07.02.2019
Altersvorsorge & Rente

Alters­vor­sorge: So funk­tio­niert die Über­schuss­be­tei­li­gung

Wer mit einer Renten- oder Lebensversicherung vorsorgt, profitiert von der Überschussbeteiligung. Wie Versicherer die Überschüsse erzielen und wie Verbraucher daran beteiligt werden – die 7 wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

1. Wie entstehen Überschüsse bei den Lebensversicherern?

Die meisten Lebens- oder Rentenversicherungen geben Kunden eine garantierte Verzinsung. Erwirtschaften Versicherer während eines Geschäftsjahres höhere Erträge, als sie für diese Garantien benötigen, entstehen Überschüsse. Diese Überschüsse werden anhand eines gesetzlich geregelten Verfahrens an die Versicherten ausgeschüttet. Dadurch erhöhen sich die Sparguthaben der Verbraucher und langfristig auch die spätere Höhe der Rente.


2. Wovon hängt die Höhe der Überschüsse ab?

Wie hoch der Überschuss einer Lebens- oder Rentenversicherung ausfällt, hängt im Wesentlichen von diesen drei Faktoren ab:


  • Wie hat sich der Kapitalmarktzins entwickelt und wie erfolgreich ist die Kapitalanlagestrategie des Lebensversicherers? (Kapitalanlageergebnis)?
  • Wie viele vorzeitige Versicherungsfälle sind eingetreten? Das bedeutet: Wie viele Versicherte sind vor Ende der vereinbarten Laufzeit verstorben (Risikoergebnis)?
  • Wie sparsam wirtschaftet der jeweilige Versicherer (Kostenergebnis)?


Wie hoch die Überschussbeteiligung genau ausfallen wird, wissen beim Abschluss einer Lebensversicherung weder Kunde noch Versicherer. Für Rentenversicherungen gilt dasselbe.


​​​​​​​3. Woraus setzt sich die Überschussbeteiligung zusammen?

Prinzipiell gibt es zwei Wege, wie Versicherungen ihre Kunden an den Überschüssen von Renten- und Lebensversicherungen beteiligen:


  • Die laufende Überschussbeteiligung
  • Der Schlussüberschuss



4. Was ist die laufende Überschussbeteiligung?

Die laufende Überschussbeteiligung wird jedes Jahr vom Versicherer festgelegt („deklariert“) und dem jeweiligen Vertrag im folgenden Geschäftsjahr gutgeschrieben. Die laufende Überschussbeteiligung findet sich auch in der jährlichen Standmitteilung der Lebens- bzw. Rentenversicherung.


Durch die Deklaration erwerben die Kunden einen unwiderruflichen Anspruch – das Geld ist ihnen somit sicher. Weiterer Vorteil dabei: Die laufenden Überschüsse werden jedes Jahr verzinst; Kunden profitieren dadurch langfristig vom Zinseszinseffekt für ihre Altersvorsorge, ihre Renten fallen dadurch höher aus.


Der Anteil der Versicherungsnehmer am erzielten Überschuss eines Jahres muss aber nicht vollständig ausgeschüttet werden. Der Versicherer kann einen Teil erst einmal zurücklegen und zum Aufbau von Sicherheitspuffern und Ausgleichsmechanismen nutzen.


Vom zurückgelegten Teil profitieren die Versicherten zu einem späteren Zeitpunkt, in Form des Schlussüberschusses. Dieser wird ausgezahlt, wenn der Versicherungsvertrag regulär beendet wird.



5. Was ist der Schlussüberschuss?

Der Schlussüberschuss wird den Versicherten erst bei Rentenbeginn oder am Ende der Versicherung verbindlich zugeteilt. Der Schlussüberschuss wird jährlich neu festgelegt. Er kann daher im Verlauf schwanken. Da der Schlussüberschuss ein variabler Baustein einer Versicherung ist (und keine garantierte Leistung), kann er ganz oder teilweise entfallen.


6. Was gilt für die Überschussbeteiligung bei vorzeitigem Tod?

Stirbt die versicherte Person vor Ablauf des Vertrages (in der sogenannten Ansparphase), erhalten die Hinterbliebenen die für den Todesfall garantierte Versicherungssumme und die bis dahin angesammelten Überschussanteile aus der Lebensversicherung.



7. Welche Regeln müssen Versicherer bei der Überschussbeteiligung einhalten?

Die Berechnung der Überschüsse und die individuelle Verteilung auf die Verträge der Kunden sind im Handelsrecht, Versicherungsvertragsrecht und Versicherungsaufsichtsrecht gesetzlich geregelt. Der Gesetzgeber sieht vor, dass jeder Kunde verursachungsorientiert und angemessen beteiligt werden muss. Verursachungsorientiert heißt, dass die Kunden in dem Maße an den erzielten Überschüssen von der Versicherung beteiligt werden, in dem sie durch Zahlung ihrer Beiträge an der Entstehung dieser Überschüsse mitgewirkt haben.


Zudem hat der Gesetzgeber mit der Mindestzuführungsverordnung klar festgelegt, wie hoch der Anteil am jährlichen Überschuss sein muss, der den Versicherten zusteht. Ist die Überschussbeteiligung in einem Jahr niedriger als der garantierte Zins eines Vertrages, erhält der Kunde in jedem Fall die Garantieverzinsung von seiner Lebensversicherung.