07.03.2022
Auto & Reise

Old­ti­mer ver­si­chern: Dar­auf müs­sen Auto-Lieb­ha­ber ach­ten

Welche Vorteile ein H-Kennzeichen bringt, wie Oldtimer-Besitzer von günstigen Beiträgen profitieren und wie klassische Fahrzeuge richtig versichert werden: Hier sind die Antworten.

VW Golf III, Audi 80 (B4) oder ein Mercedes 190 haben eines gemeinsam. Diese Modelle sind jetzt über 30 und damit: Oldtimer. Da momentan viele häufig verkaufte Mittelklassewagen ins Oldtimer-Alter kommen, sprechen Liebhaber automobiler Raritäten bereits von einer Oldtimer-Inflation. Fakt ist: Seit Einführung des Historien-Kennzeichens 1997 hat sich die Zahl der offiziell als Oldtimer registrierten Fahrzeuge von knapp 170.000 auf 660.000 im Jahr 2021 fast vervierfacht. Allein zwischen 2020 und 2021 kamen 66.000 "neue" Oldtimer hinzu. Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht - im Gegenteil. Aktuell können Modelle das historische Kennzeichen bekommen, die Anfang der 1990er-Jahre produziert wurden. Damals wurden besonders langlebige Autos produziert, die hochwertig verarbeitet sind und durch eine Vollverzinkung deutlich weniger rosten als ihre Vorgänger. Die Zahl der Oldtimer auf deutschen Straßen dürfte also auch 2022 wieder kräftig wachsen.

Welche Autos können ein H-Kennzeichen bekommen?

Das H-Kennzeichen gibt es seit 1997. Es wurde eingeführt, um kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut zu schützen. Voraussetzung für ein H-Kennzeichen sind:


  • Das Fahrzeug ist mindestens 30 Jahre alt.
  • Es ist seit der Auslieferung größtenteils unverändert und in originalem Zustand.
  • Es ist gut gepflegt und erhalten.


Welche Vorteile hat ein H-Kennzeichen?

Oldtimer werden steuerlich bevorzugt. Für sie gilt ein einheitlicher Steuer-Tarif von 191,73 Euro pro Jahr - unabhängig von Fahrzeugtyp, Hubraum oder Schadstoffausstoß. Historische Motorräder zahlen 46,02 Euro Steuern jährlich. Autos mit H-Kennzeichen dürfen ohne Katalysator unterwegs sein und können auch ohne Plakette in Umweltzonen fahren.


Wer kann eine Oldtimer-Versicherung abschließen?

Versicherungen weichen hier von der allgemeinen Definition eines Oldtimers ab. Voraussetzung für den Abschluss einer Oldtimer-Versicherung ist bei den meisten Versicherungen, dass der Wagen mindestens 25 Jahre alt ist, teilweise reichen auch 20 Jahre aus. Diese etwas jüngeren Modelle werden auch als Youngtimer bezeichnet. Heißt: Die offizielle Zulassung als Oldtimer – verbunden mit dem Historien-Kennzeichen – ist keine Bedingung für den Abschluss einer Oldtimer-Versicherung.


Youngtimer, die noch keine 30 Jahre alt sind, können ebenfalls von einer Oldtimer-Versicherung profitieren. Eine Oldtimer-Versicherung ist für die Youngtimer dann sinnvoll, wenn der Wert des Youngtimers den Preis für baugleiche, aber abgenutzte Modelle deutlich übersteigt.


Übrigens: Nicht nur Autos können als Oldtimer versichert werden. Auch Wohnmobile, Krafträder oder sogar Nutzfahrzeuge wie Traktoren lassen sich so versichern.


Welche Besonderheiten gibt es bei der Oldtimer-Versicherung?

Entscheidender als das exakte Alter ist für die Oldtimer-Versicherung, dass das Fahrzeug in einem originalgetreuen und guten Zustand ist. Ausnahmen gelten etwa für Sammlerfahrzeuge oder seltene Karossen. Die Fahrzeuge dürfen ausschließlich privat genutzt werden, jedoch nicht als Alltagsauto. Darüber hinaus gelten in der Oldtimer-Versicherung oft weitere Einschränkungen, etwa zum Alter der Fahrer sowie der jährlichen Fahrleistung, die eine vorab definierte Grenze nicht überschreiten sollte.


Welche Versicherung brauchen Oldtimer unbedingt?

Auch für Oldtimer gilt: Ohne Kfz-Haftpflichtversicherung dürfen sie nicht auf die Straße. Die Haftpflichtprämien für die historischen Fahrzeuge sind in der Regel günstiger. Die Versicherungen berechnen die Beiträge dafür meist pauschal – abhängig vom Alter des Fahrzeugs. Dabei gilt: Je älter das Auto, desto niedriger ist der Beitrag. Einige Versicherer unterscheiden darüber hinaus nach der Leistung des Fahrzeugs.


Wie sieht es mit Teil- und Vollkasko-Versicherung aus?

Darum geht es den meisten Oldtimer-Besitzern: dass der eigene Wagen gegen Schäden versichert ist. Dafür brauchen sie einen Teil- oder Vollkasko-Schutz für ihren Oldtimer. Mit der Vollkasko ist der Oldtimer auch bei einem selbstverschuldeten Unfall versichert. Bei einer Oldtimer-Versicherung erstreckt sich der Deckungsumfang auf den Markt- oder Wiederbeschaffungswert. Auch die Beiträge der Kaskoversicherung orientieren sich daran. Bei den Prämien handelt es sich um häufig um Festbeträge. Ein Schadenfreiheitsrabatt kommt nicht zum Tragen. Im Schadensfall werden Versicherte also nicht in der SF-Klasse hochgestuft.


Um die Kaskobeiträge ermitteln zu können, verlangen die Versicherer meist ein Oldtimer-Gutachten (mehr dazu siehe unten). Es ist in jeder Hinsicht eine gute Idee, wenn Oldtimer-Fahrer den Wert ihres Fahrzeugs ermitteln lassen. Andernfalls könne es dem Versicherten im Schadenfall schwerfallen, den Wert seines Fahrzeugs zu belegen. War es nun ein wertvoller Oldtimer oder ein verschlissenes Altfahrzeug?


Worin unterscheidet sich eine Oldtimer-Versicherung von normalen Policen?

Die Beiträge werden bei Oldtimer-Versicherungen pauschal bestimmt. Bei der Kfz-Haftpflichtversicherung werden sie in der Regel anhand des Fahrzeugalters ermittelt, mitunter ist zusätzlich die Leistung entscheidend. Die Beiträge für den Kaskoschutz hängen vom Markt- oder Wiederherstellungswert ab. Im Unterschied zur klassischen Kfz-Versicherung spielen in Oldtimer-Tarifen Typ- und Regionalklassen oder Schadenfreiheitsrabatte keine Rolle.


Was ist bei Wertveränderungen zu beachten?

Oldtimer-Fahrer sollten den Wert ihres Oldtimers regelmäßig überprüfen und mögliche Veränderungen ihrer Kfz-Versicherung melden. Damit vermeiden sie, dass der Versicherungsschutz im Schadenfall nicht ausreicht.


Bei weniger wertvollen Fahrzeugen sind die Kfz-Versicherungen mit einer Selbstbewertung zufrieden. Besitzer können dafür die Entwicklung an den Preisbörsen verfolgen und Wertsteigerungen dem Kfz-Versicherer melden. Auch aktuelle Fotos ihres Oldtimers sind äußerst hilfreich, um das Fahrzeug richtig zu versichern. Bei kostbaren Modellen ist jedoch ein aktuelles Gutachten von Profis zwingend notwendig. 


Bei teuren Modellen ist hingegen ein Kurzgutachten erforderlich, das rund 100 bis 200 Euro kostet. Entscheidend ist nicht nur die allgemeine Marktentwicklung. Auch aufwändige Reparaturen können sich wertsteigernd auswirken. Ein vollständiges Wertgutachten kostet Oldtimer-Fahrer im Schnitt etwa 300 bis 500 Euro.


Dürfen Oldtimer mit Saisonkennzeichen fahren?

Das H-Kennzeichen für Fahrzeuge, die mindestens 30 Jahre alt sind, lässt sich seit wenigen Jahren mit einem Saison-Kennzeichen kombinieren. Für Oldtimer muss damit nicht mehr die volle Kfz-Steuer bezahlt werden. Wer seinen Oldtimer nur eine bestimmte Zeit im Jahr nutzen möchte, spart damit Steuern. Der Grund: Bei einem H-Kennzeichen mit Saisonzulassung wird die Kfz-Steuer nur noch für die angemeldeten Monate erhoben.


Welche Auswirkungen hat das Saisonkennzeichen auf den Versicherungsbeitrag?

Sparen können die Liebhaber historischer Fahrzeuge meist auch bei der Kfz-Versicherung, wenn sie ihren Oldtimer nur saisonal anmelden. Sie zahlen in der Regel nur für die Zeit, in der das Auto auf die Straße darf. Legen sie den Wagen über den Winter still, fällt die Prämie für die Oldtimer-Versicherung geringer aus.


Versichert sind die Autos dennoch meist auch in der zulassungsfreien Zeit. Oldtimerfreunde profitieren oft von der sogenannten Ruheversicherung: Haben sie ihr Fahrzeug ordnungsgemäß untergebracht, bleibt der Schutz der Haftpflicht- und der Teilkaskoversicherung bestehen. Schäden aufgrund von Diebstahl, Feuer, Marderbissen oder Hagel und Sturm sind von der Versicherung weiterhin abgedeckt.