Alles, was man über die finanzielle Vorsorge wissen sollte

Altersvorsorge
06.11.2023

Vorsorge ist besser als Nachsorge. Diese Weisheit haben schon viele von den Eltern oder Großeltern mit auf den eigenen Lebensweg bekommen. Denn wer erst im fortgeschrittenen Alter mit seiner finanziellen Vorsorge beginnt, ist meist deutlich zu spät dran. Und bekommt die finanziellen Auswirkungen im Ruhestand unmittelbar zu spüren, wenn die gesetzliche Rente nicht ausreicht.

Dabei gibt es kaum ein sensibleres und komplexeres Thema als die eigene finanzielle Absicherung – die oft auch noch eigene Kinder und Angehörige betrifft. Trotzdem wird die Auseinandersetzung mit der finanziellen Vorsorge häufig auf die sprichwörtliche lange Bank geschoben.

Damit man innerhalb des wohlverdienten Ruhestands nicht unangenehm überrascht wird, sollte man sich frühzeitig mit der finanziellen Vorsorge befassen.

Ab wann sollte man mit der finanziellen Vorsorge anfangen?

Den exakten Zeitpunkt, ab dem man unbedingt beginnen sollte, gibt es nicht. Wichtig ist, dass frühzeitig angefangen wird. Denn der Beginn der finanziellen Vorsorge in jungen Jahren bietet entscheidende Vorteile. Zunächst einmal profitiert man vom Zinseszinseffekt: Geld, das frühzeitig investiert wird, hat mehr Zeit, um zu wachsen.

GDV-Initiative Lebenslang gut leben

Die Altersvorsorge-Initiative des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) soll junge Menschen für die Bedeutung zusätzlicher Altersvorsorge sensibilisieren. Denn schon früh gilt es, den Grundstein für ein gutes Leben im Alter zu legen. Das Motto: Lebenslang gut leben - mit der richtigen Altersvorsorge geht's! 

Zudem zeigt eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Sinus, die vom GDV in Auftrag gegeben wurde, dass die Generation Z teils finanzaffiner ist als die ältere Generation. Aber auch unter den 20- bis 29-Jährigen ist die Sorge weit verbreitet, im Alter finanziell nicht ausreichend abgesichert zu sein. Die Studie befasst sich mit den Einstellungen zur Altersvorsorge der Generation Z sowie der höheren Altersgruppen bis 45 Jahre. Weitere Ergebnisse finden sich hier.

Finanzbildung als Grundstein

Zudem entwickelt man durch den frühen Beginn der finanziellen Vorsorge ein tiefes Verständnis für Geldmanagement und Finanzplanung. Dieses Wissen ist unerlässlich, um langfristige Ziele wie den Kauf einer Immobilie, die Sicherung der Ausbildung der Kinder oder den finanziell abgesicherten Ruhestand zu erreichen.

Sparen und Investieren: Zwei Seiten einer Medaille

Es ist ebenfalls wichtig, sich daran zu erinnern, dass finanzielle Vorsorge nicht nur das Sparen, sondern auch das Investieren umfasst. Während das Sparen Sicherheit bietet, ermöglicht das Investieren das Wachstum des Vermögens. Eine ausgewogene Strategie, die sowohl sichere Sparformen als auch wohlüberlegte Investitionen beinhaltet, ist daher immer empfehlenswert – vor allem langfristig. Dies kann etwa das Abschließen einer Lebensversicherung sein.

Mit kleinen Schritten zur finanziellen Unabhängigkeit

Ein häufiges Missverständnis ist, dass man viel Geld haben muss, um mit der finanziellen Vorsorge zu beginnen. Das ist nicht der Fall. Auch mit kleinen, aber regelmäßigen Beträgen kann man einen großen Unterschied machen. Der Schlüssel liegt in der Konstanz und im langfristigen Ansatz.

Wie viel sollte man monatlich zurücklegen?

Die Frage, wie viel man monatlich für die eigene Zukunft zurücklegen sollte, kann pauschal nicht beantwortet werden. Denn sie hängt von individuellen Faktoren wie Einkommen, Lebensumständen und Zielen ab. Doch es gibt ein paar Leitplanken, die eine Orientierung bieten.

Grundregel: Die 50/30/20-Regel

Ein verbreiteter Ansatz ist die 50/30/20-Regel. Danach sollten 50 % des Einkommens für notwendige Ausgaben wie Miete, Lebensmittel und Versicherungen verwendet werden, 30 % für persönliche Wünsche und Freizeitaktivitäten und die restlichen 20 % für das Sparen und die Schuldentilgung.

Diese Regel ist jedoch flexibel und sollte an die persönliche Situation angepasst werden. Wer zum Beispiel höhere monatliche Ausgaben hat, kann den Sparanteil entsprechend anpassen. Wichtig ist, dass ein regelmäßiges Sparen stattfindet, auch wenn es anfangs nur ein kleiner Betrag ist.

Langfristige Ziele definieren

Entscheidend ist auch, die langfristigen finanziellen Ziele zu definieren. Sollen in absehbarer Zeit größere Anschaffungen wie ein Auto oder eine Immobilie finanziert werden? Oder geht es primär um den Aufbau einer Altersvorsorge? Je nach Zielsetzung können die Sparbeiträge variieren.

Bevor man in langfristige Sparpläne investiert, sollte ein Notfallfonds aufgebaut werden. Experten empfehlen, drei bis sechs Monatsgehälter als Rücklage für unvorhergesehene Ausgaben zu haben. Dieser Puffer bietet Sicherheit und vermeidet, dass für Notfälle auf langfristige Sparziele zurückgegriffen werden muss.

Was passiert bei Berufsunfähigkeit mit der finanziellen Vorsorge?

Die Frage ist von zentraler Bedeutung, denn Berufsunfähigkeit kann jeden treffen und hat oft unerwartete und gravierende Auswirkungen auf die finanzielle Situation. Daher ist es entscheidend, frühzeitig Vorsorgemaßnahmen zu treffen.

Berufsunfähigkeit bedeutet nicht nur den Verlust des regelmäßigen Einkommens, sondern kann auch zusätzliche Kosten, etwa für medizinische Behandlungen, nach sich ziehen. Dies beeinträchtigt finanzielle Planungen naturgemäß stark, insbesondere wenn keine ausreichenden Rücklagen oder Versicherungen bestehen.

Rolle der Berufsunfähigkeitsversicherung

Eine wichtige Säule der Absicherung ist die Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie dient dazu, den Lebensunterhalt zu sichern, wenn man aufgrund von Krankheit oder Unfall dauerhaft nicht mehr arbeiten kann. Die Höhe der Versicherung sollte so gewählt werden, dass sie den aktuellen Lebensstandard weitestgehend sichert.

Zwar gibt es auch staatliche Leistungen wie die Erwerbsminderungsrente, jedoch reichen diese oft nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard zu halten.

Welche Vorsorge sollte man treffen, wenn man Kinder bekommt?

Nahezu jeder Elternteil würde unterschreiben, dass Kinder das eigene Leben verändern – nicht nur emotional, sondern auch auf finanzieller Ebene. Eine umfassende Planung ist unerlässlich, um die Vermögenssicherheit der Familie zu gewährleisten und den Kindern einen soliden Start ins Leben zu ermöglichen.

Finanzielle Planung anpassen

Mit der Ankunft eines Kindes steigen die Lebenshaltungskosten. Es ist daher wichtig, das Haushaltsbudget zu überarbeiten und zusätzliche Ausgaben wie Kinderbetreuung, Bildung und Freizeitaktivitäten zu berücksichtigen. Ein überarbeiteter Spar- und Ausgabenplan hilft dabei, Engpässe zu vermeiden.

Eine der wichtigsten Maßnahmen für werdende Eltern ist der Abschluss oder die Anpassung von Versicherungen. Dazu gehören Lebensversicherungen, die im Todesfall der Eltern finanzielle Unterstützung bieten und Berufsunfähigkeitsversicherungen, um bei Arbeitsunfähigkeit das Einkommen zu sichern.

Vorsorge für das Kind

Die genannten Punkte beziehen sich vor allem auf die finanzielle Absicherung der Elternseite. Es ist aber mindestens ebenso wichtig, auch für die Zukunft des Kindes finanziell vorzusorgen und sie auf solide Beine zu stellen.

Es ist immer ratsam, frühzeitig mit dem Aufbau eines Sparplans für das Kind zu beginnen. Dies kann in Form eines Sparbuchs oder eines Junior-Depots geschehen. Solche Sparformen helfen, langfristig Kapital für die Ausbildung oder den Start ins Erwachsenenleben zu bilden.

Testament und Vormundschaft

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die rechtliche Vorsorge. Eltern sollten ein Testament verfassen und darin festlegen, wer im Falle ihres Todes die Vormundschaft für das Kind übernimmt. Diese Vorkehrungen sind entscheidend, um die Zukunft des Kindes auch in unvorhergesehenen Situationen zu sichern.

Welche Versicherungen und Förderungen gibt es?

Grundlegende Versicherungen

  • Haftpflichtversicherung: Diese Versicherung ist fast unerlässlich, da sie vor den finanziellen Folgen von Schäden schützt, die man anderen zufügt.
  • Berufsunfähigkeitsversicherung: Sie bietet finanzielle Unterstützung, falls man aufgrund von Krankheit oder Unfall nicht mehr arbeiten kann.
  • Krankenversicherung: Ob gesetzlich oder privat – sie bietet eine grundlegende Absicherung für medizinische Behandlungen.
  • Lebensversicherung: Besonders wichtig als Ergänzung zur gesetzlichen Rentenversicherung.

Zusätzliche Versicherungsoptionen

  • Unfallversicherung: Bietet Schutz vor Unfallfolgen, die zu Invalidität oder Tod führen können.
  • Hausratversicherung: Schützt das Eigentum im Haushalt vor Schäden oder Verlust durch Feuer, Diebstahl und andere Risiken.
  • Rechtsschutzversicherung: Bietet Unterstützung bei rechtlichen Auseinandersetzungen im privaten und beruflichen Umfeld.

Staatliche Förderungen

  • Riester-Rente: Eine staatlich geförderte Altersvorsorge, bei der Beiträge vom Staat durch Zulagen und Steuervorteile unterstützt werden.
  • Rürup-Rente: Auch Basisrente genannt. Sie ist speziell für Selbständige und Freiberufler konzipiert, steht aber auch Angestellten offen. Die Rürup-Rente bietet steuerliche Vorteile, insbesondere in der Ansparphase.

Regionale und spezielle Förderprogramme

Je nach Wohnort und persönlicher Situation können weitere spezielle Förderprogramme in Anspruch genommen werden. Dazu gehören Bildungsförderungen, Zuschüsse für energetische Sanierungen oder spezielle Förderungen für Selbständige und Unternehmer.

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