26.04.2019
Beruf & Freizeit

Sta­tis­tik: Die häu­figs­ten Ursa­chen für Berufs­un­fä­hig­keit

Rücken und Gelenke, psychische Erkrankungen oder doch Unfälle? Diese Statistik zeigt, warum Menschen am häufigsten berufsunfähig werden.

Die Ratingagentur Morgen & Morgen erhebt jedes Jahr, warum Menschen aus gesundheitlichen Gründen ihre Arbeit aufgeben müssen. Die Ergebnisse zeigen: Der dominierende Trend der vergangenen Jahre hat sich noch verstärkt.


Am seltensten sind Herz- und Gefäßerkrankungen die Ursache einer Berufsunfähigkeit (7,03 Prozent). Ähnlich häufig beenden Unfälle das Arbeitsleben (7,77 Prozent). Rund jede sechste Person wird wegen Krebs oder anderer bösartiger Geschwüre berufsunfähig (17,05 Prozent). Bei jeder fünften Person sind Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates (20,89 Prozent) der Grund - in der Statistik von Morgen & Morgen die zweithäufigste Ursache für Berufsunfähigkeit. Bis 2010 war diese Art der Erkrankung noch auf Platz 1, seitdem dominieren psychische Erkrankungen die Statistik.


Häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit: Psychische Krankheiten

Eine psychische Erkrankung ist laut Statistik mit großem Abstand der häufigste Grund, warum Menschen berufsunfähig werden (29,65 Prozent). Heißt: Knapp jede dritte Person, die berufsunfähig wird, leidet etwa unter Depressionen, Burnout oder anderen psychischen Problemen. Vor zehn Jahren machten diese Fälle lediglich rund 20 Prozent aus. Aus diesem Grund ist die Absicherung der Arbeitskraft, etwa durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung, nicht nur für körperlich arbeitende Menschen ein Muss. Konkret: Nicht nur Klempner, sondern auch Controller sollten das Risiko einer Berufsunfähigkeit im Blick haben.


Nichts ist wertvoller als die Arbeitskraft

Was ist Ihr wertvollster Besitz? Das Auto, Ihr Haus oder vielleicht sogar Ihr Boot? Über den Wert dieser Dinge kann ihre Arbeitskraft nur müde lächeln. Für Otto-Normal-Arbeitnehmer gilt: Die Arbeitskraft ist sein größter Schatz. Wer eine Berufsausbildung hat, verdient im Schnitt 1,3 Millionen Euro im Laufe seines Erwerbslebens. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Mit Abitur sind es 1,6 Millionen, mit Uni-Abschluss sogar durchschnittlich 2,3 Millionen Euro im Laufe eines Arbeitslebens.



Wie groß ist mein BU-Risiko?

Das Risiko einer Berufsunfähigkeit dürfte höher sein als die meisten Berufstätigen erwarten. Nach Angaben der deutschen Rentenversicherung und der Deutschen Aktuarvereinigung wird durchschnittlich jeder vierte Arbeitnehmer berufsunfähig. Die Vereinigung der deutschen Versicherungsmathematiker hat berechnet, dass heute 30-jährige Frauen eine Wahrscheinlichkeit von 26 Prozent haben, berufsunfähig zu werden. Bei ihren männlichen Altersgenossen liegt die Wahrscheinlichkeit bei 24 Prozent. Was die Statistik auch zeigt: Berufsunfähigkeit trifft sowohl jüngere als auch ältere Arbeitnehmer. Wer 2016 berufsunfähig wurde, war im Schnitt 44 Jahre alt.


Im Fall einer Berufsunfähigkeit: Reicht die gesetzliche Erwerbsminderungsrente?

Haus und Auto versichert, die Arbeitskraft jedoch nicht? Angesichts des tatsächlichen Wertes wäre das ein fataler Fehler. Zwar gibt es nach wie vor die gesetzliche Erwerbsminderungsrente, die die finanziellen Folgen einer Berufsunfähigkeit abmildert. Aber: Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente sichert häufig nicht den gewohnten Lebensstandard.


Ältere Arbeitnehmer, die vor dem 2. Januar 1961 geboren sind, haben noch Anspruch auf eine vergleichsweise umfassende Erwerbsminderungsrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung, wenn sie in ihrem zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr arbeiten können. Für alle später Geborenen sind die Voraussetzungen ungleich schwieriger. Nur wer weniger als sechs Stunden am Tag irgendeiner Beschäftigung nachgehen kann, erhält überhaupt noch Leistungen. Die volle Rente, in der Regel weniger als ein Drittel des letzten Bruttogehalts, erhält nur, wer weniger als drei Stunden am Tag arbeiten kann. Der mögliche Verlust des beruflichen Status spielt dabei keine Rolle. Insbesondere jüngeren Berufstätigen, die erst geringe Rentenansprüche erworben haben, sichert die staatliche Leistung nicht den Lebensunterhalt.


Zusammengefasst bedeutet das: Praktisch jeder, der von seinem Einkommen abhängig ist, kommt um eine zusätzliche Absicherung nicht herum - sei es als Berufsunfähigkeitsversicherung oder mit anderen Produkten.


Wie kann ich mich gegen Berufsunfähigkeit versichern?

  • Die private Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt einem berufstätigen Versicherten in der Regel eine Rente, wenn er wegen einer Erkrankung oder eines Unfalls zu mindestens 50 Prozent berufsunfähig ist. Die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente lässt sich individuell vereinbaren, idealerweise sollte sie 70 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens betragen. Gut zu wissen für junge Leute: Je jünger und gesünder Versicherte beim Abschluss einer BU-Versicherung sind, desto geringer in der Regel der Beitrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung.
  • Je nach Beruf und individuellem Bedürfnis kommen auch andere Versicherungen in Frage, das Risiko einer Berufsunfähigkeit abzudecken. Dazu zählen etwa dieGrundfähigkeitsversicherung oder die Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Letztere kann etwa für Arbeitnehmer in körperlich anstrengenden Berufen interessant sein kann.
  • Dread-Disease-Versicherungen leisten, wenn eine schwere Krankheit wie etwa Krebs oder Multiple Sklerose die Ursache einer Berufsunfähigkeit ist.
  • Multi-Risk-Versicherungen sorgen für einen Rundumschutz gegen Erkrankungen und Unfälle, indem sie verschiedene Bausteine aus den anderen Versicherungen kombinieren.