02.11.2018
Auto & Reise

Kfz-Ver­si­che­rung wech­seln - sinn­voll oder nicht?

Wann können Autofahrer ihre Versicherung wechseln? Und unter welchen Bedingungen lohnt es sich zu wechseln? Wir klären die wichtigsten Fragen rund um den Kfz-Versicherungswechsel.

1. Habe ich nach einem Wechsel der Kfz-Versicherung weiterhin die gleichen Leistungen?

Dass die Kfz-Haftpflichtversicherung für den Schaden des Unfallgegners aufkommt – logisch. Dass die Vollkasko die Beule am eigenen Fahrzeug ersetzt – geschenkt. Solche grundlegenden Leistungsbausteine sind in allen Kfz-Versicherungen integriert. In Details unterscheiden sich jedoch viele Policen – und genau darauf kommt es an. Autofahrer sollten sich deshalb vor dem Kfz-Versicherungswechsel vergewissern, ob sie in ihrem neuen Vertrag auch tatsächlich die gleichen Leistungen haben. Diese Anhaltspunkte sollten Autofahrer vor einer Kündigung unbedingt checken:


  • Selbstbeteiligung: Für die Kasko-Versicherungen ihrer Fahrzeugs können Versicherte in aller Regel eine Selbstbeteiligung vereinbaren. Hier gilt eine einfache Faustregel: Je höher die Selbstbeteiligung, desto günstiger wird der Beitrag.
  • Versicherungssumme: Bis zu welcher Höhe leistet die Versicherung im Schadensfall?
  • Verzicht auf Einrede grober Fahrlässigkeit: Leistet die Kfz-Versicherung auch, wenn der Unfall grob fahrlässig entstanden ist, der Fahrer also eine Mitschuld hat?
  • Wildunfälle (in Teil-/Vollkasko): Sind mit der neuen Kfz-Versicherung standardmäßig Unfälle mit Haarwild (Reh, Wildschwein, etc.) versichert oder Zusammenstöße mit allen Tieren?
  • Marder (in Teil-/Vollkasko): Sind in dem neuen Tarif nur direkte Marderschäden oder auch Marderbiss-Folgeschäden versichert?
  • Zusatzleistungen: Enthält die Kfz-Versicherung zusätzliche nützliche Bausteine wie etwa einen Autoschutzbrief (Pannen- und Unfallhilfe, Abschleppdienst, etc.) oder eine Fahrerschutzversicherung?


Tipp: Schauen Sie sich vor dem Kfz-Versicherungswechsel die Leistungsbausteine des neuen Anbieters genau an. Ein günstigerer Kfz-Vertrag, der am Ende weniger Schäden ersetzt, ist nicht immer die bessere Lösung.


2. Wieviel Geld spare ich durch den Wechsel der Autoversicherung?

„Mehrere Hundert Euro“ könnten Autofahrer sparen, wenn sie ihre Autoversicherung wechseln – so das jährliche Werbeversprechen vieler Vergleichsportale. Autofahrer sollten vor einem Wechsel genau vergleichen: Wie viel Geld sparen sie tatsächlich?


In die Berechnung einer Kfz-Versicherungsprämie fließen sehr viele – teils personenabhängige – Faktoren ein: Autotyp und -alter, Wohnsitz, Beruf, Selbstbeteiligung und Schadenfreiheitsrabatt, um nur einige zu nennen. Jede Versicherung kalkuliert ihre Tarife und ihre Beitragshöhen anders. Davon können Versicherungskunden profitieren, in der Regel treffen die hohen, werbewirksamen Sparpotentiale jedoch nur auf bestimmte Zielgruppen zu.


Tipp: Bevor Sie kündigen, vergleichen Sie - neben den Leistungen - auch den tatsächlichen Preisunterschied. Das gilt sowohl für die Kasko- als auch für Kfz-Haftpflichtversicherung. Fragen Sie sich, ob sich ein Wechsel für 5 Euro Ersparnis am Ende wirklich lohnt.



3. Wo finde ich günstige Tarife: Vergleichsportal, Versicherer oder Vermittler?

Online-Vergleichsportale sind für viele Autofahrer die erste Anlaufstelle auf der Suche nach einer neuen Kfz-Versicherung – und auch eine digitale Entscheidungshilfe beim Wechseln. Was dabei nicht allen Wechselwilligen bewusst ist: Vergleichsportale bilden nicht den gesamten Markt ab, sondern lediglich einen Ausschnitt. Es gibt Versicherer, deren Tarife nicht bei Check 24, Verivox und Co. gelistet sind.


Tipp: Gute Angebote finden Autofahrer nicht nur im Internet, sondern auch direkt bei den Kfz-Versicherern oder einem Vermittler bzw. Berater.


4. Wann kann ich die Kfz-Versicherung wechseln?

Für die meisten Autofahrer in Deutschland endet der Kfz-Versicherungsvertrag eines jeden Jahres am 31. Dezember. Er verlängert sich automatisch am 1. Januar, sofern Versicherte nicht kündigen. Aufgrund der einmonatigen Kündigungsfrist endet somit die Wechselsaison für viele am 30. November ("ordentliche Kündigung").


Es gibt allerdings auch unterjährige Verträge, dann endet der Versicherungsschutz an einem anderen Termin im Laufe des Jahres. Diese Verträge haben entsprechend auch einen anderen Wechsel-Stichtag. Ein Beispiel: Tritt der Versicherungsschutz zum 1. Juli eines Jahres in Kraft, kann dieser Autofahrer entsprechend seine bisherige Kfz-Versicherung zum 31. Mai kündigen.


Tipp: Prüfen Sie in Ihrem Kfz-Versicherungsvertrag, wann Ihr Versicherungsjahr endet. So finden Sie auch den richtigen Zeitpunkt für die Kündigung Ihrer Versicherung.



5. Wann ist eine außerordentliche Kündigung möglich (Sonderkündigungsrecht)?

Autofahrer haben in bestimmten Fällen ein Sonderkündigungsrecht, auch "außerordentliche Kündigung" genannt. In den folgenden Konstellationen haben Versicherte das Recht, unabhängig von der Laufzeit zu einer neuen Versicherung zu wechseln:


  • Nach einem Schaden (sei es am eigenen oder an einem fremden Auto)
  • Nach einer Beitragserhöhung
  • Wenn das Fahrzeug verkauft oder zwangsversteigert wird
  • Wenn die Autoversicherung das Schadenfreiheitsrabatt-System ändert
  • Wenn die Versicherung die Bedingungen ändert


Tritt eine dieser Situationen ein, dürfen Versicherte ihren bestehenden Vertrag kündigen und zu einem anderen Versicherer wechseln. Die Kündigungsfrist beträgt hier - wie schon bei der "normalen" Kündigung - einen Monat, bei einer Bedingungsänderung sind es sechs Wochen.


6. Habe ich meine Fahrleistung realistisch eingeschätzt?

Für die Prämienberechnung einer Kfz-Versicherung ist es unter anderem relevant, wie viele Kilometer ein Auto jährlich zurücklegt. Wer seine jährliche Fahrleistung, sei es bewusst oder unbewusst, klein rechnet, bekommt in der Regel auch eine günstigere Prämie bei einer neuen Versicherung angeboten. Gut versichert sind Autofahrer mit dieser Strategie jedoch nicht. Weicht die tatsächliche Kilometerleistung deutlich ab, kann der Versicherer im Schadensfall Leistungen kürzen oder Prämiennachforderungen stellen.


Dasselbe gilt auch für die Anzahl der Fahrer und sowie die gewerbliche Nutzung des Fahrzeugs. Prinzipiell gilt: Passen die Angaben, anhand derer die Prämie für die Kfz-Versicherung berechnet wird, nicht zur tatsächlichen Nutzung des Autos, darf die Autoversicherung im Extremfall Leistungen kürzen.


Tipp: Machen Sie realistische und ehrliche Angaben beim Versicherungswechsel. Nur so erhalten Sie vom Versicherer ein Angebot, das zu Ihrer Situation passt.