23.07.2019
Beruf & Freizeit

Selbst­stän­dig­keit: Die wich­tigs­ten Ver­si­che­run­gen für Frei­be­ruf­ler

Welchen Schutz brauchen Selbstständige, sowohl für ihre Firma als auch für sich persönlich? Wir geben einen Überblick über die wichtigsten betrieblichen und privaten Versicherungen für Selbstständige.

Es hängt vom individuellen Sicherheitsbedürfnis, den Einkommensverhältnissen und natürlich von der Art des Unternehmens ab, welche Versicherungen Selbstständige tatsächlich benötigen. Der Selbstständige, der in teure Produktionsmaschinen investiert, braucht einen anderen Schutz als ein Jungunternehmer, der gerade ein rein digital operierendes Start-up im E-Commerce gegründet hat.


1. Private Risiken: Diese Versicherungen sollten bei Selbstständigen nicht fehlen

Unerlässlich ist ein angemessener Schutz vor Krankheit, Berufsunfähigkeit, Altersarmut und Unfällen.


Die Krankenversicherung: Ohne geht es nicht

Eine Krankenversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben, das gilt selbstverständlich auch für Selbstständige und Existenzgründer. Dieser Schutz, egal ob in der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung, ist unverzichtbar.


Wenn Selbstständige krank werden, bedeutet das für sie immer auch einen Verdienstausfall. In diesem Fall leistet eine private Krankentagegeldversicherung. Sie kann auch für Selbstständige Sinn machen, die in der gesetzlichen Krankenkasse versichert sind. Der Grund: Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt erst ab der siebten Krankheitswoche das Tagegeld. Mit der Krankentagegeldversicherung müssen Selbstständige diese Zeit nicht mit ihren Ersparnissen überbrücken. In einer privaten Krankenversicherung ist in der Regel eine Krankentagegeldversicherung bereits enthalten.


Die Berufsunfähigkeitsversicherung: Existenzieller Schutz

Eine schwere Krankheit oder ein Unfall kann dazu führen, dass man gar nicht mehr oder nur wenige Stunden am Tag arbeiten kann. Kaum ein anderes Produkt ist deshalb so wichtig für die persönliche Risikoabsicherung wie die Berufsunfähigkeitsversicherung - das gilt nicht nur für Selbstständige, sondern für jeden, der von seiner Arbeitskraft lebt.


Die Berufsunfähigkeitsversicherung garantiert eine monatliche Rente – längstens bis zum Eintritt in den Ruhestand. Mit den Leistungen dieser Versicherung können Berufsunfähige ihren gewohnten Lebenstandard halten. Das gilt vor allem für Selbstständige, da sie meist keine oder nur sehr geringe Leistungen aus der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente erhalten.



Lieber früher als später: Die private Altersvorsorge

Die eigene Altersvorsorge sollte jeder Freiberufler möglichst frühzeitig angehen, um nicht im Alter seinen Lebensstandard stark zurückschrauben zu müssen. Wer einer selbstständigen Tätigkeit nachgeht, zahlt in der Regel nur wenig oder gar nicht in die gesetzliche Rente ein und hat im Ruhestand entsprechend geringe Ansprüche. Die Altersvorsorge in die eigene Hand zu nehmen ist deshalb für Selbstständige ein absolutes Muss.


Private Rentenversicherungen oder auch Lebensversicherungen bieten garantierte Leistungen im Alter, zum Beispiel in Form einer monatlichen Rente oder einer einmaligen Kapitalauszahlung. Diese Versicherungen lassen sich auf individuelle Bedürfnisse zurechtschneiden, hier ist die richtige Beratung gefragt.


Mit der Basisrente („Rürup-Rente“) existiert ein steuerlich gefördertes Vorsorgeprodukt. Die Basisrente wurde gezielt für Selbstständige und Freiberufler entwickelt, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Der Staat fördert die Basisrente über eine hohe steuerliche Abzugsmöglichkeit der Beiträge. Die Basisrente (nach ihrem Initiator Bert Rürup oft auch als „Rürup-Rente“ bezeichnet) kann als lebenslange Leibrente in verschiedenen Varianten abgeschlossen werden:


  • als Basisrente mit und ohne Hinterbliebenenschutz
  • als fondsgebundene Basisrente
  • als Sofortrente


Die Basisrente kann mit verschiedenen Zusatzbausteinen kombiniert werden. Sie sichern einige Risiken ab, zum Beispiel die Berufsunfähigkeit, die Erwerbsunfähigkeit oder auch den eigenen Tod. Sollte der Versicherungsnehmer sterben, zahlt der Anbieter der Basisrente den Hinterbliebenen (z.B. Ehepartner, eingetragener Lebenspartner oder minderjährigen Kindern) eine Rente.


Gut zu wissen: Für den Fall, dass es einmal nicht weitergeht mit dem eigenen Unternehmen, ist die Basisrente gegen Zugriffe der Agentur für Arbeit, des Sozialamts oder auch eventueller Gläubiger geschützt.



Was passiert nach einem Unfall?

Auch die private Unfallversicherung ist für Selbstständige ein wichtiger Baustein ihres Risikoschutzes. Denn egal, ob bei der Arbeit, im Haushalt oder beim Sport: Ein Unfall ist schnell passiert und in schwereren Fällen mit hohen einmaligen oder dauerhaften finanziellen Belastungen verbunden. Eine Unfallversicherung zahlt bei Invalidität nach einem Unfall je nach Ausgestaltung eine einmalige Summe (etwa zum Umbau des Hauses) und/oder eine Unfallrente. Übergangsgeld kann helfen, die finanziellen Mehrbelastungen während der Rehabilitation besser tragen zu können. Für Selbstständige ist es darüber hinaus besonders wichtig, auch den Verdienstausfall nach einem Unfall abzusichern.


2. Betriebliche Risiken: Diese Versicherungen schützen das Unternehmen


Die Betriebshaftpflichtversicherung: Wer anderen einen Schaden zufügt

Eine kleine Unachtsamkeit kann große Schäden anrichten - das gilt sowohl beruflich als auch privat. Im Privatleben schützt die private Haftpflichtversicherung vor den finanziellen Folgen. Bei einer selbstständigen Tätigkeit sind es entsprechend Berufs- oder Betriebshaftpflichtversicherungen. Für einige Berufe sind solche Versicherungen sogar gesetzlich vorgeschrieben. Heilpraktiker, Rechtsanwälte, Architekten oder Unternehmensberater beispielsweise brauchen auf jeden Fall eine Berufshaftpflichtversicherung.


Für Selbstständige im produzierenden Gewerbe sollte darüber hinaus auch über den Abschluss einer Produkthaftpflichtversicherung nachgedacht werden. Denn Hersteller haften für Produktmängel, auch wenn sie jene nicht selbst verschulden.


Cyberversicherung: Die Feuerversicherung des 21. Jahrhunderts

Die Unternehmenssicherheit mit ihren klassischen Handlungsfeldern Brandschutz, Security (Schutz gegen Einbruch, Diebstahl, Sabotage) und Naturgefahren (zum Beispiel Überschwemmung oder Starkregen) muss im 21. Jahrhundert um das Risiko der Informations- und Cybersicherheit ergänzt werden. Hacker-Angriffe oder Spam-Attacken und daraus resultierende Schäden sind zunehmend zum Problem für Unternehmen geworden. Jeder Unternehmer sollte sich mit seinem individuellen Risiko und den möglichen Folgen eines Angriffs auseinandersetzen - und die Absicherung durch eine entsprechende Versicherung gegen Cyberschäden in Angriff nehmen.



Die Rechtsschutzversicherung: Absicherung für den Streitfall

Probleme mit Mitarbeitern, Partnern oder Kunden können sich zu einem kostspieligen Streit vor Gericht auswachsen. Dafür kann eine Rechtsschutzversicherung aufkommen. Schutz für den privaten und beruflichen Bereich gibt es oft als Kombipaket, das speziell auf die Bedürfnisse von Selbstständigen und Gründern zugeschnitten ist. Diese Versicherung übernimmt in der Regel folgende Kosten bis zur Höhe der vereinbarten Versicherungssumme:


  • die gesetzlichen Anwaltsgebühren eines vom Versicherten gewählten Rechtsanwalts
  • Gerichtskosten
  • Zeugengelder und gerichtliche Sachverständigenhonorare
  • Kosten des Gegners, soweit der Versicherte sie übernehmen muss
  • Kosten für Mediationsverfahren 


Welche Versicherungen sind darüber hinaus für Unternehmen relevant?

Rückrufe von Produkten sind in der Produkthaftpflicht allerdings in der Regel nicht inbegriffen. Für solche Fälle bietet sich eine Rückrufkostenversicherung an.


Sinn machen kann je nach Art des Betriebs auch eine Umwelthaftpflichtversicherung. Sie erfüllt Schadensersatzansprüche, wenn durch den Betrieb Boden, Wasser und Luft verunreinigt werden.


Produktionsfehler oder Betriebsunterbrechung – für fast jeden Schadensfall im Unternehmen lässt sich vorsorgen. Je nach Risikoeinschätzung können Geschäfts-Inhaltsversicherungen und Geschäfts-Gebäudeversicherungen gegen Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm etc. abgeschlossen werden.


Weitere betriebliche Versicherungen, die je nach unternehmerischen Risiko in Frage kommen können:


  • Einbruchdiebstahlversicherung
  • Glasversicherung
  • Forderungsausfallversicherung
  • Firmenfahrzeugversicherung
  • Warentransportversicherungen