15.04.2019
Altersvorsorge & Rente

So nut­zen Spa­rer den Zin­ses­zins voll aus

Ob bei der Geldanlage oder bei der privaten Altersvorsorge: Wer die folgenden Regeln beachtet, profitiert am stärksten vom Zinseszinseffekt.

Den Zinseszins erklären? Das dürfte für die meisten Menschen ein Leichtes sein. Deutlich schwieriger wird es bei der Frage, welche Kraft der Zinseszins auf das Sparvermögen entwickelt und wie man ihn am besten nutzt.


Fakt ist: Für den Aufbau der eigenen Altersvorsorge ist der Zinseszinseffekt enorm wichtig. Wer sein Potenzial kennt und entsprechend handelt, holt langfristig mehr aus seinem Geld raus.


Um die Wirkungen des Zinseszinses auf die private Altersvorsorge besser zu veranschaulichen, erfinden wir zwei fiktive Personen: Paula Planvoll und Ingo Impulsiv. Paula und Ingo sind in etwa gleich alt, haben in etwa das gleiche Einkommen und den gleichen Lebensstandard, zahlen in etwa gleich viel Miete. Sie unterscheiden sich nur in einem Punkt: Ihrem Umgang mit Geld. Paula geht mit ihrem Kapital strategischer um. Sie vergleicht häufiger und rechnet detaillierter nach. Ingo ist in Finanzfragen unbedarfter, liest nicht das Kleingedruckte und entscheidet gerne aus dem Bauch heraus.


Experten ahnen es natürlich schon: Paula wird am Ende mehr Geld für ihre Altersvorsorge auf der hohen Kante haben. Der Clou dabei: Sie wird sich beim Sparen für die Rente nicht mehr anstrengen müssen. Sie wird den Zinseszinseffekt für sich arbeiten lassen.


Zinseszins-Regel 1: Zeit spart Geld

Langfristig orientierte Sparer müssen weniger eigenes Kapital aufwenden, um ihr Sparziel zu erreichen. Sie kommen entspannter an ihr Ziel und günstiger, denn: Länger sparen schont den eigenen Geldbeutel.


Das Beispiel:

Paula und Ingo wollen jeweils mit 70.000 Euro in Rente gehen. Ihre jährliche Verzinsung liegt bei 3 Prozent, ihre Beiträge bezahlen sie monatlich. Paula spart 30 Jahre dafür, Ingo will es in 20 Jahren schaffen.



Paula
Ingo
Sparziel70.000 €
70.000 €
Zinsen
26.562 €
18.727 €
Eigenbeiträge
43.438 €
51.273 €
Anteil der Eigenbeiträge
62 %
73 %


Paula agiert vorausschauender, dadurch spart sie eigenes Kapital. Die Berechnung zeigt: Weil sie sich mehr Zeit lässt, muss sie rund 7800 Euro weniger eigenes Geld anlegen als Ingo – dem Zinseszins sei Dank.



Zinseszins-Regel 2: Das dicke Ende kommt zum Schluss

Egal ob als Riester-Rente, Rürup oder einer anderen privaten Rentenversicherung: Private Vorsorge ist meist ein Sparvorgang, der Jahrzehnte umfasst. Umso wichtiger ist deshalb folgender Fakt: Der allergrößte Teil der Zinsgewinne fällt in der letzten Phase der Altersvorsorge an. Wer am längsten durchhält, sahnt am meisten ab.


Das Beispiel:

Paula und Ingo sparen monatlich 100 € über 30 Jahre lang (Zinssatz: 3 Prozent). Nach 20 Jahren, beide haben inzwischen über 32.000 Euro angespart, findet Ingo, dass es jetzt genug sei. Er löst seinen Vertrag auf und lässt sich seine Altersvorsorge vorzeitig auszahlen. Paula hingegen zieht ihren Vertrag bis zum Ende durch.


Was Ingo bei seiner Entscheidung wohl nicht ahnt: Damit lässt er sich 13.591 Euro durch die Lappen gehen (bei monatlicher Zahlweise: 13.248 Euro). Das sind die Zinsen, die Ingos Vertrag im letzten Drittel abgeworfen hätte. Würde Ingo seinen Vertrag einfach 10 Jahre liegen lassen, ohne weiter einzuzahlen, kämen für ihn immerhin noch 11.422 Euro Zinsertrag hinzu (monatliche Zahlweise: 11.269 Euro).


Zum Vergleich: In den ersten zehn Jahren des Sparvorgangs sind es „nur“ 2.169 Euro an Zinsgewinnen. Im letzten Drittel sind diese Gewinne mehr als sechs Mal so hoch.


Generell legen Zinsgewinne vor allem kurz vor dem Ruhestand stark zu. So verteilen sich die Zinsen über den gesamten Sparvorgang:


  • In den ersten 10 Jahren: etwa 10 Prozent vom gesamten Zinsertrag
  • In den mittleren 10 Jahren: etwa 30 Prozent vom gesamten Zinsertrag
  • In den letzten 10 Jahren: etwa 60 Prozent vom gesamten Zinsertrag



Zinseszins-Regel 3: Der frühe Vogel fängt den Wurm

Wer früh mit der Vorsorge beginnt, hat später mehr davon – klingt nach einer Binse, muss an dieser Stelle trotzdem ausdrücklich erwähnt werden. Der Grund: Vielen Sparern ist nicht bewusst, wie sich ein späterer Beginn der privaten Altersvorsorge konkret finanziell auswirkt. Klar ist: Wer weniger einzahlt, erhält am Ende auch eine geringere Rente. Ein späterer Beginn der Altersvorsorge bedeutet aber auch: erheblich kleinere Gewinne durch Zinsen.


Das Beispiel:

Paula und Ingo möchten mit 67 in Rente gehen, beide sparen dafür 100 Euro monatlich. Jährlich gibt es 3 Prozent Zinsen auf ihre Altersvorsorge. Der Unterschied: Paula beginnt mit 25 Jahren zu sparen, Ingo mit 30.

Tipp für die private Vorsorge: Der Zinsertrag erhöht sich mit der Zeit nicht linear, sondern exponentiell. Deshalb zahlt es sich so stark aus, bei der Altersvorsorge am Ball zu bleiben.



PaulaIngo
Gesamtes Vermögen
100.020 €
80.694 €
Eingezahlte Beiträge
50.400 €
44.400 €
Gesamter Zinsertrag
49.620 €
36.294 €


Paula hat am Ende 19.326 Euro mehr Kapital, entsprechend höher wird ihre Rente ausfallen. Natürlich ist Paulas Rente allein schon deshalb höher, weil sie fünf Jahre länger eingezahlt hat. Auf den zweiten Blick fällt bei dieser Berechnung auf, dass Paulas Zinserträge um gut ein Drittel höher sind als bei Ingo. Heißt im Endeffekt: Paula streicht durch den früheren Beginn ihrer Altersvorsorge wesentlich mehr Zinsen ein. Somit braucht sie weniger eigenes Geld, um ihr Sparziel zu erreichen.



Niedrigzinsphase: Kleiner Zinssatz, kleiner Effekt - und umgekehrt

Der Zinseszins ist die effektivste Unterstützung für alle, die Geld für die Zukunft angelegt haben. Wer sich die beschriebenen Mechanismen für seine Altersvorsorge zu Nutze macht, schöpft das maximale Potenzial seines Kapitals aus - ohne sich finanziell mehr anstrengen zu müssen. Diese Regeln für die Geldanlage gelten übrigens unverändert auch in der Niedrigzinsphase, nur eben in kleinerer Skalierung. Sobald die Zinsen wieder steigen, bekommen Altersvorsorge-Sparer insbesondere bei bereits angespartem Kapital den Zinseszinseffekt wieder deutlicher zu spüren – mittelfristig durch höhere Zinserträge, langfristig durch höhere Renten.