Ein lang andauernder, flächendeckender Stromausfall zählt zu den Katastrophen, die in modernen Gesellschaften gravierende Folgen haben. Irgendwann würde Chaos ausbrechen. Ohne Strom keine funktionierenden Ampeln, Tankstellen könnten kein Benzin mehr ausgeben, Supermärkte blieben geschlossen, kein Flugzeug würde mehr abheben. Das Fatale: Ist der Strom weg, fallen oft auch andere kritische Infrastrukturen aus wie das Gas-, Wasser-, Schienen- oder Mobilfunknetz aus – wie der Blackout in Spanien und Portugal im April 2025 zeigte.
Aus dem Grund mahnen Zivilschutz-Experten immer wieder, sich auch auf das eigentlich unvorstellbare Szenario vorzubereiten. Der Appell richtet sich nicht nur an den Staat, die Gemeinden oder die Betreiber kritischer Infrastrukturen. Er ist auch an Privatpersonen gerichtet. Denn im Katastrophenfall ist jede und jeder zunächst selbst für sich verantwortlich.
Wie oft kommt es zu Stromausfällen?
Ein Blackout – das heißt eine großflächige, über mehrere Minuten, Stunden oder gar Tage andauernde Störung – beschreibt die extremste Form eines Stromausfalls und ist glücklicherweise in Deutschland sehr selten. Stromausfälle sind jedoch alltäglich, mehrmals am Tag gibt es hierzulande irgendwo Störungen. Die Bundesnetzagentur führt eine Statistik, die alle von den Netzbetreibern gemeldeten Stromausfälle erfasst, die länger als drei Minuten dauern. 2024 waren es demnach bundesweit rund 165.000 Störungen.
Grafik: So lange ist der Strom durchschnittlich weg
In den meisten Fällen sind die Unterbrechungen nur kurz und regional begrenzt. Im Durchschnitt war die Stromversorgung eines Haushalts 2024 für knapp zwölf Minuten unterbrochen. Damit zählt Deutschland in puncto Versorgungssicherheit zu den Spitzenreitern.
Die Durchschnittswerte können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Betroffene mitunter mehrere Stunden ohne Strom dastehen – was insbesondere für Gewerbetreibende oder Firmen gravierenden Folgen haben kann.
Best Prepper: Mit diesem Notfall-Set überstehen Sie einen Blackout
Wer sich für einen längeren Stromausfall wappnen will, braucht gar nicht viel. Die wichtigsten Utensilien passen zusammen in eine Umzugskiste. Und auch die Kosten sind überschaubar.
1. Taschenlampen und LED-Leuchten
Netzstromunabhängige Lichtquellen sind bei einem Blackout unverzichtbar, um nicht im Dunkeln sitzen zu müssen und sich in der Wohnung orientieren zu können. Zumal, wenn sich der Stromausfall in der dunklen Jahreszeit ereignet. Um auch während eines Stromausfalls Licht in der Wohnung zu haben, sollte jede und jeder eine Taschenlampe vorhalten.
Ideal sind ebenfalls LED-Leuchten, die mit Batterien betrieben werden können. Im Unterschied zur Taschenlampe leuchten sie den Raum gleichmäßig aus. Für jedes Zimmer sollte im Idealfall mindestens eine Lampe vorhanden sein, die auch nicht zwingend erst für den Notfall aufgestellt werden muss. Als Stehlampe geben sie ein nettes Wohn-Accessoire ab. Wichtig: Halten Sie für alle Leuchten und Taschenlampen entsprechend ausreichend Batterien vor.
Kerzen sind als Ersatzlicht allenfalls eine Notlösung. Ihr Licht reicht nicht an das der Lampen heranreicht. Außerdem besteht bei Kerzen eine höhere Brandgefahr, sie sollten nicht unbeaufsichtigt abbrennen.
Für den Außenbereich können auch Gaslampen genutzt werden, die mit Kartuschen versehen sind.
2. Powerbank
Ob Smartphone oder Tablet: Ohne die technischen Geräte stehen wir Menschen heutzutage ziemlich hilflos da. Keine Anrufe (sofern das Netz überhaupt funktioniert), keine aktuellen Informationen, nach denen die Menschen gerade im Havariefall suchen. Um Handys, Tablets oder auch LED-Lampen während eines längeren Stromausfalls aufladen zu können, sollte man mindestens eine aufgeladene Powerbank im Haushalt haben. Sie ist ohnehin kein ausschließliches Notfalltool. Auch auf Reisen können die mobilen Ladegeräte extrem nützlich sein.
Die Ladestation sollte eine ausreichend hohe Kapazität haben. Diese wird in Milliamperestunden (mAh) angegeben. Eine Ladeleistung von 10.000 mAh ist das Minimum, besser noch sind 30.000 oder 50.000 mAh. Anhand der Akkuleistung ihres Mobiltelefons können Sie abschätzen, wie viele Geräte beziehungsweise wie oft sie ein Gerät mit einer voll aufgeladenen Powerbank laden können. Ausdauernde Handys haben zum Beispiel eine Akkuleistung von ungefähr 4.500 mAh, mit einer 30.000 mAh starken Powerbank kommen Sie auf sechs Ladezyklen.
Mit einer Powerbank können Sie unter bestimmten Voraussetzungen auch einen Laptop laden. Für diesen Zweck muss die Powerbank über den Power Delivery (PD)-Ladestandard verfügen. Dieser erlaubt über den USB-C-Stecker Ladeleistungen von 45 oder 60 Watt, die für die meisten Notebooks oder Ultrabooks mindestens nötig sind. Gleichzeitig muss aber auch das Notebook das Laden via USB-C unterstützen.
Achtung: Wie alle Lithium-Akkus entlädt sich eine Powerbank von selbst. Sie verliert bei Nichtnutzung etwa zwei bis fünf Prozent ihres Ladevolumens pro Monat. Aus dem Grund sollte das Gerät nicht monatelang unbenutzt in der Schublade liegen, sondern von Zeit zu Zeit aufgeladen werden. Nicht nur, um im Ernstfall über die Energiereserve zu verfügen. Sondern auch, um eine Tiefenentladung zu vermeiden, die den Akku irreparabel beschädigen könnte.
3. Kurbelradio
Das Internet ist heutzutage für die meisten Menschen die Hauptinformationsquelle, bei einem Stromausfall ist es jedoch oft nicht verfügbar, wenn sowohl der Router daheim nicht funktioniert als auch die mobilen Sendemasten ausgefallen sind. Als unverzichtbaren Bestandteil der Notfallvorsorge empfiehlt daher das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) für jeden Haushalt mindestens ein Kurbelradio.
Das Funktionsprinzip ist so alt wie robust: Eine Handkurbel treibt einen Dynamo an, der wiederum einen intern verbauten Akku auflädt. Theoretisch lässt sich so unbegrenzt lange Radio hören. Aber nicht nur das: Viele Kurbelradios verfügen über nützliche Zusatzfunktionen wie eine verbaute Lampe oder Buchsen zum Laden von kleineren Elektrogeräten wie Handys. Das macht die Geräte zu Alleskönnern – weswegen sie auch als Notfallradios bezeichnet werden.
4. Campingkocher
Kommt es zu einem Stromausfall, ist der elektrische Herd ebenfalls funktionsuntüchtig. Als Notlösung bieten sich Campingkocher an. Diese gibt es in verschiedenen Ausführungen. Bei der einfachen Variante wird eine Stechgaskartusche in einen Kochaufsatz geschraubt, größere Geräte haben ein Doppelkochfeld und lassen sich auch mit größeren Gaskartuschen oder -flaschen anschließen. Mit einem Campingkocher lässt sich ein einfaches warmes Essen zubereiten oder einfach nur Wasser aufkochen.
Wichtig: Um eine Gasvergiftung zu vermeiden, sollten Campingkocher im Freien genutzt werden, beispielsweise im Garten, auf dem Balkon oder der Terrasse. Falls Sie das Gerät doch in der Wohnung nutzen, achten Sie auf eine ausreichende Belüftung des Raumes. Reißen Sie das Fenster am besten weit auf.
5. Essensvorräte
Um sich für einen längeren großflächigen Stromausfall zu wappnen, bei dem auch die regionale Nahrungsmittelversorgung einschränkt ist, sollte jede und jeder auch ein paar Essensvorräte anlegen. Am besten geeignet ist Fertigessen aus Konserven. Die Gerichte sind lange haltbar, bereits vorgekocht und können – kalt oder auf einem Campingkocher erhitzt – direkt aus der Dose gegessen werden. Darüber hinaus ist es ratsam, immer einen gewissen Bestand an haltbaren Lebensmitteln wie Reis, Nudeln oder Hülsenfrüchte im Haus zu haben.
Tipp: Achten Sie in regelmäßigen Abständen auf das Mindesthaltbarkeitsdatum. Läuft es bald ab, sollten Sie die Nahrungsmittel verbrauchen und neue Reserven nachkaufen.
Es gibt zudem sogenannte Einpersonenpackungen (EPAs) im Handel, die eigentlich für den militärischen Einsatz gedacht sind. Die Pakete enthalten eine Tagesration – bestehend aus sehr lange haltbaren Lebensmitteln (> 10 Jahre). Mit dem integrierten Heizbeutelsystem lassen sich einige Mahlzeiten sogar problemlos aufwärmen – ohne zusätzliche Wärmequelle. Allerdings sind die EPAs relativ teuer.
Überzeugte Prepper sorgen selbst für den Fall vor, dass die Wasserversorgung zusammenbricht. Mit Reinigungstabletten lässt sich selbst stark verunreinigtes Wasser aus Pfützen oder Seen aufbereiten.
6. Notstromaggregat
Notstromaggregate sind im Bereich der öffentlichen Infrastruktur gang und gäbe, damit wichtige Einrichtungen wie Krankhäuser, Wasserbetriebe oder Rechenzentren auch während eines länger andauernden Stromausfalls funktionieren. Mit Benzin oder Diesel betriebene Generatoren erzeugen den Strom und sorgen für eine autarke Energieversorgung.
Auch Besitzer eines Einfamilienhauses können über die Anschaffung eines solchen Gerätes nachdenken, um bei einem Ausfall der Stromversorgung wichtige Hausfunktionen aufrecht erhalten zu können. Das gilt nicht nur für das Licht, wertvoll ist ein Notstromaggregat vor allem für die Sicherung der Wärmeversorgung. Denn auch eine Gastherme oder ein Ölbrennwertkessel benötigen für den Betrieb Strom – eine Wärmepumpe allemal.
Vom gewünschten Verwendungszweck hängt die Leistung des Generators ab. Wer seinen Stromverbrauch auf das Allernötigste reduziert, kommt mit einem kleineren Gerät von 3.000 bis 5.000 Watt aus. Wer hingegen mehrere Haushaltsgeräte gleichzeitig nutzen möchte oder gar eine Wärmepumpe versorgen muss, braucht ein mittelgroßes Aggregat mit einer Maximalleistung von 8.000 bis 12.000 Watt. Diese kosten allerdings auch deutlich mehr. Alternativ können sich Hausbesitzer die Geräte auch ausleihen. Doch die dürften bei einem Blackout Mangelware sein.
Achtung: Die notwendigen Anschlüsse (z.B. Notstrom-Umschalter, Einspeisungsstecker) zur Verbindung eines Notstromaggregats mit dem Hausnetz dürfen nur von Elektrofachkräften durchgeführt werden. Unter Umständen braucht es auch eine Genehmigung des Stromnetzbetreibers. Außerdem dürfen die Generatoren nur im Freien betrieben werden.
Was sind die Ursachen für Stromausfälle?
1. Technische Defekte
Stromausfälle können verschiedene Ursachen haben. Meist sind technische Defekte dafür verantwortlich. So kommt es aufgrund kaputter Schalter oder Relais, defekter Muffen oder verschlissener Isolierungen immer wieder zu Kurzschlüssen im Mittel- oder Niederspannungsnetz – und damit verbundenen Notabschaltungen. Auch Brände in Trafostationen oder Umspannwerken sorgen für Unterbrechungen.
2. Widrige Wetterbedingungen
Insbesondere Freileitungen sind anfällig für widrige Wetterbedingungen. So können Stürme Bäume zu Fall bringen, die in Stromleitungen krachen, oder die Strommasten selbst knicken um. Auch Frost, Schnee und Eisregen stellen eine große Gefahr für Überlandleitungen dar. Durch das zusätzliche Gewicht können die Kabel reißen oder so stark durchhängen, dass die Hochspannungsleitungen abgeschaltet werden müssen. Überschwemmungen können die Strominfrastruktur ebenfalls schwer beschädigen. Und auch Blitzeinschläge in Trafostationen sind mitunter Ursache für Stromausfälle.
3. Menschliches Versagen
Manchmal sind Stromausfälle auch auf menschliches Versagen zurückzuführen. Mitunter passieren dem Personal der Netzbetreiber bei Wartungsarbeiten Fehler. Oder es sind externe Firmen, die bei Bauarbeiten Erdkabel oder Hochleitungen beschädigen.
4. Sabotage und Vandalismus
Es gibt – auch das ist leider Realität in Deutschland – regelmäßige Angriffe auf die Netzinfrastruktur. In und um Berlin wurden in den vergangenen Jahren mehrere besonders schwere Anschläge auf das Stromnetz verübt, die von den Ermittlungsbehörden gar als linksterroristische Aktionen gewertet werden. Weniger Schlagzeilen verursachen die Angriffe auf Trafostationen, die bundesweit regelmäßig vorkommen. Manchmal nur aus purer Zerstörungswut, mitunter haben es die Täter auch auf die Technik oder die Kabel abgesehen.
Wie sind Stromausfälle versichert?
Grundsätzlich gilt: Nicht der Stromausfall selbst ist versichert, sondern der als Folge eingetretene Sachschaden. Für Verbraucher dürfte es dabei vor allem um frostbedingte Schäden durch Leitungswasser sowie Schäden durch Einbruchdiebstahl gehen, die über eine Wohngebäude- oder Hausratversicherung abgedeckt sind.
Sollte es aufgrund eines Blackouts in einem Betrieb zu einem Brand- oder Wasserschaden kommen, wäre dieser über die gewerbliche Gebäudeversicherung versichert.
Für Betreiber von großen Kühlhäusern oder Lebensmittelproduzenten gibt es zudem spezielle Kühlgutversicherungen. Sie ersetzen den Wert der Ware, die wegen eines Ausfalls der Kühlung verdirbt. Auch Apotheken können sich gegen den Verderb von Medikamenten absichern, falls der Kühlschrank infolge einer unterbrochenen Stromversorgung ausfällt.
Grundsätzlich können Industrieunternehmen auch Produktionsausfälle aufgrund eines Stromausfalls abdecken. Dieser Schutz kann Bestandteil einer sogenannten sachschadenfreien Betriebsunterbrechungsversicherung sein.
Sind Stromnetzbetreiber zu Schadensersatz verpflichtet?
Vom Netzbetreiber können Industrieunternehmen, deren Produktion durch einen Stromausfall unterbrochen wird, in der Regel keine Entschädigung erwarten. Er ist nur zum Ersatz von Sachschäden verpflichtet, die er fahrlässig verursacht hat. Das setzt voraus, dass er für den Ausfall verantwortlich gemacht werden kann, weil er beispielsweise die Leitungen nicht gewartet hat.
Reine Vermögensschäden, also ein durch die Unterbrechung entstandener finanzieller Mehraufwand, sind sogar nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit des Netzbetreibers durch diesen ersatzpflichtig. Bei höherer Gewalt, wenn etwa ein Unwetter die Stromversorgung unterbricht, gibt es generell keine Entschädigung vom Netzbetreiber.