23.08.2021
Beruf & Freizeit

Streit mit dem Arbeit­ge­ber – So hilft der Arbeits­rechts­schutz

Manchmal kann der Beruf zum Albtraum werden. Es gibt die unglaublichsten Gründe, wofür Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fristlose Kündigungen bekommen haben. Wer einen Arbeitsrechtsschutz hat, ist für diese Fälle gut vorbereitet. Denn der Arbeitsrechtsschutz – auch als Berufsrechtsschutz bekannt – ist ein Baustein der Rechtsschutzversicherung, der Arbeitnehmer bei Konflikten im Arbeitsrecht mit dem Arbeitgeber unterstützt. Was alles dazu gehört, zeigt diese Übersicht.

Eine Auszubildende muss lachen, weil sie das Alter der Freundin ihres Chefs höher einschätzt und bekommt deswegen eine fristlose Kündigung. Nach 17 Jahren Dienst bekommt eine Altenpflegerin die Kündigung, weil sie sechs Maultaschen mit Nachhause genommen hatte, die sonst im Müll gelandet wären. Dies sind nur zwei von vielen unglaublichen Fällen, in denen Arbeitnehmer die Kündigung erhalten haben.


Viele dieser Konflikte landen vor Gericht. Rechtliche Streitigkeiten sind teure Angelegenheiten. Das gilt besonders für arbeitsrechtliche Streitigkeiten. Denn in der ersten Instanz müssen Sie selbst für die Kosten Ihres Anwalts aufkommen. Unabhängig davon, ob Sie gewinnen oder verlieren.  Damit der Streit mit dem Arbeitgeber nicht zu einem finanziellen Ruin wird, können Sie sich mit dem Arbeitsrechtsschutz gegen finanzielle Belastungen einer arbeitsrechtlichen Streitigkeit außergerichtlich und gerichtlich absichern. 



Die Leistungen des Arbeitsrechtsschutzes auf einen Blick

Der Arbeitsrechtsschutz beziehungsweise der Berufsrechtsschutz ist ein Baustein der privaten Rechtsschutzversicherung. Mit einer privaten Rechtsschutzversicherung haben Sie Versicherungsschutz für Ihre privaten Angelegenheiten (also nicht als Selbständiger oder freiberuflich Tätiger). Mit dem Extrabaustein Arbeitsrechtsschutz weitet sich der Versicherungsschutz auf Ihre berufliche, nichtselbständige Tätigkeit (zum Beispiel als Arbeitnehmer, Beamter oder Richter) aus.


Folgende arbeitsrechtliche Fälle sichert die Arbeitsrechtsschutzversicherung in der Regel ab:

  • Abmahnungen
  • unrechtmäßige Kündigungen
  • Abfindungen
  • Diskriminierung und Mobbing am Arbeitsplatz
  • Vergütung von geleisteten Überstunden
  • Streitigkeiten zum Thema Arbeitspapiere wie Arbeitszeugnisse
  • Streitigkeiten aufgrund von Mutter- und Jugendschutz
  • Ausgebliebene Gehälter sowie Weihnachts- und Urlaubsgeld


Der Arbeitsrechtsschutz enthält in der Regel folgende Kosten bis zur Höhe der vereinbarten Versicherungssumme:

  • die gesetzlichen Anwaltsgebühren 
  • Gerichtskosten
  • Zeugengelder und gerichtliche Sachverständigenhonorare
  • Kosten des Gegners, soweit der Versicherte sie übernehmen muss
  • Kosten für Mediationsverfahren




Erfolgt die Kündigung des Arbeitsverhältnisses hingegen aufgrund einer Straftat, etwa wegen eines Diebstahls von Firmeneigentum, kann der Versicherer den Rechtsschutz verweigern. Denn dann hinge der Rechtsstreit mit einer vorsätzlich begangenen Straftat des Versicherten zusammen. Und Vorsatz führt laut Vertragsbedingungen zu einem Risikoausschluss. Allerdings muss der Versicherer beweisen, für das Vorliegen des Risikoausschlusses beweispflichtig.


Wartezeit

Da der Baustein Arbeitsrechtsschutz beziehungsweise Berufsrechtsschutz der Rechtsschutzversicherung üblicherweise nach einer Wartezeit von drei Monaten nach Vertragsabschluss greift, sollte eine Rechtsschutzversicherung frühzeitig abgeschlossen werden; also bevor Konflikte entstehen. Wenn Sie für die Rechtsschutzversicherung die Versicherung wechseln möchten, kann in der Regel ein Verzicht der Wartezeit vereinbart werden. Dann fällt die dreimonatige Wartezeit für alle Bausteine, die Sie bereits versichert hatten, weg. Es sei denn es gibt eine zeitliche Lücke zwischen den beiden Verträgen. 


Die Deckungssumme

Die Deckungssumme der Arbeitsrechtsschutzversicherung ist die maximale Summe, die der Versicherer für einen Rechtsfall übernimmt. Die Deckungssumme für Rechtsschutzversicherungen variieren von Versicherung zu Versicherung und sind auch abhängig von den gewählten Tarifen.


Ist eine Arbeitsrechtsschutzversicherung sinnvoll für mich?

Konflikte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer kommen häufiger vor als gedacht. Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass die Arbeitsgerichte in Deutschland allein im Jahr 2019 mehr als 320.000 Urteilsverfahren im Arbeitsrecht abgearbeitet haben. Große Konzerne haben gegenüber Arbeitnehmern ohne eine Rechtsschutzversicherung einen großen finanziellen Vorteil. Der Arbeitsrechtsschutz unterstützt Sie dabei, Ihre Rechte einzuklagen, wenn es im Beruf notwendig wird. Besonders wenn Sie in Krisenbranchen arbeiten oder ein schwieriges Verhältnis zu Ihrem Arbeitgeber haben. 


Gut zu wissen: Wenn Sie aus beruflichen Gründen eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen haben, um sich vor einer Kündigung oder Streitigkeiten mit dem Arbeitgeber zu schützen, können Sie den gesamten Betrag als Werbungskosten in der Steuererklärung geltend machen. Wenn Sie eine private Rechtsschutzversicherung besitzen und der Arbeits- oder Berufsrechtsschutz nur ein Extrabaustein des Tarifs ist, können Sie immer noch den Anteil des Beitrags, der auf den Arbeitsrechtsschutz entfällt, steuerlich geltend machen. Wenden Sie sich an Ihre Versicherung, um den Anteil der Arbeitsrechtsschutzversicherung von dem gesamten Betrag, den Sie für Ihren Rechtsschutz bezahlen, zu berechnen.