Was ein längeres Leben bedeutet
Die Deutschen leben immer länger. Heute geborene Jungen können auf durchschnittlich 90 Jahre hoffen, Mädchen gar auf 93 Jahre. Das sind gut 15 Jahre mehr, als ihren Großeltern vergönnt ist oder war. Ein großer zivilisatorischer Erfolg: Die Menschen bekommen mehr Zeit geschenkt und haben die Chance, ihr Leben flexibler zu gestalten.
Im Bewusstsein der meisten Menschen ist die Entwicklung noch nicht richtig angekommen. Wenn die Deutschen schätzen müssen, wie alt sie werden, liegen sie verlässlich daneben. Um fünf bis sieben Jahre unterschätzen sie ihre statistische Lebenserwartung. Höchste Zeit, ein realistisches Bild von der eigenen Lebenszeit zu entwickeln und davon, was ein längeres Leben bedeutet.
Einerseits mehr Gestaltungsfreiheit, aber auch mehr Verantwortung. Nach dem Job wartet ein Lebensabschnitt von 20, 30 oder noch mehr Jahren, auf die sich jede und jeder gut vorbereiten sollte. Damit es eine sinnstiftende Zeit wird, die man möglichst lange gesund und sozial eingebunden verbringt. Und für die auch finanzielle Vorsorge zu treffen ist, damit das Geld bis zum Lebensende reicht.
Die Vorbereitung für ein gutes Alter ist kein Sprint, sondern ein Marathonlauf. Viele Weichen werden bereits in der Lebensmitte gestellt: Wer seinen Körper nie schont, muss sich nicht wundern, wenn ihn die Schmerzen früh im Alter einholen. Wer keine Kontakte pflegt, kann nicht erwarten, als Rentnerin viele Freunde zu haben. Und wer nicht spart, wird im Alter zwar die Zeit, aber nicht das Geld für ausgedehnte Reisen haben.