischen Rentenversicherung.


3. Garantierte Rente: Im Ruhestand zahlt der Versicherer eine garantierte, lebenslange Rente (wie bereits bei der klassischen Rentenversicherung).


Und: Im Unterschied zu reinen fondsgebundenen Policen können sich Kunden bei den neueren Rentenversicherungen immer auf eine Mindestgarantie verlassen. Das bedeutet: Ein vorab definierter Teil der eingezahlten Beiträge muss zu Beginn der Rente mindestens zur Verfügung stehen.


Richtungsentscheidung: Mehr Rendite oder mehr Sicherheit?

Was Sparer grundsätzlich wissen sollten: Je niedriger die garantierte Leistung ist, desto chancenreicher, aber auch riskanter kann die Versicherung die Beiträge ihrer Kunden anlegen. Heutige Kunden, die sich für eine Rentenversicherung moderner Bauart entscheiden, müssen eine Richtungsentscheidung treffen:


  • Soll das Geld sicherer angelegt werden und dafür auf Rendite verzichtet werden?
  • Oder umgekehrt: Ist eine Vorsorge mit weniger Sicherheit, aber dafür höheren Renditen bevorzugt?


Keine einfache Frage, zumal es bei der Altersvorsorge langfristig immer um eine Menge Geld geht. Wie bei allen Formen der Vorsorge gilt auch hier: Eine professionelle Beratung ist in den allermeisten Fällen äußerst sinnvoll.


Wie funktionieren die modernen Rentenversicherungen?

Verbraucher zahlen ihre Beiträge ein, um sich eine auskömmliche Altersvorsorge aufzubauen. Am Ende erhalten sie vom Versicherer so lange sie leben eine monatliche Rente. Was passiert jedoch zwischen Ein- und Auszahlung? Die Chancen am Kapitalmarkt auf der einen und die Sicherheit der eingezahlten Beiträge auf der anderen Seite werden in modernen Rentenversicherungen sehr genau austariert. Verbraucher haben dabei die Wahl:


1. Die sicherheitsorientierte Variante: Vollständig garantierter Beitragserhalt

Wer nur ein geringes Risiko bei seiner Altersvorsorge eingehen will, kann auf Produkte mit vollständig garantiertem Beitragserhalt setzen: Zu Beginn der Rente ist mindestens so viel in der Versicherung angespart, wie der Kunde in den Vertrag eingezahlt hat. Die Renditechance ergibt sich hier daraus, dass der Kunde auf einen garantierten Vermögenszuwachs verzichtet. Erwirtschaftet der Lebensversicherer höhere Erträge, als er dem Kunden zugesichert hat, kann er diese in risikoreichere Kapitalanlagen investieren.


2. Die renditeorientierte Variante: Beschränkter Beitragserhalt

Wer dazu bereit ist, für mehr Renditechancen auch ein höheres Risiko einzugehen, kann sich für Rentenversicherungen mit einem teilweise garantierten Beitragserhalt entscheiden. Der Vorteil hier: Bei diesen Produkten haben Versicherer einen größeren Spielraum für risiko- und chancenreichere Anlagen, beispielsweise am Aktienmarkt. Gleichzeitig haben Kunden die Garantie, dass sie selbst bei einem Börsencrash mit Totalverlust nur einen Teil ihres angesparten Kapitals verlieren.


Weit verbreitet sind neuere Rentenversicherungen, die einen Teil des Vermögens im so genannten Sicherungsvermögen anlegen. Dieser Teil kann mit einem Garantiezins von aktuell bis zu 0,9 Prozent pro Jahr verzinst werden, hinzukommen gegebenenfalls vom Versicherer erwirtschaftete Überschüsse. Der verbleibende Teil fließt in eine risikoreichere Anlage, beispielsweise einen Aktienfonds. Der Lebensversicherer kalkuliert so, dass die gesamten Anlagen auf jeden Fall ausreichen, um die vom Kunden gewünschte Beitragsgarantie zu erwirtschaften.


3. Sonderfall Indexpolice

Eine andere Variante der modernen Rentenversicherung ist die Indexpolice. Auch hier sind verschiedene Produktvarianten verfügbar. Bei einer Indexpolice fließt der Beitrag des Kunden zunächst wie bei einer klassischen Lebensversicherung vollständig in das Sicherungsvermögen. Erwirtschaftet der Lebensversicherer mit der Kapitalanlage eine Verzinsung, die über der garantierten Verzinsung liegt, entsteht ein Überschuss. Der Kunde muss nun entscheiden, ob dieser Überschuss seinem Vertrag gutgeschrieben und weiter verzinst wird, oder ob er den Überschuss am Kapitalmarkt investieren will.


Entscheidet sich der Kunde für die Investition am Kapitalmarkt, kauft der Lebensversicherer für den Kunden eine Indexbeteiligung, die er gleichzeitig durch ein Optionsgeschäft gegen Kursverluste absichert. Durch diese Konstruktion ist gewährleistet, dass der Kunde von einer positiven Indexentwicklung profitiert, von möglichen Verlusten aber nicht betroffen ist.