Die Reform der geförderten privaten Altersvorsorge ab 2027 markiert eine Zäsur. Mit ihr wird die Kapitalgarantie bei Neuabschlüssen nur noch eine Option. Bislang ist sie bei allen Riester-Produkten vorgeschrieben, was sich vor allem in der Niedrigzinsphase als Hemmschuh für die Rendite entpuppte. Denn sie zwang die Anbieter dazu, einen immer größeren Anteil der Kundengelder in sichere, aber niedrig verzinste Anleihen zu investieren, um sicherstellen zu können, dass zu Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge und Zulagen zur Verfügung stehen.
Altersvorsorgedepot heißt die neue Produktgattung, die völlig ohne Garantien auskommt. Die Anbieter können das Geld der Vorsorgesparer beispielsweise stärker in Aktien anlegen, um potenziell höhere Renditen zu erzielen. Die Freiheit in der Kapitalanlage hat allerdings eine Kehrseite: Mit den neuen Produkten sind auch Verluste möglich. Über einen langen Anlagezeitraum von 40 Jahren fallen zwischenzeitliche Wertschwankungen zwar kaum ins Gewicht, da sich die Aktienmärkte oft wieder erholen. Bei kürzeren Zeiträumen ist das Verlustrisiko aber nicht unerheblich.
Dessen sollten sich vor allem diejenigen bewusst sein, die einen Riester-Vertrag haben und über einen Wechsel zum Altersvorsorgedepot nachdenken. Und denen angesichts einer kurzen verbleibenden Spardauer nicht viel Zeit bleibt, zwischenzeitliche Verluste auszusitzen. Bislang müssen sie keine Verluste befürchten. Und mehr noch: Viele Riester-Rentenversicherungen garantieren eine Mindestverzinsung, die ein Altersvorsorgedepot auch erst einmal erreichen muss, damit sich ein Wechsel lohnt. Und das ist nicht immer der Fall, wie Berechnungen von Die Versicherer zeigen.
Als Referenz für den Vergleich dienen zwei Riester-Rentenversicherungen, eine mit einer garantierten Verzinsung von 3,25 Prozent, eine weitere mit 2,75 Prozent. Als Alternative stehen zwei unterschiedliche Altersvorsorgedepots zur Verfügung. Das eine weist eine offensive Anlagestrategie mit einer Aktienquote von 100 Prozent bis zum Laufzeitende auf. Das andere enthält einen sogenannten Life-Cycle-Mechanismus. Das bedeutet: Fünf Jahre vor Ende der Ansparphase wird das Vermögen schrittweise von risikoreichen in sichere Kapitalanlagen umgeschichtet. Die Renditen und Verlustwahrscheinlichkeiten wurden mithilfe eine Monte-Carlo-Simulation berechnet, die auf 10.000 unterschiedlichen Kapitalmarktszenarien beruht. Produktkosten blieben im Vergleich unberücksichtigt.
Beide Altersvorsorgedepots erzielen in der Simulation über alle Laufzeiten hinweg eine Rendite, die durchschnittlich höher ist als bei den Riester-Produkten. Das verdeutlicht die Chancen einer von der Beitragsgarantie befreiten Kapitalanlage. Nur: Das sind Durchschnittswerte. Denn zugleich besteht eine Wahrscheinlichkeit von bis zu einem Viertel, dass das Altersvorsorgedepot Verluste erzielt. Und noch höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Altersvorsorgedepot nicht an die Rendite des Riester-Produkts heranreicht. Bei nur fünf Jahren verbleibender Spardauer sind es rund 37 Prozent.
Die Vergleichsrechnung zeigt auch gut den Einfluss, den die Spardauer und das Ablaufmanagement haben. Je kürzer der Anlagezeitraum, desto größer ist das Verlustrisiko beziehungsweise die Wahrscheinlichkeit, dass die Rendite des Altersvorsorgedepots nicht an das Riester-Produkt heranreicht. So liegt die Verlustwahrscheinlichkeit eines Altersvorsorgedepots ohne Live-Cycle-Mechanismus über fünf Jahre bei 25 Prozent, über 15 Jahre sind es nur 12 Prozent. Bei langen Anlagezeiträume fallen zwischenzeitliche Wertverluste eben nicht so ins Gewicht, da sich die Märkte oft erholen. Auch der Life-Cycle-Mechanismus wirkt sich risikomindernd aus. Mit ihm beträgt beispielsweise die Verlustwahrscheinlichkeit eines Altersvorsorgedepot auf Sicht von zehn Jahren knapp 11 Prozent, ohne ihn sind es 16 Prozent.
Fazit: Das Altersvorsorgedepot bietet tendenziell höhere Renditen als Riester-Produkte. Damit verbunden ist allerdings die Gefahr von Verlusten, die umso größer ist, je kürzer die Spardauer und je risikoreicher die Anlagestrategie ist. Altersvorsorgende sollten die Strategien der verschiedenen Produkte genau überprüfen – und sich im Zweifel gut beraten lassen. Wer nicht bereit ist, Verlustrisiken einzugehen, sollte bei seinem Riester-Produkt bleiben.