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Die Reform der geförderten privaten Altersvorsorge ab 2027 markiert eine Zäsur. Mit ihr wird die Kapitalgarantie bei Neuabschlüssen nur noch eine Option. Bislang ist sie bei allen Riester-Produkten vorgeschrieben, was sich vor allem in der Niedrigzinsphase als Hemmschuh für die Rendite entpuppte. Denn sie zwang die Anbieter dazu, einen immer größeren Anteil der Kundengelder in sichere, aber niedrig verzinste Anleihen zu investieren, um sicherstellen zu können, dass zu Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge und Zulagen zur Verfügung stehen. 

Altersvorsorgedepot heißt die neue Produktgattung, die völlig ohne Garantien auskommt. Die Anbieter können das Geld der Vorsorgesparer beispielsweise stärker in Aktien anlegen, um potenziell höhere Renditen zu erzielen. Die Freiheit in der Kapitalanlage hat allerdings eine Kehrseite: Mit den neuen Produkten sind auch Verluste möglich. Über einen langen Anlagezeitraum von 40 Jahren fallen zwischenzeitliche Wertschwankungen zwar kaum ins Gewicht, da sich die Aktienmärkte oft wieder erholen. Bei kürzeren Zeiträumen ist das Verlustrisiko aber nicht unerheblich.  

Dessen sollten sich vor allem diejenigen bewusst sein, die einen Riester-Vertrag haben und über einen Wechsel zum Altersvorsorgedepot nachdenken. Und denen angesichts einer kurzen verbleibenden Spardauer nicht viel Zeit bleibt, zwischenzeitliche Verluste auszusitzen. Bislang müssen sie keine Verluste befürchten. Und mehr noch: Viele Riester-Rentenversicherungen garantieren eine Mindestverzinsung, die ein Altersvorsorgedepot auch erst einmal erreichen muss, damit sich ein Wechsel lohnt. Und das ist nicht immer der Fall, wie Berechnungen von Die Versicherer zeigen. 

Drei Optionen für Riester-Sparer

Wer bereits einen Riester-Vertrag besitzt, hat mit der Reform der geförderten privaten Altersvorsorge ab 2027 drei Optionen. Sie oder er kann:  

  • Den bisherigen Vertrag mit der bisherigen Förderung fortführen (Bestandsschutz). 

  • Den bisherigen Vertrag mit der neuen Förderung fortführen (Förderwechsel). 

  • Zu einem neuen Vertrag in ein Altersvorsorgedepot ohne Garantie oder ein Garantieprodukt mit 80 % Garantie wechseln (Förder- und Produktwechsel). 

 Ein Wechsel in das neue Fördersystem (siehe unteren Kasten) – mit oder ohne gleichzeitigem Produktwechsel – sollte gut überlegt sein. Ein Wechsel ist unwiderruflich und gilt für alle Riesterverträge des Sparers. 

Als Referenz für den Vergleich dienen zwei Riester-Rentenversicherungen, eine mit einer garantierten Verzinsung von 3,25 Prozent, eine weitere mit 2,75 Prozent. Als Alternative stehen zwei unterschiedliche Altersvorsorgedepots zur Verfügung. Das eine weist eine offensive Anlagestrategie mit einer Aktienquote von 100 Prozent bis zum Laufzeitende auf. Das andere enthält einen sogenannten Life-Cycle-Mechanismus. Das bedeutet: Fünf Jahre vor Ende der Ansparphase wird das Vermögen schrittweise von risikoreichen in sichere Kapitalanlagen umgeschichtet. Die Renditen und Verlustwahrscheinlichkeiten wurden mithilfe eine Monte-Carlo-Simulation berechnet, die auf 10.000 unterschiedlichen Kapitalmarktszenarien beruht. Produktkosten blieben im Vergleich unberücksichtigt.  

 

Beide Altersvorsorgedepots erzielen in der Simulation über alle Laufzeiten hinweg eine Rendite, die durchschnittlich höher ist als bei den Riester-Produkten. Das verdeutlicht die Chancen einer von der Beitragsgarantie befreiten Kapitalanlage. Nur: Das sind Durchschnittswerte. Denn zugleich besteht eine Wahrscheinlichkeit von bis zu einem Viertel, dass das Altersvorsorgedepot Verluste erzielt. Und noch höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Altersvorsorgedepot nicht an die Rendite des Riester-Produkts heranreicht. Bei nur fünf Jahren verbleibender Spardauer sind es rund 37 Prozent. 

Die Vergleichsrechnung zeigt auch gut den Einfluss, den die Spardauer und das Ablaufmanagement haben. Je kürzer der Anlagezeitraum, desto größer ist das Verlustrisiko beziehungsweise die Wahrscheinlichkeit, dass die Rendite des Altersvorsorgedepots nicht an das Riester-Produkt heranreicht. So liegt die Verlustwahrscheinlichkeit eines Altersvorsorgedepots ohne Live-Cycle-Mechanismus über fünf Jahre bei 25 Prozent, über 15 Jahre sind es nur 12 Prozent. Bei langen Anlagezeiträume fallen zwischenzeitliche Wertverluste eben nicht so ins Gewicht, da sich die Märkte oft erholen. Auch der Life-Cycle-Mechanismus wirkt sich risikomindernd aus. Mit ihm beträgt beispielsweise die Verlustwahrscheinlichkeit eines Altersvorsorgedepot auf Sicht von zehn Jahren knapp 11 Prozent, ohne ihn sind es 16 Prozent. 

Zwei Fördersysteme zur Auswahl

Riester-Kunden, die ihren Vertrag unverändert fortführen wollen, können ab 2027 zwischen zwei Fördersystemen wählen: dem aktuellen und dem neuen. Bislang bemisst sich die Riester-Förderung am Einkommen. Wer die volle staatliche Zulage erhalten will, muss vier Prozent seines Bruttovorjahreseinkommens in den Vertrag einzahlen – maximal 2.100 Euro pro Jahr einschließlich der Zulagen (2.160 Euro bei Paaren mit mittelbarer Riesterförderung). Die Grundzulage beträgt 175 Euro pro Person, für jedes nach dem 31.12.2007 geborene Kind gibt es 300 Euro (185 Euro für ältere Kinder).  

 Alternativ können Riester-Sparer zur neuen beitragsbezogenen Förderung wechseln, die auch bei Abschluss eines Altersvorsorgedepots zum Tragen kommt. Einzahlungen bis 360 Euro fördert der Staat dabei mit 50 Cent pro Euro, darüber hinaus bis zu einer Grenze von 1.800 Euro mit 25 Cent je Euro. Die maximale Grundzulage beträgt somit 540 Euro. Auch die Kinderzulage wird ab 2027 proportional zur Höhe der Eigenbeiträge gewährt. Pro Euro, den man selbst aufbringt, legt der Staat einen Euro pro Kind drauf, maximal gibt es 300 Euro je Kind unabhängig vom Geburtsjahr. 

 Wer auch künftig das aktuelle Fördersystem nutzen möchte, kann dies nicht im Altersvorsorgedepot, sondern nur mit seinem bestehenden Vertrag, der vor Ende 2026 abgeschlossen wurde. 

Fazit: Das Altersvorsorgedepot bietet tendenziell höhere Renditen als Riester-Produkte. Damit verbunden ist allerdings die Gefahr von Verlusten, die umso größer ist, je kürzer die Spardauer und je risikoreicher die Anlagestrategie ist. Altersvorsorgende sollten die Strategien der verschiedenen Produkte genau überprüfen – und sich im Zweifel gut beraten lassen. Wer nicht bereit ist, Verlustrisiken einzugehen, sollte bei seinem Riester-Produkt bleiben.